10. Februar 2019

Klaus Öllerer

Egon Kuhn hat in Linden starken Eindruck hinterlassen. Über dreihundert – vielleicht auch vierhundert – Besucher nahmen an der Gedenkveranstaltung teil. Die teils sehr prominenten Redner teilten ihre Begeisterung über die Person Egon Kuhn mit und sein Wirken im Stadtteil, aber auch vor allem in der SPD mit stadtweiter Bedeutung.

Der Verstorbene kam 1965 aus Osnabrück und übernahm die Leitung des Freizeitheims Linden. Sein jahrzehntelanges Wirken stand – so ist den Reden und einem Buch von ihm zu entnehmen – immer im Zeichen des Einsatzes für die Arbeiterbewegung in  einem eher marxistischen Sinne. Russland zu Sowjetzeiten konnte er etwas abgewinnen und nahm auch an Schulungen von Marx-Texten teil. Mit der erhobenen Arbeiterfaust ließ er sich gerne fotografieren.

In Redebeiträgen wurde sein Führungsstil hervorgehoben, der ihn mehr oder weniger oftmals die Oberhand behalten ließ. Es konnte passieren, dass er auf entfernten Treffen mit ihm unbekannten Leuten unangefochten so etwas wie die Führung übernahm.

Manche Redner hoben seinen Widerspruchsgeist hervor, den er nach oben immer wieder auslebte und so manche vorgesetzten Instanzen das Arbeiten nicht unbedingt leicht machte.

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Kuhn, Lenin, Marx und Engels – vereint in weltbildverbindender Tradition

 

Nun ist Egon Kuhn der Sieg seines Sozialismusses nicht vergönnt gewesen. Es ist gut vorstellbar, das angesichts seines Widerspruchsgeistes in solch einem Falle er als „Kind der Revolution“ auch von dieser „gefressen worden wäre“, wie es weltweit ja immer so war. So war es ein Glücksfall auch für Ihn in einem entwickelten, westlichen Kapitalismus mit liberaler Demokratie das Leben und seinen Kampfgeist genießen zu können. Und dabei 92 Jahre alt zu werden. Mir erscheint es so, dass mit seinem Ableben auch längst klar geworden ist, dass es die alte Arbeiterbewegung nicht mehr gibt. Und alle Illusionen über einen „Arbeiter und Bauernstaat“ auf den „Müllhaufen der Geschichte“ gehören.

Lieber Egon, gerne würde ich Dir noch einiges erzählen.

Wenn ich Dich im Himmel mal treffen sollte, dann können wir ja mal reden. Mach’s gut und denke mal kritisch über Deine Politik nach. Zeit hast Du ja nun genug.

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Edelgard Bulmahn würdigt den Verstorbenen

 

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Neben dem großen Saal gab es im Gastronomiebereich eine Live-Übertragung

 

Programm

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Klaus Öllerer
10.02.2019

 

 

Kommentare

  1. Egon Kuhn war zu Kriegsende 18 Jahre alt, einige Monate älter als Günter Grass; Kurt Georg
    Kiesinger hatte damals schon seinen 41. Geburtstag gefeiert, Hans Globke näherte sich dem 50. Lebensjahr,….
    Interessant, dass „man“ sich über die beiden Erstgenannten und späteren Sozialdemokraten
    so ereifern kann, aber über die unbelehrbaren Altnazis und CDU-Größen gerne schweigt.
    Eine Analyse dieses Widerspruchs wäre recht interessant.

  2. Omg, was für ein Personenkult!
    Ich finde es sollte mal betrachtet werden, für was Herrn Kuhn stand: er fand z.B. das in der DDR Sozialismus sei und natürlich war die UDSSR auch super. Warum findet das keinerlei Erwähnung? Wie ist es möglich, dass sowas – neben seiner Mitgliedschaft in der SS – unerwähnt bleibt?
    Ich bin fassungslos!
    Die in den 70-ziger Jahren völlig verschwommene Grenze zwischen SPD und DKP ist immer noch nicht klarer. Sind halt Linke (Smiley) und Linke sind eben suuuuper – auch wenn sie sich nur so nennen.
    Unfassbar!

  3. Egon Kuhn: „Ich war überzeugter Nationalsozialist, aber die SS habe ich gehasst“!
    Es ist auch von einer Dönitz-Spende an die SS die Rede, so dass man Egon glauben darf, dass er lieber bei seiner geliebten Marine geblieben wäre. Raimund Dehmlow hat bisher erfolgreich Stolpersteine für jüdische Ärzte und Ärztinnen in Hannover beantragen können, während Egons Schwerpunkt nach dem Krieg den Kameraden vom sozialistischen Widerstand galt. Das Leid, welches der „geliebte Führer“ den Juden und Jüdinnen angetan hatte, war in den Statements nicht beklagt worden, oder habe ich es überhört ?
    https://www.youtube.com/watch?v=cn9syO6NVC0
    https://www.youtube.com/watch?v=I-QaGChm5Lg
    https://www.youtube.com/watch?v=dDrakYczepA&has_verified=1
    https://www.zeitzeugen-portal.de/videos/wVojHGzIYJU

  4. Freizeitheim nach Egon Kuhn benennen? Ist das gut überlegt?

    Es liegt mir fern, die historische Bedeutung Egon Kuhns für die SPD zu kommentieren. Was den Wunsch nach der Benennung einer öffentlichen Einrichtung nach ihm anbelangt, so dürfte Kuhns Zugehörigkeit zur SS Division „Wiking“ (Details dazu in „Dans la tête des SS“ : France 3 à la rencontre d’anciens nazis https://www.youtube.com/watch?v=dDrakYczepA) ins Gewicht fallen – sind doch schon andere SPD-Granden wegen „Jugendsünden“ (ich erinnere an Hinrich Wilhelm Kopf, Günter Grass, …) spät durchs Raster gefallen.

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