8. Juni 2017

Erneut verabschiedete der Bezirksrat Linden-Limmer den Antrag zur Benennung des (inoffiziellen) Velvetplatzes in Halim-Dener-Platz in Linden-Nord mit einigen Ergänzungen. Wieder waren eine große Anzahl Gegner und Befürworter türkischer Herkunft anwesend. In der Bürgerfragestunde stießen die Meinungen leidenschaftlich aufeinander, wobei die Gegner der Platzbenennung in starker Überzahl anwesend waren. Der Konflikt wurde in starken Worten und im Wesentlichen sachlich ausgetragen. In Bereitschaft stehende Polizisten brauchten auch dieses Mal nicht einzugreifen. Während CDU und FDP ebenfalls sehr leidenschaftlich gegen den Antrag argumentierten und auch die SPD sich überwiegend dagegen aussprach, stimmten die übrigen Parteien dafür: Grüne, Linke, Piraten, Die Partei.

Nach der Abstimmung überreichten türkischstämmige Kritiker als Protest kopierte Listen mit 4.000 Unterschriften an Bezirksbürgermeister Grube.

 

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Vertreter des Türkischen Jugend- und Studenten Bundes e.V.  und der Atatürk Gesellschaft Niedersachsen e.V. stellen Bezirksbürgermeister Grube ihre Unterschriftensammlung vor. Eine Kopie der 4.000 Unterschriften wird überreicht.

 

Die neuerliche Abstimmung war notwendig geworden, da Oberbürgermeister Schostok und der Verwaltungsausschuss der Stadt Hannover Einspruch gegen die Platzbenennung nach Halim Dener eingelegt hatten.

Oberbürgermeister Schostok hatte angekündigt im Falle eines neuerlichen Beschlusses des Bezirksrates die Kommunalaufsicht im Niedersächsischen Innenministerium zu informieren, um den als rechtswidrig eingeschätzten Beschluss aufheben zu lassen.

öl/07.06.2017/08.06.2017, 14:25

Hintergrund

Am 30.06.1994 klebte Halim Dener, 16, mit anderen am Steintor Plakate für die verbotene PKK. Eine Festnahme durch zufällig vorbeikommende Zivilpolizisten entzog sich der junge Kurde durch körperliche Gegenwehr und Fluchtversuch. Ein sich dabei lösender Schuss führte zu seinem Tod.

Der Bundesgerichtshof fällte schließlich 1997 das endgültige Urteil, dass es sich bei dem Schuss aus der Dienstwaffe des Polizisten um ein Versehen gehandelt hat.

Die PKK ist in Deutschland seit 1992 und seit 2002 auch in der EU verboten und wird als terroristische Vereinigung eingeschätzt. Eine öffentliche Entschuldigung für die in Deutschland begangenen Gewalttaten durch den „operativen PKK-Führer(s) Cemil Bayik“ (NDR) böte keinen Anlass für eine Neubewertung, so das Bundesinnenministerium 2015.

Siehe auch:
>> NDR – Bundesregierung hält an PKK-Verbot fest

Redaktion halloLindenLimmer.de

Kommentare

  1. Statt für „Halim-Dener-Platz“ bin ich für „Halal-Döner-Platz“ …

    … als integrative Hilfe für die besonders menschenrechts- und tierschutzfreundlichen türkischstämmigen Mitbürger …

    – Erdoganuh akbar!

    P. S.: Gibt’s jetzt wieder Morddrohungen?

    1. Danke für die mutige Veröffentlichung (ich selbst bin ja anonym *klopf*).

      Dafür kann man in der Türkei verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden (ein Klo für 50 Mann und noch viel, viel noch schlimmer – traumatisierend) – auch als Deutscher ohne türkischen Pass, wie kürzlich in Zuspitzung der „Antiterrormaßnahmen“ mehrfach geschehen.

      Und die deutliche Mehrheit der Deutschtürken, die zur Referendums-Wahl gegangen sind, haben DAFÜR gestimmt. Da kriege ich die Wut und frage mich, was das für Zombies unter uns sind und wie ich jetzt damit umgehen soll.

      Seit den unrechtstaatlichen (U-Haft regelmäßig ohne Begründung und Anwalt, Sippenhaft usw.), willkürlichen, in gigantischem Ausmaß stattfindenden „Antiterrormaßnahmen“ sehe ich die Türkei mit neuen – erst erschreckten und dann traurigen – Augen.

      Auch, dass der Islamismus unter den Deutschtürken zumindest salonfähiger zu werden scheint, macht mir große Sorgen. Das ist nicht der barmherzige, demütige, liebevolle Islam, den ich von anderen Muslimen erfahren durfte, sondern das zielt auf Scharia, harte Unterdrückung von Frauen, die Verachtung von Kuffars (Ungläubige) und auf Gewalt. Das lehne ich mit aller Kraft und Überzeugung ab und habe da null Toleranz.

      Ich will so was nicht in der Gesellschaft haben. Gar nicht. Bei Gott nicht.

      P. S.: Übrigens bin ich eigentlich nicht fremdenfeindlich. Im Gegenteil, ich habe immer für Toleranz für Ausländer und Migranten geworben und mich dadurch auch oft unbeliebt gemacht in öffentlichen Foren.

      Umso ungerechter finde ich es, wenn mir und anderen Normalen von bestimmten Personengruppen zunehmend Verachtung und Intoleranz entgegengebracht werden, in der Türkei mündend in unrechtstaatliche Gewalt und in vielen Staaten, darunter westeuropäischen, in einen radikalen, gewalttätigen Islamismus.

      Deswegen, um Missverständissen vorzubeugen, fordere ich von allen Muslimen und auch von allen Deutschtürken klare Bekenntnisse zu den allgemeinen Menschenrechten (Saudi-Arabien verwendet stattdessen ja die islamischen) und zu unseren deutschen und europäischen Grundrechten und -werten.

      Die Mehrheit der Deutschtürken aber ist dazu nicht bereit (siehe ihr Wahlverhalten beim Erdolf-Referendum), und die Islamisten oder Sympathisanten schon gar nicht. Und der Rest will sich wahrscheinlich nicht unbeliebt machen bei der eigenen Bezugsgruppe.

      Es drohen ja auch Repressionen. Türkische Behörden führen Listen über deutsche Staatsangehörige und rufen öffentlich dazu auf, ganz normale und legale Abweichler, die sie Terroristen nennen, zu melden (Kurden z. B. passen wohl so gut wie immer ins Raster).

      Die hatten sogar die Frechheit, einige dieser Listen ans BKA weiterzugeben, das den „Auftrag“ aber nicht angenommen hat und stattdessen die „Verdächtigen“ informiert und gewarnt.

      Das muss bei mir natürlich Misstrauen erzeugen. Es tut mir leid, wenn davon auch liberale Türken betroffen sind. Wie soll ich damit umgehen? Und wieso überhaupt ich, der ich immer auf dem Boden des Grundgesetzes gestanden habe? Ich finde schon, dass es da eine Bringschuld gibt.

      Sorry für den langen Text, und ich habe versucht, es sachlich zu halten. Trotzdem will ich da klare Verhältnisse sehen, zumindest in Hannover und in Deutschland. *grrr* *brrr*

      1. Und noch mal für Alle zum gaaanz langsamen Mitmeißeln:

        Für die Verantwortlichen, die diese Beiträge freigegeben haben und veröffentlichen, fällt der Türkei-Urlaub bis auf Weiteres aus. Das war ihre bewusste Entscheidung.

        Und ich nenne das Zivilcourage.

  2. der halim dener kam soviel ich weiß aus Neustadt…
    warum will man in linden diesen platz nach ihm benennen?
    wieso nich in seinem Wohnort? oder am Steintor? wo das ganze passiert ist?
    warum, eine plausible Erklärung bitte!

  3. Die PKK hat sich entschuldigt,da sollte eine Neubewertung anders ausfallen. Herr Schostock sollte die Rechte einer Bezirksvertretung nicht in Frage stellen ,das wäre gelebte Demokratie!

    1. Sorry, aber einen Platz nach jemanden zu benennen, weil er wegen eines Unfalls bei der Begehung von Straftaten getötet wurde, ist ja wohl mehr als speziell! Und ob sich die PKK entschuldigt oder nicht, spielt ja wohl keine Rolle, wenn man bedenkt, dass diese immer noch verboten ist! Es gibt so viele Menschen, die sich für die Allgemeinheit den Hintern aufgerissen haben, dass es wohl kein Problem sein würde, einen Namen für diesen Platz zu finden.

  4. Oh, es gibt einen türkischen Jugend und Studentenbund e.V.?! Noch nie von gehört. Schön, dass sich das jetzt ändert.

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