29. April 2018

Mit Video
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Rundgänge mit Kippa durch Hannover

von Daniel von dem Knesebeck

Gestern fand in der Innenstadt von Hannover ein Rundgang mit Kippa statt. Teilnehmer ohne eigene Kippa konnten sich eine Kippa ausleihen. Man wollte gemeinsam ein Signal setzen: Wir zeigen Gesicht gegen Antisemitismus. Dazu eingeladen hatte der frühere Landtagsabgeordnete Michael Höntsch.

Ist das Tragen der Kippa in Hannover sicher?

Einige ältere Teilnehmer äußerten kurz vor Beginn der Veranstaltung zwar Ängste, ob vielleicht mit Angriffen zu rechnen sei, wie bei einer Attacke auf einen Kippaträger mit einem Gürtel kürzlich in Berlin geschehen. Bei einer daraufhin veranstalteten Demonstration in Berlin gegen Antisemitismus kam es erneut zu antisemitischen Übergriffen. (>> Video). Auch die NP berichtete vergangene Woche, dass der Zentralrat der Juden jedem davon abrate, in deutschen Großstädten die >> Kippa in der Öffentlichkeit zu tragen. Auch gab es vor ein paar Jahren schon einmal am Kröpcke einen antisemitischen Zwischenfall bei einer Kundgebung, bei dem Sven Kindler, heute für die Grünen im Bundestag, >> angegriffen wurde. Ebendort an der Kröpckeuhr sollte dieser Rundgang nun beginnen.

Licht und Schatten

Bei strahlendem Sonnenschein bewegte sich die Gruppe von der Uhr am Kröpcke in Richtung Steintor, von dort ging es durch die Altstadt bis zum Landtag, dann weiter zum Mahnmal am Opernplatz, wo die Veranstaltung schließlich mit einer kurzen Ansprache von Michael Höntsch endete. Entgegen aller vorherigen Bedenken verlief der Rundgang friedlich und harmonisch. Unterwegs gab es viele erstaunte und neugierige Blicke, vereinzelt wurde die Gruppe von Passanten angesprochen, freundlicher Respekt und Anerkennung wurden bekundet.

Bei weitem die häufigste Reaktion aber blieb die großstadttypische Gleichgültigkeit, allgemeines Desinteresse. Ist das die höchste Form gelebter Akzeptanz im Alltag des Großstadtlebens? Oder doch ein gefährliches Desinteresse angesichts des wiedererstarkenden Antisemitismusses?

Auftakt für die kommende Veranstaltung

Die Befürchtung, man könne in Großstädten keine Kippa mehr sicher tragen, scheint zumindest für diesen Samstagnachmittag in Hannover widerlegt. Der Initiator des Rundgangs Michael Höntsch fasst die Veranstaltung zusammen:

„Ein schöner, ein guter Spaziergang mit Kippa durch Hannover. Freundliche Passanten, Umarmungen mit kurdischen Menschen. Polizei absolut im Hintergrund. Ich mag mein Hannover.“

Die gestrige Veranstaltung, als Signal gegen Antisemitismus, war allerdings nur der Auftakt: Der nächste Spaziergang mit Kippa wird Freitag, den 4. Mai 2018 um 16:00 Uhr vor dem Neuen Rathaus beginnen (>> Ankündigung). Ziel des „Kippa-Walk“ soll wieder das Mahnmal am Opernplatz sein.

Daniel von dem Knesebeck
29.04.2018

 

 

Antisemitismus

>> Bundestagsabgeordneter Sven Kindler aus Linden wird bei Demo gegen Judenhass und Antisemitismus attackiert

>> Mit Israelkritik punkten? – von Stefan Müller

>> CDU: Besorgnis über israelkritische Veranstaltung der Linken im Freizeitheim Linden

>> Veranstaltung: Wasserkrise bei Palästinensern – Referent Clemens Messerschmid

 

29.04.2018/30.04.2018; 18:45

 

 

Kommentare

  1. Vor etlichen Jahren viel mir in einem Imbiss an der Limmerstraße eine an die Wand gemalte Karte auf. Dargestellt war die Region Israel/Palästina.
    Abgebildet war Syrien, Irak, Ägypten, Libanon, Plästina. Auch einzelne Städte wie Ramallah oder Jerusalem waren angegeben. Und die palästinensische Flagge war auch zu sehen.
    Was fehlte war jeder Hinweis auf Israel.

    Ich sprach den Imbissinhaber, aus dem Libanon stammend, daraufhin an. Was er genau sagte, habe ich nicht mehr in Erinnerung. Es klang jedenfalls so, als ob es Israel gar nicht gäbe.

    Daraufhin sagte ich: „Wer Palästina sagt, der muß auch Israel sagen – und wer Israel sagt, der muß auch Palästina sagen.“ Daraufhin lachte er etwas verlegen.

    Viele Monate später war die Karte übermalt worden und nicht mehr zu erkennen. Ob das Gespräch irgendeinen Einfluß hatte?

  2. – „Was ist dann das Geheimnis einer gut sitzenden Kippa? Die Lösung ist geradezu enttäuschend simpel: Juden, die regelmäßig eine Kippa tragen, wissen, wo sie auf dem Kopf platziert werden muß (nämlich genau auf dem Scheitel). Auch besitzen sie oft ihre eigene, bewährte Kippa, die zudem die richtige Passform hat. Die etwas kleinere Kippa (im Gegensatz zur Kippa im Suppenschüssel-Stil) kann mit einer Klammer im Haar befestigt werden. Doch diese Lösung wird nicht überall gern gesehen, vor allem nicht bei überzeugten Traditionalisten. Entscheidet sich der Kippaträger für ein aus Wildleder gefertigtes Exemplar, hat dies den Vorteil, dass es auch auf kahlen Köpfen dank eines gewissen Reibungswiderstands gut haftet.

    Im Notfall kann man auch schon einmal auf die ultimative, geheime Kippalösung zurückgreifen: Fixier- oder einseitiges Klettband. Bitte beachten: Das Klettband wird an der Kippa befestigt, nicht am Kopf.“

    Jüdisches Museum Berlin, http://www.jmberlin.de/blog/2013/04/frage-des-monats-wie-halt-die-kippa-auf-dem-kopf/

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