10. Mai 2017

Die Bezirksratsmehrheit beschloss den bisher inoffiziell genannten Velvetplatz in „Halim-Dener-Platz“ zu benennen. Vorausgegangen war in der Bürgerfragestunde eine teilweise lautstarke und emotionale Konfrontation zwischen türkischstämmigen Gruppierungen. Auch unter Bezirksratsmitgliedern gab es zwischen Befürwortern und Gegnern des Antrages scharfe Kontroversen.

Für die Namensgebung stimmten Grüne, Linke, Piraten, Die Partei und dagegen SPD, CDU, FDP.

Am Tag zuvor erhielten die Grünen untenstehenden Brief der Atatürk Gesellschaft in Limmer, die um das friedliche Zusammenleben von Türken und Kurden fürchtet.

Der teilweise sehr turbulente Sitzungsverlauf zeigte die emotionale Sprengkraft, die in diesem Thema steckt. Es hat viel Potential um innertürkische Konflikte in Linden weiter eskalieren zu lassen.

Es wird erwartet, dass die Stadt Hannover versuchen wird die Benennung in „Halim-Dener-Platz“ zu verhindern.

Die draußen in Bereitschaft wartenden acht Polizisten brauchten nicht einzugreifen.

Siehe auch >> hier >> hier

Klaus Öllerer
10.05.2017

 

Brief der Atatürk Gesellschaft Niedersachsen e.V. in Limmer

Sehr geehrte Mitglieder des Stadtbezirksrates Linden-Limmer der Partei Bündnis 90/Die Grünen,

Die Stadt Hannover debattiert derzeit über die Namensvergebung einer Dener Straße oder einen Dener Platz im südlichen Abschnitt der Velvetstraße. Die Grünen, Die Linken, Die Piratenpartei sind sich in dieser Thematik grundsätzlich einig. Während die CDU und FDP zurückhaltend bleibt, will sich die SPD noch beraten lassen.
In Hannover leben ca. 16.360 türkische Mitbürger, das sind 3,0 Prozent der gesamten Einwohnerzahl in Hannover. Der von der Polizei im Jahre 1994 erschossene Halim Dener war Anhänger der Nationalen Befreiungsfront Kurdistans, welche der politische Arm der kurdischen Arbeiterpartei PKK ist.
Die PKK ist bekanntlich als Terrororganisation international anerkannt. Ebenso wird die PKK vom deutschen Verfassungsschutz mit ca. 13000 Mitgliedern als größte „ausländerextremistische Organisation in Deutschland“ gewertet.
Jede Front, die eine terrorunterstützende Funktion hat, ist ebenfalls illegal und schadet dem Demokratisierungsprozess der Türkei und setzt das friedliche Zusammenleben der Türken und Kurden in der Türkei – aber auch in Europa aufs Spiel. Jeder Schritt, diesen Vorfall als Friedenszeichen zu zeigen, wird der gesellschaftlichen Harmonie sowohl in Hannover, als auch bundesweit Schaden zubereiten.
Wir als Atatürk Gesellschaft Niedersachsen e.V, legen großen Wert auf ein friedliches Zusammenleben in Deutschland. Primär teilen wir das Interesse, aller Bürger hier in Deutschland auf den gemeinsamen Nenner zu bringen. In diesem Sinne empfehlen wir der Stadt Hannover, unverzüglich eine detailliertere Überlegung zu veranlassen und sich von der Idee, der Benennung eines Platzes oder einer Straße nach einem Mitglied einer Terrororganisation, zu verabschieden.

Mit freundlichen Grüßen,

…… ……..

Atatürk Gesellschaft Niedersachsen e.V.
Weidestr. 1 | 30453 Hannover

 

Hintergrund

Am 30.06.1994 klebte Halim Dener, 16, mit anderen am Steintor Plakate für die verbotene PKK. Eine Festnahme durch zufällig vorbeikommende Zivilpolizisten entzog sich der junge Kurde durch körperliche Gegenwehr und Fluchtversuch. Ein sich dabei lösender Schuss führte zu seinem Tod.

Der Bundesgerichtshof fällte schließlich 1997 das endgültige Urteil, dass es sich bei dem Schuss aus der Dienstwaffe des Polizisten um ein Versehen gehandelt hat.

Die PKK ist in Deutschland seit 1992 und seit 2002 auch in der EU verboten und wird als terroristische Vereinigung eingeschätzt. Eine öffentliche Entschuldigung für die in Deutschland begangenen Gewalttaten durch den „operativen PKK-Führer(s) Cemil Bayik“ (NDR) böte keinen Anlass für eine Neubewertung, so das Bundesinnenministerium 2015.

Siehe auch:
>> NDR – Bundesregierung hält an PKK-Verbot fest

Redaktion halloLindenLimmer.de

Kommentare

  1. Mich würde mal interessieren, wie die Befürworter der Umbennenung ihr Vorhaben rechtfertigen. In meinen Augen reicht eine verirrte Kugel, die einen beim Plakatekleben unerwartet zum Märtyrer einer Terrororganisation macht, nicht aus, dass ein Platz nach einem benannt wird.

  2. Ich dachte, wenn man was gegen (z.B. türkische) Wettbüros hat, ist man gegen Ausländer? Jetzt wollt Ihr ein ganz ganz ‚tolles‘ Zeichen setzen und kriegt türkische Protestbriefe. So ein Dilemma. Jämmerlich.

  3. Interessant, dass man sonst im Bezirksrat fast nie Migranten sieht/hört, obwohl im Stadtbezirk sehr viele wohnen. Bei diesem Thema aber finden sie auf einmal Kommunalpolitik wichtig.
    Vielleicht kommen sie ja demnäxt bei anderen Themen, die Alle angehen, mal wieder?!

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