11. Oktober 2017

PRESSEMITTEILUNG

Forum der SPD Linden-Limmer: „Wir stehen vor einer Richtungsentscheidung in der Bildungspolitik.“

Die SPD hatte gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft für Bildung zum Bildungsforum Linden-Limmer in den Gemeindesaal der St. Martinsgemeinde am 09.10.2017 eingeladen. Die SPD war mit der Landtagsabgeordneten Dr. Thela Wernstedt und der bisherigen Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn vertreten.

Vor oder zurück?

Der langjährige Leiter der IGS-Linden, Christoph Walther erläuterte einleitend das Wahlprogramm der SPD „nicht als Reklame-Butterfahrt der SPD“,  sondern aus einer kritischen Sicht des Praktikers.

„Mit der Landtagswahl“, so Walther,  „wird eine Richtungsentscheidung getroffen.  Ginge es nach CDU und FDP werde einer auf den Halbtagsbetrieb und auf die Pflichtfächer eingeschränkten Unterrichtsgarantie alles andere untergeordnet. Um Mehrkosten zu vermeiden, solle bei Inklusion, Sprachförderung, Ganztagsangebot und den Entlastungsstunden der Lehrkräfte für die pädagogische Weiterentwicklung der Schulen gestrichen werden.“

„Gerade in Linden-Limmer“, so Walther, „hätten sich viele Schulen auf den Weg gemacht. Grundschulen wie die Albert-Schweitzer-Schule gestalten einen vorbildlichen Sprachunterricht mit Kindern deutscher und nichtdeutscher Muttersprache und praktizieren wie die Gebrüder-Körting-Schule über den Ganztag hinweg ein lernförderliches Schulleben. Die Integrierte Gesamtschule Linden gilt seit langem als Leuchtturmschule der Inklusion. Die Lindener Schulen möchten auf ihrem Weg nicht ausgebremst werden. Sie erwarten im Gegenteil von der Politik, dass sie angemessen ausgestattet werden und noch besser die neuen pädagogischen Aufgaben bewältigen können. Kinder, gleich welcher Voraussetzungen, müssten in der Schule die für sie besten Lernbedingungen vorfinden und mit- und voneinander lernen.“

Lehrermangel

Kritiker der Schulpolitik in Niedersachsen haben nicht unrecht, so Walther, wenn sie auf eine unzureichende Unterrichtsversorgung hinweisen. Zwar seien 3200 neue Lehrkräfte in der vergangenen Wahlperiode eingestellt worden. Insgesamt seien sogar mehr Lehrer als jemals zuvor in den niedersächsischen Schulen tätig. Dies ist aber nicht genug, um den Mehrbedarf durch Ganztag, Inklusion, Sprachförderung und Pensionierungswelle auszugleichen. Der Mangel sei aber von der CDU-Vorgängerregierung verursacht. Sie hatte die Lehrerausbildung zurückgefahren, weil man mit sinkenden Schülerzahlen kalkulierte.

Die Lehrer-Ausbildung wurde nach dem Wechsel zur Rot-Grünen-Landesregierung wieder hochgefahren. Nun wendet sich das Blatt: Ab 2018 werden in Niedersachsen wieder deutlich mehr Lehrer ihr Studium beenden. Zum 1.2.18 sollen 1300 Lehrerstellen ausgeschrieben werden. Im ganzen Jahr 2018 sollen insgesamt 3000 Lehrkräfte in Niedersachsen eingestellt werden.

Weitere wichtige Vorhaben der SPD-Bildungspolitik in Niedersachsen

* Bildung soll nicht mehr von der sozialen Herkunft abhängen.

* Die SPD will das erste und zweite Kita-Jahr beitragsfrei stellen. Das dritte Jahr ist bereits beitragsfrei. Alle Berufsausbildungen werden gebührenfrei. Damit entfällt das Schulgeld in Gesundheitsberufen und der Altenpflegeausbildung. Das Land übernimmt die Kosten der Meisterausbildung. Studiengebühren sind bereits abgeschafft.

* Die Schülerbeförderung mit Bus und Bahn soll auch für die Oberstufe gebührenfrei werden.

* Die Entwicklung zur flächendeckenden Ganztagsgrundschule und die Einführung der Digitalisierung werden vorangetrieben.

* KiTas bekommen die dritte qualifizierte Kraft.

* Im ersten Schritt sollen Leitungsstellen an Grundschulen nach A13 bezahlt werden. Die Höherstufung aller Grundschullehrkräfte wird angestrebt.

* Lehrer sollen besser ausgebildet werden, um für die pädagogischen Ansprüche der Inklusion gut gerüstet zu sein.

* Das Geld soll nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden, sondern gezielt zum Ausgleich von Benachteiligungen eingesetzt werden.

Den Beiträgen und Fragen der Teilnehmer, darunter zahlreiche Eltern, Lehrer und Mitarbeiter von Lindener Schulen und Kinder- und Jugendeinrichtungen beantworteten Dr. Thela Wernstedt und Edelgard Bulmahn.

Fazit

Zum Schluss fasst Thela Wernstedt in ihrem persönlichen Fazit eine Reihe von Anregungen zusammen, die sie für ihre Arbeit in der neuen Wahlperiode des Nds. Landtages aus der Veranstaltung mitnimmt.

Die großen Veränderungen und Herausforderungen in der Schule: Inklusion, Ganztag und Migration erfordern

1. Bauinvestitionen auf der Basis einer neuen Architektur und

2 eine veränderte Lehrerausbildung.

Eine Lehrerausbildung entlang von Schulformen, die sich in der Praxis schon weit vom ehemals dreigliedrigen Schulsystem weg entwickelt haben, ist nicht mehr zeitgemäß. Eine wissenschaftliche und modular gestaltete Ausbildung für alle Lehrerinnen und Lehrer ist notwendig. Damit einher geht auch eine schrittweise Angleichung des Gehaltes. Sonderpädagogik muss Bestandteil der allgemeinen pädagogischen Ausbildung werden. Es braucht die Sonderpädagogik aber weiter als Spezialfach.

Migranten ziehen häufig in preiswerte Quartiere, in denen bereits andere Menschen in sozial schwierigen Verhältnissen leben. Sozial benachteiligte Stadtteile sind daher oft sogenannte Ankunftsquartiere. Diese Stadtteile brauchen auch nach dem Auslaufen von Städtebauförderungen wie der „Sozialen Stadt“ ausreichende Ressourcen, um Nachbarschaften und soziales Miteinander immer wieder neu organisieren zu können. Es braucht Krippen- und KiTa-Plätze für jedes Kind, ausreichendes Personal und einen Ganztagsunterricht mit motivierten Teams aus LehrerInnen, SozialarbeiterInnen und anderen Fachkräften und eine integrative Arbeit.

Viele Schulen im Land brauchen Geld, um den Sanierungsstau zu beheben und mit digitalen Mitteln arbeiten zu können. Dem muss nachgekommen werden. Die Ankunftsquartiere brauchen immer einen Euro mehr, damit sie die großen Anforderungen annehmen können.

Wir sollten den großen Sanierungsstau, der im Lande auch an Schulen herrscht, als Chance nutzen, um mit einer neuen Architektur die Anforderungen von Barrierefreiheit, Ganztag und einem gemeinsamen Leben in der Schule in neue Formen zu gießen.

Das Gespräch mit Eltern, ErzieherInnen und LehrerInnen verschiedener Schulformen wird von der Sozialdemokratie in Linden-Limmer weiter regelmäßig gesucht. Gemeinsam sollen die Bildungsangebote im Stadtbezirk weiterentwickelt und die Kooperationen mit Vereinen und außerschulischen Kinder- und Jugendeinrichtungen gestärkt werden.

 

2017.10.09_Bildungspolitisches Forum_der_SPD_Linden-Limmer
Foto: Ernst Barkhoff

Kommentare

  1. „Familienpolitik“ hat heutzutage eine andere Bedeutung als Jahrzehnte vorher. Heutzutage geht es oft um „Inklusion“, und das bedeutet, dass die oft drei, vier, fünf Kinder einer Ausländerin, die noch nicht mal Deutsch spricht, hier sozialisiert und ausgebildet werden sollen und müssen.

    Gerade Muslime, mit ihrem besonders eingegrenzten und oft den Grundrechten widersprechendem Weltbild, scheinen besonders kinderreich zu sein.

    Andererseits finde ich, dass muslimische Kinder (wie auch andere) oft auffallend gut mit ihren Eltern zurechtkommen, auch wenn die Eltern westliche Werte (wie natürlich der der persönlichen Freiheiten) nicht berücksichtigen. Zum Beispiel weinen sie nicht und zeigen sich selten unruhig oder beängstigt. Das wäre ein Hinweis darauf, dass diese Kultur im Grunde funktioniert.

    P. S.: Sorry wegen dem schwierigen Thema, aber es ist ja nicht nur meins.

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