27. März 2019

Bei einer Anhörung im Bezirksrates (27.03.2019) stellten sich heute fünf Initiativen aus dem Stadtbezirk vor. Dabei hielt der Elminja-Kiez eine emotionale Rede gegen die Initiative Jamiel-Kiez.

Hinweis: am Anfang fehlt die Einführung

Wortlaut

Redemanuskript anlässlich der Bezirksratssitzung am 27. März 2019. Zur freien Verwendung.

PLÖTZLICH IM KIEZ

Sehr geehrte Damen und Herren des Bezirksrates Linden-Limmer, verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer, hochgeschätzte Nachbarinnen und Nachbarn, liebe Journalistinnen und Journalisten und solche, die es gerne wären. Zunächst möchte ich mich bei Ihnen allen recht herzlich für die Möglichkeit bedanken, an diesem Tag vor Ihnen, mit Ihnen, über Sie sprechen zu dürfen. Amüsant, weil heute wohl erstmalig, gegen die Stimmen der Grünen, eine facebookseite in den Bezirksrat eingeladen wurde! Dennoch, es gibt ja nicht nur facebook, führte und führe ich viele echte Gespräche auf der Straße, mit echten Nachbarinnen und Nachbarn. Und glauben Sie mir, viele dieser Nachbarinnen und Nachbarn fühlen sich von den aktuellen Entwicklungen vor Ort bedrängt, haben Angst vor weiteren Mietpreissteigerungen und Gentrifizierung und damit einhergehend: sozialer Verdrängung. Um einem Vorwurf gleich vorab zu begegnen – nein, ich bin kein Autofreak oder gar Fahrradhasser, erkenne die Notwendigkeit einer Verkehrswende an und plane, noch in diesem Jahr mein Auto abzuschaffen. Ich darf mich Ihnen vorstellen: Mein Name ist Malte Mackenrodt und ich bin der selbsternannte Bürgermeister des selbsternannten Elminja-Kiezes, einer hochengagierten facebook-Kleinkiezkolonie mit knapp 400 Likes im idyllischen Linden-Mitte, genauer gesagt: der Eleonoren-, Minister-Stüve- und Jacobsstraße.

Einige von Ihnen werden diese possierlichen Straßen vielleicht nicht kennen, zu langweilig war und ist doch das Leben hier. Hier übertönt im Frühling und Sommer Vogelgezwitscher das allgemeine städtische Grundrauschen in der gemütlichen Tempo-30-Zone, hier grüßt man sich noch, hier hilft man dem Opa mit den Einkaufstüten auf dem Nachhauseweg. Weder gibt es hier nennenswerte Kultur- oder Gastronomieangebote, noch gibt es hier nächtlichen Suff und sonstigen Radau und vor allem – und das ist vielleicht das Allertraurigste – gibt es hier nicht einmal einen Kiosk. Und doch, das wird Sie vielleicht ebenfalls erstaunen, sind wir seit etwas mehr als einem Jahr ein Kiez. So zumindest mussten wir rund 1.000 Anwohnerinnen und Anwohner es plötzlich aus der Presse, aus dem Internet und auf Broschüren und Plakaten erfahren. Aber lassen Sie mich nun zum Ernst der Sache kommen und etwas weiter ausholen, sehr geehrte Damen und Herren.

Ungefähr zur Jahreswende 2017/2018 erhielten wir Anwohnerinnen und Anwohner die ersten Postwurfsendungen – es folgten viele weitere – in alle, ja alle Briefkästen, mit einer professionell gestalteten Infobroschüre. „Willkommen im Jamiel-Kiez“ begrüßte uns das Faltblatt und unterstellte mit der Frage „Wer ist eigentlich dieser Jamiel?“, dass die Menschen in den drei Straßen ernsthaft Interesse an der Beantwortung dieser Frage hätten. Dieser Jamiel sei kein Onkel aus Amerika, so die prompt mitgelieferte Antwort, sondern die Jacobs-, Minister-Stüve- und Eleonorenstraße und das Motto laute ab sofort „Auf die Straßen, fertig, los…“, das Motto laute „Mach mit!“. Aha, soso…

Man wolle sich gemeinsam Gedanken machen, so der Wortlaut. Über die Begrünung der Straßen, einen Klamottentauschabend, einen Stammtisch und ein Straßenfest. Letzteres, das Straßenfest, sei auch das Ziel, an einem Wochenende im Sommer 2018. Klingt eigentlich erst einmal charmant. Eigentlich.

Nun, um Blumen zu pflanzen, einen Stammtisch, einen Klamottentausch, einen Kinderflohmarkt oder ein kleines Straßenfest gemeinsam auf die Beine zu stellen, braucht es an sich nicht viel – so kennt man das zumindest aus anderen Städten und Stadtteilen. Anders in Linden-Mitte, anders bei Jamiel, diesem Kiez, den es nie gab und gibt: Hier, in den drei Straßen, die einige wenige – und einer ganz besonders – auf einmal zum Kiez machen wollten, war bereits alles vororganisiert, angelegt und durchgeplant: Ein Logo von einer Designagentur kreiert, eine Falzbroschüre von ebenjener gestaltet und nicht zuletzt war auch schon die Website samt Impressum, Mailadresse, urheberrechtlichen Hinweisen und allerlei anderem arg professionellem Gedöns online. Wohlgemerkt noch bevor das erste Treffen mit der zum Mitmachen aufgeforderten Nachbarschaft überhaupt stattgefunden hatte!

Was sich hier den rund 1.000 Bewohnerinnen und Bewohnern mit einem scheinbar fröhlichen und nachbarschaftlichen Mitmach-Imperativ anbiedern wollte, sah nicht nur auf den ersten Blick aus wie das vorgestanzte Konzept aus der schillernd-schrecklichen Arbeitswelt der Architekten, Stadtentwickler und Verkehrsplaner. Auch auf den zweiten, dritten, vierten Blick verfestigte sich dieser Eindruck: Ein Klick auf die Website offenbarte die wahre Vision des eifrigen Kiezentwicklers, auf dessen Namen ebendiese Homepage auch registriert war. Noch bevor das erste nachbarschaftliche Kennenlerntreffen stattgefunden hatte, schmückten dort schon tiefengekärcherte 3D-Visualisierungen die schöne neue Kiezwelt. In einem mit stimmungsvoller Musik unterlegten 3D-Video, wie man es sonst nur aus Projektmappen und –auftritten größerer Bauvorhaben kennt und fürchtet, flanierten computeranimierte Menschen über autofreie Straßen, wehte die Jamiel-Flagge zwischen den Häuserfronten.

So sieht das heute also aus, sehr geehrte Damen und Herren, wenn man in Linden-Mitte ein simples Straßenfest feiern möchte!

Lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit auch in aller gebotenen Kürze auf den Kiezurheber und Eigentümer der Website eingehen, der hier und heute die Gelegenheit hatte, uns sein ganz persönliches Kiezprojekt vorzustellen: In der Stadt sowie in Stadt- und Bezirkspolitik ist er längst kein Unbekannter mehr, fällt er doch allerorten und seit einigen Jahren als passionierter Fahrradaktivist und Verkehrsvisionär auf. Lautstark und hartnäckig besetzt er auf Podien, in Presseartikeln und in sämtlichen sozialen Medien seine Themen, nimmermüde projektiert er hier und da, eigentlich egal wo – Hauptsache, die Agenda, seine Agenda stimmt. Die „Grüne Banane“, das damalige Äquivalent der nun für unsere drei Straßen beantragten Anwohnerzone? Er ist federführend mit dabei! Den Lindener Marktplatz nach dem Motto, sie erinnern sich vielleicht noch an das Zitat aus der Broschüre, „Auf die Straßen, fertig, los!!!“ besetzen und autofrei machen? Klar, ist er am Start! Ganz Linden mit Aufklebern vollpflastern, auf dass die Stadt bald endlich „copenhagenized“ werde? Ehrensache! Und so auch hier beim nächsten ehrgeizigen Projekt, denn, um es mit dem Namen seines notorisch-nervigen und stilistisch schlecht geschriebenen Blogs, um es mit einer seiner vielen Initiativen zu sagen: PLATZ DA! – hier kommt der Kiez und ab sofort heißt es mitmachen, mitmachen, mitmachen! Schließlich geht es doch um die gesamte Nachbarschaft, um uns alle und nicht etwa um die Visionen eines Architekten, der seine ehemaligen Studierenden 3D-Animationen anfertigen ließ, noch bevor überhaupt ein erstes nachbarschaftliches Treffen stattgefunden hatte.

Und dann das erste offizielle Kennenlerntreffen im Medienhaus Hannover am 10. Januar 2018, bei dem immerhin rund 60 Menschen zusammenkamen. Eine Zahl, die seither aus guten Gründen nie wieder auch nur annähernd erreicht wurde. So ein Straßenfest und kuscheliges Nachbarschaftsprojekt mit Stammtisch und Laufgruppe braucht heute eben einen Moderator am Funkmikrofon, so ein Projekt braucht natürlich einen Projektor samt Leinwand und fertiger PowerPoint-Präsentation und vor allem braucht es Flipcharts für die kreativ-konzeptionelle Projektarbeit. Und Fotografen, einen Videofilmer und Stadtteiljournalisten, die braucht es selbstverständlich auch, bei so einem Nachbarschaftstreffen in diesem Kiez, den es nie gab und gibt. Denn Nachbarschaft, die sollte man nie dem Zufall überlassen, die wächst heute nicht mehr organisch von Stockwerk zu Stockwerk, von Haustür zu Haustür – nein, da müssen Profis ran, da muss eine Kampagne her, sehr geehrte Damen und Herren!

Kurz danach, nachdem bereits ein von einem Südstädter betriebenes Lindener Webportal und das Wochenblatt „Lindenspiegel“ von der Gründung des „Kiez im Kiez“ tönte, war auch ein erstes professionell geschnittenes YouTube-Video online. Das Video widmete sich in gefühlt der Hälfte der Bilder und Sendezeit dem eifrigen Kiezmacher und zeigte ihn in verständnisvollen, beinahe väterlichen Posen und mit typisch projektleiterischem Gestus.

Der kampagnenhaften, ja architektonischen Logik des emsigen Überzeugungsarbeiters folgend, gab es selbstverständlich auch schon eine interne, geschlossene facebook-Gruppe der sogenannten Jamielanerinnen und Jamielaner. Geschlossen deshalb, weil diejenigen, die Mitglied werden wollten, erst einmal drei Fragen, wenn man so will, Bewerbungsfragen beantworten mussten, bevor sie eventuell in den erlauchten Kiezkreis aufgenommen wurden. Kontrolliert und administriert von nur einem Einzelnen, der diese Gruppe auch fast ausnahmslos allein mit Posts befüllte. In der Gruppe: Rund 130 Menschen, von denen eine nicht unerhebliche Anzahl nicht einmal ansatzweise in den drei Straßen wohnen. Den drei Straßen, die nun binnen kürzester Zeit zum „Kiez“, zum Zitat – „Leuchtturm“ für eine ganze Stadt, mindestens jedoch zum strahlenden Bestandteil einer Kulturhauptstadt mit dem Motto „Nachbarschaft“ hochgejazzt werden sollten. Die wohnortfernen Gruppenmitglieder aber, oh Wunder, allesamt Sympathisantinnen und Sympathisanten und/oder Mitglieder von PLATZ DA!, HannovAir – Netzwerk für klare Luft, dem VCD, oder der grünen Bezirksratsfraktion, inklusive Daniel Gardemin. Spannend, was sich dort Nachbarschaft nennt und nannte, verehrte Damen und Herren!

Selbstverständlich erwog man dort in der Gruppe auch, ebenfalls lange vor dem Straßenfest, welches, wir erinnern uns an die Kiez-Broschüre, ja eigentlich das erklärte Ziel sein sollte, sich für den Deutschen Nachbarschaftspreis 2018 zu bewerben. Denn wer mit aller professionellen Kampagnenarbeit ein Leuchtturmprojekt sein und vorantreiben will, braucht selbstredend auch einen Preis, oder immerhin eine Nominierung. Das ist die Verwertungslogik des Agenturmarktes und seiner enthusiastisch-zappeligen Projektierer, mit der Heimeligkeit einer trauten Nachbarschaft hat das jedoch längst nichts mehr zu tun.

Der Sommer 2018 nahte. Und damit rückte auch der Termin des Straßenfestes näher. Und ein solches muss ja irgendwie auch finanziert werden. Und schon rollte die nächste Kampagne durch die drei Straßen. Spendendose war gestern, es musste ein webbasiertes Crowdfunding her. Bei „hannover.machen“, der seit der mit städtischen Geldern subventionierten Gründung vor sich hin dümpelnden Plattform des Bürgerbüros Stadtentwicklung, dessen Geschäftsführer, Sie ahnen es bestimmt schon, auch Mitglied der geschlossenen facebook-Gruppe war.

Mit den 1.305 crowdgefundeten Euro wurden sogleich weitere Broschüren, riesige Plakate im Format A0 und vor allem ein ca. 3 mal 4 Meter großer Banner mit dem Jamiel-Kiez-Logo finanziert, welcher dann einige Wochen wie ein unübersehbares Ortsschild über den Straßen wehte. Größenwahn, der eine Marke schafft, statt Nachbar-schafft!

Natürlich, getreu der Agenda des Kiezmachers, der mit der missionarischen Selbstgewissheit agierte, schon das Richtige für alle, soll heißen für die rund 1.000 Bewohnerinnen und Bewohner der drei Straßen, also für die Nachbarschaft zu tun, mussten die Straßen für das Fest komplett autofrei sein. Hinweiszettel hinter allen Scheibenwischern, zahlreich aufgestellte Parkverbotsschilder und Barrikaden vor den Straßeneingängen machten dies möglich. Dass alle rund 200 Autobesitzerinnen und -besitzer um dieser Aufforderung Folge zu leisten angesichts der ganz Linden betreffenden Parkplatznot rund eine halbe Stunde im zweiten Gang durch die Umgebung kreisen mussten, um dann das Auto einfach irgendjemand anderem vor die Haustür zu stellen, war der klimaunfreundliche Nebeneffekt dieser großangelegten Absperrung für das klitzekleine Straßenfest. Aber eben auch ein klassisches Beispiel dafür, wie die Initiative und die pure Innenperspektive einiger weniger ein Problem externalisiert, also nach außen verlagert.

Das Straßenfest selbst war dann ein eher beschauliches Happening. Klar, der VCD und andere Netzwerkpartner und ihre Logos waren auch mit von der Partie und auf dem Straßenfesthandzettel. Aber warum für ein bisschen Grillen, Skaten, Kinderschminken, Schachspielen und Yoga, welches genauso gut auf 150 Metern hätte ausreichend Platz finden können, warum dafür gleich drei ganze Straßen geräumt und beschildert werden mussten – ich kann es mir bis heute nicht erklären, meine Damen und Herren! Ich habe mir den Spaß gemacht und es mir angeschaut: Der vordere Teilabschnitt der Jacobsstraße lag brach und wurde nicht bespielt, ebenso fast die gesamte Eleonorenstraße. Nix los, aber Hauptsache autofrei!

Nun haben ich und andere Nachbarinnen und Nachbarn an sich nichts gegen Straßenfeste, absolut nicht, das kann ja eine schöne Sache sein und es wäre verzeihlich, wenn es nur bei diesem ehemals vom sogenannten Kiez, den es nie gab und gibt, erklärten Ziel geblieben wäre. Aber nun, verehrte Anwesende in der heutigen Bezirksratssitzung, sind wir ja, wie Sie wissen, ganz woanders angekommen mit dieser angeblichen Nachbarschaftsinitiative. Der zutiefst autoritäre und elitäre und allen benachbarten Menschen und Straßen gegenüber höchst unsolidarische Größenwahn des bezirkspolitisch gut vernetzten Wohlstandsbürgertums geht weiter: Die drei Straßen sollen, sofern der Antrag nicht scheitert, zu einem „Superblock“, zu einer Anwohnerzone werden. Das hieße dann, käme diese „Unser Dorf soll schöner werden“-Vision zur Vollstreckung, dass drei Straßen zukünftig an den Zufahrten mit Pollern – dem kleinen Bruder des Grenzzauns – versperrt würden und nur noch zugangsberechtigten Personen die Einfahrt mit dem Auto gewährt würde.

In einer Stadt, die sicherlich wie fast alle Städte vom Verkehr geplagt ist, die aber bislang nur wenig brauchbare Lösungen für alle Menschen in der Stadt betreffende Probleme liefert, wäre eine solche Anwohnerzone, wäre ein solches Paradebeispiel einer „Gated Community“ ein fatales Signal. Diese Insellösung, diese anmaßende Unverhältnismäßigkeit, die nach dem Prinzip „Not in my backyard!“, also „fahrt gerne draußen weiter, nur bloß nicht durch meinen hübschen Kiez!“ funktioniert, vermittelt allen Menschen in der unmittelbaren Umgebung ein Gefühl der Exklusion, des Vergessen- und nicht Beachtetwerdens. Manch’ fleißigen Kiezmacher wird es wundern, aber: Auch da draußen, außerhalb des eigenen Idylls, gibt es Menschen mit Bedürfnissen, Kindern und Problemen. Nur haben die eventuell nicht so gute Connections zur grünen Bezirksratsfraktion können eventuell keine Projekte pitchen, Medienkampagnen und Websites basteln. Denken Sie nur einmal an die Falkenstraße, oder die Blumenauer Straße, oder viele weitere Straßen in Ihrem Bezirk, liebe Mitglieder des Bezirksrates. Wie wollen Sie diesen zahlreichen Menschen, die nicht das Privileg genießen, in ohnehin schon verkehrsberuhigten Straßen, in kernsanierten Altbauwohnungen zu wohnen, wie wollen Sie diesen Menschen erklären, dass die Minister-Stüve-Straße und die Jacobsstraße von Ihnen gerade eine hübsche neue Kreuzung spendiert bekommen und der sogenannte Jamiel-Kiez, den es nie gab und gibt, bald eine Anwohnerzone wird?

Und, gestatten Sie mir eine letzte Frage: Welchen Effekt wird ein solcher Superblock, eine Anwohnerzone mit Spielstraße und Durchfahrtsbeschränkung wohl auf die durchschnittlichen Kaltquadratmeterpreise in den drei Straßen haben? Neben den hyperengagierten Menschen, die angeblich etwas für die Nachbarschaft tun wollen und sich diese Kiez-Ideen aber auch nur leisten können, weil sie sich eben auch die teuren Wohnungen leisten können, gibt es mehrheitlich, in der Minister-Stüve-Straße und in der Eleonorenstraße, noch Menschen, die günstig wohnen und wohnen müssen. Menschen, die gerne in Linden-Mitte leben und dies auch weiterhin tun wollen. Menschen, die keine Lust darauf haben, dass man sie mit Kiezkampagnen nervt und, ohne sie gefragt zu haben, ihren Lebensraum umgestaltet.

Lassen Sie mich mit deutlichen Worten zum Ende kommen. Wer, wie die sogenannten Jamielanerinnen und Jamielaner sich selbst auf der Website als „dynamisch, visionär, energievoll, intelligent“ beschreibt und den scheußlich konstruierten Begriff „Jamiel“ mit „hübsch“ und „begünstigt“ übersetzt, der betreibt Exklusion par excellence, der baut allein schon mit diesem Vokabular eine Grenze zwischen sich und die anderen, die da nicht mitmachen wollen beim Kiezspielen. Wer, wie die Jamielanerinnen und Jamielaner und ihr Projektleiter, mit aller Macht, Medienarbeit und politischem Vernetzungsgeschick die Vision eines „Superblocks“ in die drei Straßen peitscht, behandelt rund 1.000 Menschen wie projektbezogene Verhandlungsmasse. Und wer diesen Entwicklungen bezirkspolitisch auch noch Vorschub leistet, der betreibt – ich weiß, die Grünen hassen diesen Begriff, wenn man ihn auf sie anwendet – Segregation und damit das exakte Gegenteil von Integration.

Echte Nachbarschaft ist keine Kiezkampagne, die Straßen gehören uns allen!

Sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Malte Mackenrodt

>> Elminja-Kiez – auf Facebook

Elminja-Kiez: Malte Mackenrodt redet

H

Mehr zu dem Kiez: >> hallolindenlimmer.de/?s=Jamiel

Erläuterung
Jamiel- und Elminja-Kiez
Die Initiative >> Jamiel-Kiez möchte den Bereich der drei Straßen Jakob, Minister-Stüve, und Eleonoren Straße in Linden-Mitte, vereinfacht ausgedrückt, weitgehend autofrei gestalten.
Dagegen hat sich eine andere Initiative – >> Elminja-Kiez – auf Facebook gebildet.

Andere Sichtweisen sind willkommen

öl/27.03.2019


Kommentare

  1. Auf den Punkt, Herr Mackenrodt. Sehr schön!
    Vielleicht sollte sich der federführende Kiez-Clown mal ein Hobby suchen, mit dem er niemand anderem Schaden zufügen und seine Allmachtsphantasien trotzdem ausleben kann. Schafe züchten, zum Beispiel. Dann kann er sogar große Reden schwingen und die Massen hören ohne Widerworte zu.
    Ich möchte an dieser Stelle noch aus Wikipedia zitieren:
    „Der Kiez befindet sich in Hannover am Steintor und besteht aus rund 70 Einrichtungen in fünf Straßen (beispielsweise die Scholvinstraße und der Reitwallstraße). Wie in Hamburg-St. Pauli ist der Kiez in Hannover ein Vergnügungs- und Rotlichtviertel.“
    Also her mit den roten Leuchten für das Jamiel-Bordell. 😀

  2. – „emotionale Rede“

    Gar nicht. Der Beitrag könnte klarer, schlüssiger und menschenverständiger nicht sein. Ich jedenfalls habe den Text gründlich durchgearbeitet und mir dabei eine feste Meinung gebildet. Sogar allen der vielen Teilargumente stimme ich zu. Und den möchte ich sehen, der nach den Informationen, die er jetzt hat, noch für die Jamiel-Kiezversion paktiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.