14. Mai 2017

Mit großem Bedauern von Kunden und der lindener Nachbarschaft schloss der traditionsreiche Fischladen am Schmuckplatz im März 2017 für immer. Nur der Partyservice wird weiter geführt.

Die großen hannoverschen Zeitungen kamen vor Ort ins Geschäft, führten Interviews und berichteten dann darüber.

Zum Abschied brachten Kunden Blumen und Geschenke vorbei, Tränen flossen und Einige unterdrückten kaum noch ihre Wut. Verständnis und Mitgefühl waren sehr groß.

Die Politik

Anders im politischen Bereich rund um den Bezirksrat und der autokritischen Initiative >> PlatzDa!. Der ausscheidende Fischhändler Ingmar Hampe hatte in einem längeren Papier die Politik des Bezirksrates massiv kritisiert. Hampe schrieb: „Der Bezirksrat hat uns weg geplant – beantragt von Autohassern – und von allen Parteien abgenickt. Vielen Dank bei der aktiven Sterbehilfe! Angesprochen hat uns dazu niemand, …“

Die Antwort kam bei der >> Bezirksratssitzung am 22.03.2017. Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube antwortete, dass das alles „komplett falsch“ sei und es „treffe den Bezirksrat nicht“. Er arbeite dazu an einem Brief, der dann auch veröffentlicht werden wird.

Bei Ingmar Hampe ist jedoch bisher auch nach eineinhalb Monaten noch kein Brief eingegangen. Auch ein Gesprächsversuch wurde nicht unternommen.

Dafür erschien auf dem Blog >> klickhin.de ein Artikel mit dem Titel „Wer Fisch-Hampe wirklich auf dem Gewissen hat“ in drei Teilen. Autor ist Jörg Schimke, ehemaliges Bezirksratsmitglied. Auch Jörg Schimke hat bisher nicht versucht mit Ingmar Hampe zu sprechen.

Um es kurz zu machen: Der Artikel geht nicht konkret auf die Begründungen von Ingmar Hampe ein und entwickelt auch keine Lösungsmöglichkeiten. Es werden sinngemäß Vorwürfe erhoben wie „mangelnde Anpassungsfähigkeit“ und „Ursachen, die bei anderen“ gesucht würden, etc.. Der Artikel wirkt wie aus einer anderen Welt geschrieben. Zitat: „Was hätte hier helfen können? Mehr Parkplätze helfen eher der Automobilindustrie als dem ortsansässigen Gewerbe. …

Das bisherige Verhalten der Kritiker macht den Eindruck, dass sie nicht sehr daran interessiert sind, was der Betroffene sagt. Darin scheint sich das Desinteresse fortzusetzen, was auch vorher schon bestand und schließlich zu der Schließung geführt hat.

Die Begründung zur Schließung

Eigentlich ist die Sache ganz klar. Es lag nicht am Umsatz oder am Gewinn.

Die Schließung von Fisch-Hampe war die Folge von Vernichtung auch der letzten Haltemöglichkeit am Kötnerholzweg.

In seiner Stellungnahme schreibt Ingmar Hampe: „Nach dem Bauende des Kötnerholzweges war auf der Schmuckplatzseite ein so breiter Fußweg, das dieser sofort von vielen Fahrzeugen als Haltemöglichkeit genutzt wurde, die Fußgänger hatten genug Platz. Es trat eine lang ersehnte Entspannung ein, aber leider nicht lange.“ Das war 2016.

In dieser Situation mit den ausreichenden und entspannend wirkenden Haltemöglichkeiten am Schmuckplatz wäre keine Schließung des Fischgeschäftes erfolgt. Doch die Entspannung dauerte nicht lange.

Ingmar Hampe weiter: „Die Fläche wurde massenweise mit Fahrradbügeln zugepflastert, obwohl auf dem Schmuckplatz genügend Platz vorhanden ist.“ und „Als neueste Missetat wurde kurz vor Weihnachten 2016 eine weitere Abpollerung direkt vor unserem Lieferanteneingang installiert, um auch die letzte Möglichkeit zu beseitigen, normal (unerlaubt) beliefert zu werden. Die Fahrer dürfen jetzt alles über größere Distanzen schleppen und größere LKWs stehen direkt auf dem Kötnerholzweg. Was die Fahrer der Lieferanten davon halten, können sie sich denken.“

In den ersten Monaten des Jahres 2017 spitzte sich die Atmosphäre im und um den Laden zu. Es muss Januar/Februar gewesen sein, als der Autor zum Einkaufen im Laden war und eine aufgebrachte Atmosphäre vorfand. „Wenn das so weiter geht, dann gibt es uns bald nicht mehr“, hieß es mit Verweis auf die vernichteten Parkmöglichkeiten und die Zuspitzungen mit dem benachbarten Wettbüro und durch die Knöllchenvergaben.

Die Nerven waren nun nach vielen, vielen Jahren am Ende. Ingmar Hampe beschloss aufzuhören.

Der Bezirksrat hat uns weg geplant – beantragt von Autohassern – und von allen Parteien abgenickt. Vielen Dank bei der aktiven Sterbehilfe! Angesprochen hat uns dazu niemand, …“

Der vollständige >> Text

Ohne diese letzte Vernichtung der Haltemöglichkeit Ende 2016 würde es den Laden Fisch-Hampe heute noch geben. Ohne Zweifel.

Die Initiative >> PlatzDA! bemüht sich mit Unterstützung von Parteien im Bezirksrat weiter darum die Anzahl der Parkplätze im Stadtbezirk zu reduzieren.

Andere Sichtweisen sind willkommen.

Klaus Öllerer
12.05.2017

Anmerkung
Der Partyservice >> Fisch-Hampe wird durch Martina Kreinhacke geführt und weiter aufgebaut. Ingmar Hampe hat sich aus dem Fischgeschäft zurück gezogen.

Kommentare

  1. Das was „Stratzek“ schreibt gibt vermutlich wieder, was viele denken. Was mich -selbst Einzelunterunternehmerin- wundert ist, mit wie wenig emotionaler und daraufhin kognitiver Empathie kleine engagierte Unternehmer (selbst wenn sie beliebt und bekannt sind im Stadtteil) zu rechnen haben, wenn sie deutlich machen, dass bestimmte erschwerte Rahmenbedingungen, unter denen sie jahrelang hervorragende Arbeit geleistet haben, so persönlich nicht mehr tragbar und existenzgefährdend sind.
    So wie Arbeitnehmer, ja auch nicht nur vom Gehalt leben, leben (kleine) Unternehmer nicht nur vom monetären Gewinn. Der ganze menschliche Aufwand an Arbeitsstunden (die kleine Unternehmer wohlweißlich lieber nicht in eine Stundenlohnkalkulation aufnehmen) und weitreichender Risikoübernahme, muss für die, die sich für so etwas immer wieder neu entscheiden, auch auf einer Sinnebene Früchte tragen. Bei aller Widerstandskraft und Bereitschaft immer mal wieder zeitweise gegen Windmühlen zu kämpfen, irgendwann ist, was sinnbefreite Kämpfe betrifft eben auch mal Schluss in der persönlichen Gesamt(energie)bilanz.
    Die Hampes haben sich beide hier mit ihrem Fischladen im Stadtteil eingebracht, sein Gesicht mitgestaltet, waren präsent mit ihrer ganzen herzlichen Persönlichkeit. Herr Hampe hat sich als Lindener Unternehmer gesehen, verhalten und engagiert. Wenn man dann auch noch wie Herr Hampe ganz konkret an der Gestaltung des Schmuckplatzes einiges Schönes beigetragen hat, finde ich es sehr verständlich, dass man gehört und berücksichtigt werden möchte.
    Dass es dann persönlich kränkend und enttäuschend wirken kann, wenn Verhandlungsversuche für Ausnahmelösungen ( die ja die andere Bedarfe hätten mitberücksichtigen können) komplett verweigert und vorbereitete von Herrn Hampe angeführte Argumente ohne Bedenkzeit in den Wind geschlagen oder nur allgemein ideologisch beantwortet werden und planerisch ignoriert werden, kann ich verstehen.
    Um es allgemeiner formuliert auf den Punkt zu bringen:
    Unternehmer sind manchmal auf Lösungsfindung und konstruktive Kommunikation mit Politik und Behörden auch menschlich angewiesen.
    Da fehlte es an Menschlichkeit – vielleicht wurde diese Dimension auch übersehen.

  2. Als direkt Nachbarn vom Fischladen war ich ab und zu dort um meinen Wochenfisch zu kaufen. Ich fand das Geschäft wirklich nett . Ich vermisse es…

    ABER, es tut mir leid, 100m entfernt vom Fischladen ist der EDEKA immer voll von Kunden, auch wenn es keine einzige Parkmöglichkeit gibt. Die Konklusion ist leider einfach und bedauerlich: die 16.000 Einwohner aus Linden-Nord (egal Links- oder Rechtswähler, Autofahrer oder Fahrradfahrer….) besuchen lieber (und immer mehr) ihre Supermärkte als ihre kleinen Geschäfte… Schade…

    Als nicht-Autofahrer ist mein Einkaufsradius max 500 m. Mit einem Auto wäre es voll anders, könnte ich einmal pro Woche in einem von diesen riesigen Supermärkten fahren und dort Fisch kaufen…

  3. Was soll der Bürgermeister da auch schreiben, wenn jemand sein gut laufendes Fachgeschäft aus freien Stücken dicht macht?
    Gute Besserung? Viel Spaß im Urlaub? Wegbeschreibung zum Arbeitsamt?

  4. Bevor wieder die ideologischen Trolle, Tatsachenverdreher und Ignoranten hervorkriechen:
    Der kleine Händler wird genötigt, zu schließen,. Der Politik ist es offenbar egal. Stattdessen die Ankündigung eines Briefes, wohl mit der verbundenen Hoffnung, man werde schon vergessen. Armselig.
    Stattdessen Namenskosmetik, also Symbolpolitik für ein Lindener Plätzchen, an dem bisher Frieden herrschte.
    ‚Dominante Versager‘ fällt mir dazu ein, frei nach einem lokalen Autoren.

    Kampagne FISCH- HAMPE- PLATZ.

  5. Also für mich ist diese Story einfach nicht rund. Wer schließt denn einen Laden, wenn Umsatz und Gewinn stimmen? Nur weil die Lieferanten auf der Straße parken müssen? Das ist doch bei der allgemeinen Zunahme von Lieferdiensten mittlerweile gang und gäbe. Und der Partyservice der Hampes muss ja auch weiterhin beliefert werden.

    Ich bleibe bei meiner Vermutung, dass Herr Hampe sich die Strapazen einer 60-Stunden-Woche als Fischhändler nicht bis zur Rente antun will. Was man ja verstehen kann.

    1. Die Schließung kann man nur verstehen, wenn man mit Ingmar Hampe redet.
      Keiner der Kritiker hat das bisher versucht. Und so schießen in einer bestimmten Szene alle möglichen Vorstellungen ins Kraut, um ja nur die Schuld von sich weisen zu können.
      Deswegen habe ich auch diesen Artikel geschrieben, um die Fakten nach bestem Erkenntnisstand richtig darzustellen.

      Die Wirkung der letzten Abpollerung kann man sich so vorstellen, als ob das Feuer unter einem Wasserkessel kurz vor der 100-Grad-Erreichung nochmal richtig aufgedreht wird.
      Folge: Wasser kocht über, Deckel explodiert, etc.

      Und dieses Feuer unter dem „Kessel des Überdrusses der Rahmenbedingungen“ war mit vielen frustrierenden Einzelerlebnissen seit bis zu 20 Jahren in Betrieb mit großer Zunahme in den letzten ein bis zwei Jahren.

      Tatsache ist jedenfalls: Ohne die allerletzte Halteplatzvernichtung hätte der Laden nicht geschlossen. Die heutigen teilweise einflußreichen Kritiker hat es früher nicht interessiert, was der Fischhändler sagt und jetzt nach der Schließung offenbar erst recht nicht. Und diese beiden Tatsachen zählen erst einmal im Sinne der Aufklärung der Ursachen.

      Ingmar Hampe hat seine Arbeitsleistungen bis zum Schluss mit beherztem Engagement ausgeübt und war deswegen auch nicht erschöpft.

      1. Die Ursache der Schließung wäre dann aber sein Ärger über die wegfallenden Parkplätze, nicht die fehlenden Parkplätze selbst.

        Beobachten Sie mal die Rewe-Laster, die jetzt an Privathaushalte ausliefern. Die stellen sich auch einfach mit Warnlicht auf die Straße. Geht ja gar nicht anders. Dann suchen Sie die Ware heraus, spannen die auf einen Trolley und dann müssen die teilweise noch in den vierten Stock hochatzen. DHL macht auch nichts anderes. Da lässt sich ein Ladengeschäft aber komfortabler beliefern.

        Und nur weil Herr Hampe bis zum Schluss einen guten Job gemacht hat, bedeutet es ja nicht, dass er den bis 67 weitermachen will.

        Zum politischen Diskurs taugt der Fall nichts. Wenn Hampe pleite wäre oder Zahlen liefern würde, wie die Umsätze nach den letzten Baumaßen eingebrochen sind, wäre das was anderes.

        1. Es war dieses Nervenspiel was sich mit der Zeit entwickelt hat. Dazu gehört auch das benachbarte Wettbüro und die Polizei und die Hostessen, die dabei ihre Rollen gespielt haben. Und politische Vertreter, sowie Vertreter der Verwaltung. Alle waren Beteiligte an einer Spirale der Destruktivität. Bis es nervlich nicht mehr reichte.

          Seinen Text nochmal genau lesen und auf die Gefühlswelt dabei achten. Oder mit ihm selbst mal reden.

          1. Beim Edeka ist es immer voll *LOL*. Welch eine Ignoranz, es gibt Einkäufe, die man machen kann und welche, die man machen muss.

            Vielleicht liegt es auch daran, dass die dort kaufenden Biodeutschen sich an Verkehrsregeln halten und deshalb dort nicht wild parken. Faszinierend, dass er sich im verarmenden Linden so lange gehalten hat. Achtung, vor einem Kaufmann, der seine Firma ordentlich abwickelt und nicht bis zu Pleite wartet.

            Zu den gestörten Autohassern, ich zahle für 2 und habe überhaupt keine Lust auf Autos. Selbst die ältere Kiste kostet mich alles incl. 150 € im Monat, freiwillig tut sich das keiner an. Und ich habe übrigens aus 2 eBikes, die immer genutzt werden, wenn möglich – da schöner zu fahren und schneller.

  6. Die Richtung stimmt. Natürlich ist es sinnvoll, Lieferverkehr für den Einzelhandel bei der Verkehrsplanung zu berücksichtigen – wer das nicht tut, erweist der politisch vernünftigen Sache der Verkehrsvermeidung einen Bärendienst, da Vorteile für die Stadtbevölkerung eher in den Hintergrund geraten, wenn in der Folge solcher Entscheidungen Läden dicht machen.

    Dennoch: Es wird langfristig kein Weg an der Reduzierung / Verteuerung von Parkflächen vorbei gehen. Menschen kaufen sich Autos, weil sie bequem und günstig sind. Wird der ÖPNV bequemer und günstiger als der motorisierte Individualverkehr, reduziert sich mittelfristig die Anzahl der Autos – die Lebensqualität steigt in der Folge für alle.
    Das obige Bild zeigt zudem eindrucksvoll, dass es offenbar durchaus einen Bedarf an Fahrradstellplätzen gibt. Die Bepollerung sollte vermutlich vor allem der Sicherheit der Radfahrer auf dem schmalen Radweg dienen, oder? Denn der „kurzparkende“ Lieferverkehr dürfte wohl auch jenen Radweg blockiert haben. Ist aber nur eine Mutmaßung, da ich die Hintergründe der Entscheidung des Bezirksrates nicht kenne.

    Es ist eine sensible Frage der Politik, wie dieses Ziel auch bei Menschen auf Zustimmung stoßen kann, die bisher das Auto als das unumstößliche Mittel zur Erfüllung ihrer (durchaus nachvollziehbaren) Mobilitätsbedürfnisse sehen. Wer radikal alle Anliefer-Möglichkeiten zupollert, kann sich jedenfalls sicher sein, das das Verständnis der Lindener eher nur so mittel sein wird. Wie der obige, etwas undifferenzierte Kommentar bereits andeutet.

  7. Die linksalternativen AutohasserInnen glauben teilweise ersthaft, nur weil sie ihre Kinder mit dem Fahrrad in die Kita fahren können, brauche niemand guten Willens den Kraftfahrzeugverkehr.
    Die würden dumm gucken, wenn plötzlich ihr Bioladen genau wie alle anderen ohne Ware da stünde.
    Natürlich wäre es schöner, wenn es anders organisiert wäre, aber davon sind wir Lichtjahre entfernt und verhungern will keine(r), oder?!

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