18. November 2018

Titelbild: Messstation in der Göttinger Straße in Linden-Süd. Erläuterungen siehe unten *.

Stickoxide und Straßenverkehr – die Wende

von Klaus Öllerer

In letzter Zeit gab es zahlreiche Meldungen über mögliche Fahrverbote auch in Hannover. Im Bezirksrat Linden-Limmer wurde ein Antrag der Grünen auf „Entlastung der Göttinger Straße von Dieselfahrzeugen“ mit Gegenstimmen angenommen.

Jetzt scheint sich eine Wende anzubahnen. Immer mehr Medien berichten über die falschen Grenzwerte für Stickoxide im Straßenverkehr. Die Grenzwerte von 40 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft wären falsch, weil das Überschreiten Niemandem schaden würde. Keine wissenschaftliche Studie würde eine Gefahr beweisen. Erst ab weit über 100 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft würde man Effekte wie – ungefährliche – Reizwirkungen bspw. bei Asthmatikern feststellen können.

Wir berichteten bisher öfters über die fragwürdigen Grenzwerte. Vor allem Prof. Köhler meldete sich öffentlich immer wieder zu Wort und warf der beteiligten Wissenschaft Unglaubwürdigkeit vor. Er beschuldigte diese Wissenschaft sich wie eine Sekte zu verhalten, indem sie Tatsachen einfach ignoriert.

Der inzwischen eingetretene Schaden wird immer größer. Autobesitzer werden durch Wertverlust praktisch enteignet, Werkstätten und Autofirmen immer mehr Kosten aufgebürdet. Gesellschaftliche Aufmerksamkeit wird gebunden, die bei der Bewältigung gewaltiger anderer Probleme fehlen.

Innerhalb der letzten ein bis zwei Wochen häuften sich die Berichterstattungen in überregionalen Medien wie in der Zeit, ZDF und anderen. Die großen hannoverschen Medien scheinen dabei noch zu fehlen. Im Folgenden einige Beispiele:

Stern TV, 15.11.2018
Lungenfacharzt: „Die Schadstoffbelastung in Städten ist völlig unbedenklich“
Sind Grenzwerte und Fahrverbote doch übertrieben? Ja, sagt Prof. Dr. med. Dieter Köhler. Der Lungenfacharzt und ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet zweifelt Studien an, die die Gefahren durch Stickstoffoxid und Feinstaub in den Städten belegen wollen. Die Belastung sei vollkommen unbedenklich. Trotz Diesel. >> mehr

Stuttgarter Nachrichten, 14.11.2018
Fahrverbote basieren auf Daten von Gasherden
Experte: Grenzwerte für Diesel sind reine Willkür
Der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft beruht offenbar nicht auf Erkenntnissen über die Schädlichkeit dieses Auspuffgases.
160 000 Pendler dürfen ab Januar mit ihren Dieseln nicht mehr nach Stuttgart fahren. Doch an der Begründung, Fahrverbote seien zum Schutz der Gesundheit nötig, gibt es große Zweifel. >> mehr

Welt, 09.11.2018
Stickoxide
Autos sind einfach an allem schuld
In Deutschland geht etwas Seltsames vor beim Kampf um saubere Luft: Offenbar ist Stickoxid nur dann giftig, wenn es von Autos kommt. Ansonsten scheint die Gesundheit der Menschen Behörden und Umweltvereinen egal. >> mehr

Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 18.11.2018
Eine Frage der Werte
Der Streit um die Stickoxide in den Städten
In diesem hörbaren Beitrag wird ausgeführt wie der aktuelle Grenzwert von 40 µg/m3 zustande gekommen ist und das keine Gefahr bei diesen Werten besteht. >> mehr

Siehe auch weitere frühere Artikel >> Dieselgate

Wird fortgesetzt.

 

*  Zum Titelbild
Der Standort der Messstation in der Göttinger Str. ist nicht geeignet, was auf dem Titelbild durch rotes auskreuzen symbolisiert ist.
Denn der Standort der Messstation sorgt dafür, dass möglichst hohe Werte gemessen werden – sozusagen fast direkt am Auspuff. Dafür sind die Häuserschlucht und die direkte Position am Straßenrand ursächlich. Im Ergebnis gäbe es deutlich niedrigere Messwerte an einer offenen Stelle und einer Entfernung von zehn Metern vom Straßenrand, die erlaubt sind. Einige hundert Meter weiter südlich gibt es geeignetere Standorte.

 

Andere Sichtweisen sind willkommen.

Klaus Öllerer
18.11.2018

 

 

Kommentare

  1. Ist doch schon lange bekannt das viele Meßstationen „falsch“ aufgestellt wurden. Warum nur? Schlimmer aber das es so lange gedauert hat bis echte Wissenschaftler zu Wort gekommen sind. Hoffentlich bekommen die Politiker noch die Kurve.

  2. „Die Probeannahmestellen müssen grundsätzlich so gewählt sein, dass sie für ein Gebiet von mehreren Quadratkilometern repräsentativ sind.“ Das sagt die Verordnung, – noch Fragen ??

  3. Das mit den viel höheren Grenzwerten für Arbeitsplätze – wo Menschen in der Regel viele Stunden verbringen – im Vergleich mit den Straßenwerten ist einfach unfassbar!

    1. Dort, wo die Messstation jetzt steht wohnt kein Mensch.

      In den benachbarten Büros gelten höhere Grenzwerte von 60 ug/m3. Das wird am bisherigen Standort der Messstation im Durchschnitt nicht erreicht.
      Siehe auch:
      Gedankenexperiment – Lösung für Dieselgate: Göttinger Str. wird zur Bürozone – und schon passen die Grenzwerte
      http://hallolindenlimmer.de/gedankenexperiment-loesung-fuer-dieselgate-goettinger-str-wird-zur-buerozone-und-schon-passen-die-grenzwerte/

        1. Da steht aber die Messstation nicht.
          Die steht vor der Hanomag.
          Und wer in ein Haus an einer vielbefahrenden Straße zieht, muss wohl damit rechnen, dass dort wohl Autos fahren.
          Und auch mit überschrittenden 50 mg NO² ist die Luft besser als auf seinem Arbeitsplatz mit 60 mg oder in der Fabrik mit 900mg oder zuhause mit Kerzen und Backofen bei weit über 1000mg.
          Ich glaube nicht, dass diese Angaben ein Dieselfahrverbot rechtfertigen.

          1. > Und wer in ein Haus an einer vielbefahrenden Straße zieht, muss wohl damit rechnen,
            > dass dort wohl Autos fahren.

            Allerdings muss man nicht mit Autos leben deren Abgasreinigung durch kriminelle Machenschaften sabotiert wurden.

            > Da steht aber die Messstation nicht.
            > Die steht vor der Hanomag.

            Ich sehe auf dem Photo keine Mauer oder ähnlich die die Luft von der anderen Seite abhält.

            > Und auch mit überschrittenden 50 mg NO² ist die Luft besser als auf seinem
            > Arbeitsplatz mit 60 mg oder in der Fabrik mit 900mg oder zuhause mit Kerzen und
            > Backofen bei weit über 1000mg.

            In Fabriken wohnen zum Beispiel keine Säuglinge.

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