15. Januar 2018

Buchtipp: Jürgen Piquardt und seine „Lust auf Pflanzenkost“ 

„Reueloser Genuss des Einfachen“

von Wolfgang Becker

Der bekannte hannoversche Gastronom Jürgen Piquardt lebt heute als Olivenbauer in der Provence. Dort hat er ein bemerkenswertes Buch über Ernährung und ganzheitliche Lebensweise geschrieben.

Jürgen Piquardt (76) bezeichnet sich als „Pfadefinder“ und hat jetzt auf 608 Seiten mit „Complementismus – Lust auf Pflanzenkost!“ ein „Ernährungs-, Gesundheits-, Koch-, Lese-, Streit- und Umweltbuch“ vorgelegt. Dessen Anspruch ist es, die herausragende Bedeutung einer pflanzlichen Ernährung darzustellen.“Lust auf Pflanzenkost möchte ich mit diesem Buch machen. Auf Teufel komm raus. Redlich, listig, heiter, wohlbedacht,“ heißt es im Vorwort des Autors.

Piquardt kam 1961 aus seiner Geburtsstadt Weimar nach Hannover. Als Student lebte er bald in Linden-Nord in einer der ersten WGs auf der Limmerstraße. Dort lernte er auch seine Frau Heike kennen, im Buch immer „Die Geliebte“ genannt. 1972 eröffneten beide – zusammen mit Jobst und Gaby Meyer – die Gaststätte „Zur gemütlichen Ecke“ in der Nordstadt, 1974 dann die „Kneipe“ Ecke Brauhofstraße – Werbespruch: „…. links vom Zentrum“ – in Linden-Mitte.

Kurzfristig gab es in Linden-Nord am Pfarrlandplatz noch das „L’Ordinaire“, quasi als „gewöhnlicher“ Ableger des 1977 in Ricklingen eröffneten „La Provence“. Dieses französische Edelrestaurant betrieb der zu den „Biospitzenköchen“ avancierte Piquardt 35 Jahre lang. Zunächst im „Alten Dorfkrug“ an der Beekestraße, dann zusammen mit dem „Paradies“ am Ricklinger Freibad. Der mittlerweile angenommenen französischen Lebensart geschuldet organisierte Jürgen Piquardt viele Jahre lang auch das legendäre „Boule-Festival“ auf der Herrenhäuser Allee.

Schon Anfang der 1970er Jahre kauften die Piquardts ein Anwesen in Südfrankreich. Die „Domaine Minguinelle“ war anfangs nur ein verlassener Ort in der Wildnis: Ein Haufen Natursteine drei Kilometer von der nächsten Straße entfernt, ohne Wasser und ohne Strom. Erst im Laufe von Jahrzehnten sind hier mit viel Arbeit ein heimeliger Charme und ein gewisser Komfort eingekehrt. Seit drei Jahren ist „Minguinelle“ der Alterswohnsitz von Heike und Jürgen Piquardt, beide haben sich hier mit ihren Olivenhainen und Safranbeeten als Kleinbauern registrieren lassen.

Nun hat der umtriebige „Pfadefinder“ dort zwei Jahre an einem Buch geschrieben und es letzten Dezember in seinem „G5 Netz Verlag“ herausgebracht. Das individuelle, ganzheitlich geprägte Verhalten von uns Menschen kann viel, viel mehr bewirken als wir oft traurig und verzweifelt vermuten“, schreibt Piquardt: „Der ‚Complementismus‘ möchte den reuelosen Genuss des Einfachen wahrscheinlicher machen. Er strebt die Einheit von umfassender Lebensfreude und ganzheitlicher Gesundheit an.“

Der dicke Wälzer – mit über 600 Seiten im Paperback erschienen – ist eine schonungslose Abrechnung mit dem in vielen Gesellschaften ausgeprägten Karnismus (Fleischesserei). Aber auch Vegetarier werden – wegen des Verzehrs von Eiern und Milchprodukten – nicht geschont. Piquardt outet sich als unspezifischer Veganer, der sich gelegentlich auch mal einen anderen Happen oder Schluck genehmigt. Alles in Maßen natürlich. Nicht alltäglich und in kleinen Bissen gut gekaut.

Es macht Spaß, die vielen kurzweilig geschriebenen Kapitel des Buches zu durchstöbern und dabei auch immer auf passende Sinnsprüche (von Albert Einstein bis Che Guevara) zu stoßen. Gut, dass der altersweise Jürgen Piquardt weder als Dogmatiker noch als Esoteriker daherkommt. Er hat ein überaus praktisches und nützliches Buch abgeliefert. Nicht zuletzt wegen der fast 150 Seiten „Veganer Kochfibel“, die seinen „Complementismus“ abrunden.

Wolfgang Becker

 

2018.01.14_Juergen_Piquardt
Jürgen Piquardt

 

2018.01.14_Cover_Lust_auf_Pflanzenkost

 

15.01.2018

 

 

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