4. Mai 2018
Was wäre, wenn es einen Fahrradboom auf der Limmerstraße gibt?

von Klaus Öllerer

Wer heute die Fußgängerzone Limmerstraße überqueren möchte muss aufpassen. Ein Blick nach Links, ein Blick nach rechts:
Keine Straßenbahn?
Kein Auto?
Kein Fahrrad? – dann nix wie rüber – möglichst ohne stehen zu bleiben.
Puh – gut gegangen!

Straßenbahnen und Autos sind leicht zu erkennen – allein schon wegen der Größe.

Etwas anders ist es bei Fahrrädern.
Fahrräder fahren am Rand und fallen nicht immer gleich auf. So mancher Fußgänger ist schon mal in letzter Sekunde zurückgeschreckt, weil plötzlich Fahrräder ganz nah angerauscht kamen. Manchmal zwei, drei oder mehr hintereinander. Was an Eindruck zurück bleibt ist manchmal Stress. Für herzempfindliche und andere Fußgänger kann das ein Problem sein.

2011.10.13_IMG_3681_K_1
Limmerstraße

 

Warum könnte es einen Fahrradboom auf der Limmerstraße geben?

Einfache Antwort: weil es von Initiativen so gewollt wird. Initiativen, die Autos besonders kritisch sehen, machen sich intensiv für die massenhafte Fahrradnutzung stark. Neben immer mehr normalen Fahrrädern fahren nun auch immer mehr Lastenfahrräder und Pedelecs über die Limmerstraße – manchmal mit hohem Tempo.

Als Vorbild wird oft die „Fahrradstadt“  Kopenhagen genannt. Dort war es gezielt gelungen das Auto teilweise zurückzudrängen und einen massenhaften Einsatz von Fahrrädern zur Normalität werden zu lassen. Die Bilder aus der dänischen Hauptstadt sind beeindruckend. Im folgenden eine Auswahl – allerdings mit einem etwas skeptischen Blick betrachtet.

2018.05.04_800px-Cyclists_at_red_2
Kopenhagen – WOW, beeindruckend. Quelle [1]

Was zeigt vorstehendes Bild, wenn man genau hinschaut?
Alle FahrradfahrerInnen sind im besten, aktiven Alter – körperlich und geistig fit. Alle halten sich nah beieinander auf, achten aufeinander. Das Risiko zu kollidieren oder sich auch nur ungewollt zu behindern bis hin zu Kollisionen dürfte relativ groß sein. Wer Spaß an Stress hat dürfte sich hier allerdings gut aufgehoben fühlen. Es ist jedoch nichts für herzempfindliche Personen.

Was ist mit den weniger fitten Menschen? Sollten die sich per Fahrrad in diese Fahrradkarawanen einreihen?  Der weniger fitte Teil der Bevölkerung Kopenhagens dürfte vermutlich die Mehrheit ausmachen. Hier könnten soziale Konflikte schlummern.

Muss man sich fahrradmäßig so eines Tages die Limmerstraße vorstellen?

2018.05.03_berlin-kopenhagen-2010-616
Fahrradverkehr Kopenhagen – Vorbild für die Limmerstraße?

Ein überqueren der Limmerstraße bei dortiger hohen Zahl von Fahrrädern dürfte zum belastenden Abenteuer werden.

 

Weitere Eindrücke aus Kopenhagen – das Fahrradchaos

2018.05.03_1200px-Copenhagen_Cycle_Hearse
Die große Menge an Fahrrädern bringt auch ungünstige Wirkungen mit sich. Dies ist eines von mehreren Fahrzeugen, die etwa 13.000 aufgegebene Räder pro Jahr auf den Straßen in Kopenhagen aufsammeln.  Quelle: [2]

Viele Fahrräder benötigen viele Parkplätze

2018.05.04_Nørreport_Station_10
Fahrradchaos in Kopenhagen. Quelle [3]

Drohen der Limmerstraße Verhältnisse wie in Kopenhagen?

Andere Sichtweisen sind willkommen.

Klaus Öllerer
begeisterter Fahrradfahrer und Fußgänger
04.05.2018

Quellen
1. heb, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cyclists_at_red_2.jpg
2. Von heb@Wikimedia Commons (mail) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11975943
3. Leif Jørgensen,  https://commons.wikimedia.org/wiki/File:N%C3%B8rreport_Station_10.JPG?uselang=de

 

 

Kommentare

  1. Die meisten Kommentare hier finde ich sehr verwunderlich. Es wird von schnellen Radfahrern und von unaufmerksamen Fußgänger geschrieben und irgendwie scheinen alle das total normal zu finden.

    Die Limmerstraße ist eine Fußgängerzone, die für Radfahrer freigegeben ist. Dies bedeutet:
    – Radfahrer dürfen nur Schrittgeschwindigkeit fahren
    – Fußgänger haben grundsätzlich Vorrang
    – Radfahrer müssen nötigenfalls anhalten

    (siehe bspw: https://www.adfc-diepholz.de/gehweg-radfahrer-frei-sind-keine-radwege/ – gilt exakt genauso in Fußgängerzonen)

    1. – „Die Limmerstraße ist eine Fußgängerzone, die für Radfahrer freigegeben ist.“

      Formell ist das so. Es ist auch kein Problem für die meisten Radfahrer, wenn Fußgänger am Rand der „Fahrbahn“ laufen, weil für sie bei der Außenbewirtschaftung der Gehweg zu eng wird. Konflikte treten dagegen beim Betreten und Überqueren der Fahrbahn auf. Dann klingelt oder ruft der gemeine Radfahrer zu Warnung – und behält die Vorfahrt –, die ihm rechtlich eigentlich gar nicht zusteht. Aber alle Verkehrsteilnehmer haben sich mit dieser informellen Regelung arrangiert.

      Das ist ebenso ein ungeschriebenes Gesetz wie das, dass in Linden-Nord an den kleinen Wohngebietskreuzungen Fußgänger grundsätzlich Vorgang (Vorfahrt) vor Autos haben (als wär’s eine Fußgängerzone). Jedenfalls sind die Autofahrer da gut erzogen, und das ist ja auch eine allseits angenehme Verkehrssituation.

  2. Die Limmerstraße ist eine Fußgängerzone, die für Radfahrer freigegeben ist. (Für den ÖPNV übrigens auch.) Theoretisch haben Radfahrer das Recht auch außerhalb des grauen Betonsteinpflasters zu fahren. Zum Beispiel direkt vor den Hauswänden, wo üblicherweise die Fußgänger gehen.
    Und auch die Fußgänger haben umgekehrt das Recht, auf dem grauen Betonsteinpflaster zu gehen, auf dem üblicherweise die Radfahrer fahren.
    Tatsächlich kommt beides nur recht selten vor. Radfahrer fahren üblicherweise auf dem grauen Betonsteinpflster und Fußgänger benutzen üblicherweise den Straßenraum zwischen Hauswand und dem grauen Betonsteinpflasterstreifen auf dem vor allem der Radverkehr stattfindet.
    Dass Fußgänger und Radfahrer, in der Regel recht gut miteinander auskommen ist ein Hinweis darauf, dass die Verkehrsplaner eine sehr brauchbare Lösung gefunden haben.
    Schnelle Radfahrer fahren übrigens nach meiner Beobachtung in der Regel zwischen den Gleisen, entweder innerhalb des rechten Gleispaares oder manchmal auch zwischen den beiden Gleispaaren. Das funktioniert deshalb ganz gut, weil die meisten Fußgänger nicht darauf insistieren, zwischen den Gleisen rumzulaufen.
    Würden jetzt noch mehr Radfahrer auf der Limmerstraße fahren, dann würden sie vermutlich verstärkt zwischen den Gleisen fahren. Oder aber auf den Parallelstraßen Elisenstraße und Pavillonstraße. Und da ist noch Luft nach oben, da kann noch einiges verbessert werden für Radfahrer. Und das würde vermutlich auch geschehen, denn irgendwo müssten die vielen Radfahrer ja herkommen, so dass ganz viele Autos nicht mehr gebraucht werden und dann könnte man in der Elisenstraße und der Pavillonstraße breite Fahrradstraßen schaffen, wo die wenigen Autofahrer verpflichtet sind, sich dem Radverkehr unterzuordnen.

  3. Ich meide die Limmer Straße mit dem Rad grundsätzlich, sowohl wegen der schienen als auch der Fußgänger. Die Nebenstraßen sind viel lässiger zu fahren (trotz rechts vor links an jeder kreuzung).

    Die Räder hier so zu verteufeln finde ich in einer praktisch Autolosen Straße nur mit Bus und Bahn aber auch etwas albern. Zumal die meisten Fußgänger die mir vor‘s Rad laufen die neuen Zombies sind die nicht nach links oder rechts, sondern auf‘s Smartphone gucken und Kopfhörer aufhaben.

    1. Vor allem wäre es bescheuert, wenn all die Fahrradleute auf einmal Auto führen, damit man sie besser wahrnimmt.

      Auch ist es so, dass die Fußgänger auf der Limmerstraße oft nicht gucken und einfach losgehen.

  4. Etwas mehr Aufmerksamkeit: Problem gelöst. Als regelmäßige Radlerin auf der Limmerstraße muss ich sagen, dass ein Konfliktfall Rad/ Fußgänger*in in den meisten Fällen von unaufmerksamen Fußgängern ausgeht. So manche Gänger*innen scheinen den Mittelbereich vor allem nach Gehör zu betreten. Dazu kommen Leute die am Straßenrand zwischen Gleisen und Fußweg spazieren (besonders in den Abschnitten mit Außengastronomie) und im Straßenbereich rumstehende Wartende an den Haltestellen.
    Von querenden Autos ganz zu schweigen.
    Fazit: Ständige Bremsbereitschaft und aufmerksames Mitdenken für andere Verkehrsteilnehmende ist für Radler auf der Limmer (und anderswo) unerlässlich.

  5. Zitat: ‚Warum könnte es einen Fahrradboom auf der Limmerstraße geben?
    Einfache Antwort: weil es von Initiativen so gewollt wird.“

    Nein, sondern weil das Fahrrad das beste Verkehrsmittel ist, das es gibt. Auf einer Kuriosität wie einer Fußgängerzone, in der Busse; Bahnen, Lieferverkehr und nicht zuletzt immer wieder PKW unterwegs sind , sind die Fahrräder wohl das geringste Problem. Vielmehr wird nicht mehr geschaut, sondern einfach drauflos gegangen und gefahren.

    1. Und jeder, der das anders für sich entscheiden möchte ist entweder ein Idiot oder muß besser erzogen werden.
      Ob Fußgänger oder ÖPNV alle Macht den Radfahren 💪

    2. Stimme dir zu, das Fahrrad ist einfach ein geniales Verkehrsmittel. Das hat mit Initiativen nichts zu tun – wobei ein bisschen Radlobby der Stadt gut tut. Wichtig ist aber gegenseitige Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit, und kurze Hundeleinen sind auch hilfreich

  6. Ach, als Radfahrer meide ich die Limmerstrasse lieber, ist mir zu gefaehrlich. Staendig kreuzen Fussgaenger / Smartphoner ohne zu Gucken…. und die staendigen Ausweichmanoever stressen.

    1. Mach ich genau so, zumal die Schienen auch nicht ganz ohne sind. Finde die Nebenstraßen auch tausendmal entspannter (und schneller) zu befahren…

  7. Solange wie man den ÖPNV nicht aus der Limmerstraße verbannt (Bahnen in einen Tunnel und Busse über Kötnerholzweg und Fösse) kann man den Verkehr dort eh nicht weiter einschenken indem dort eine echte Fußgängerzone einrichtet. Hätten die Politiker den sprichwörtlich A… in der Hose, hätten sie das schon lange so gemacht. Dann könnte man den Radfahrverkehr durch die Elisenstraße führen die man zur Fahrradstraße macht. Wer dann noch die Limmerstraße befährt muss eben dafür Zahlen, wie es heute schon in anderen Fußgängerzone der Fall ist.

    Was die Bilder aus dem angeht: Leider lässt sich daran nicht erkennen ob das ein normaler Arbeitstag ist (In dem Fall ist der Radweg definitive Unterdimensioniert) oder ob es sich dabei um eine Veranstaltung für den Radfahrverkehr handelt.

    Wie auch immer die Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer haben alle zu tragen.
    Und die Limmerstraße ist wohl eines der Beispiele das es so wie es zZ. ist nicht vernünftig funktioniert, es ist wie beim gesamten Straßenbahnprojekt 10/17 (Barrierefreier Ausbau der Linien in der Innenstadt) der kleinste gemeinsame Nenner der ausgewählt wurde!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.