12. August 2018

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IGS Linden weiterdenken!

Von Ernst Barkhoff

Die IGS Linden ist in die Jahre gekommen. Im Jahre 1971 war sie die erste Integrierte Gesamtschule in Hannover. Mit rund 1450 Schülerinnen und Schülern ist sie heute die drittgrößte allgemeinbildende Schule der Stadt. Seit Beginn zeichnet sie ein in Fragen der Bildungsgerechtigkeit und Reformpädagogik hoch engagiertes Lehrerkollegium aus. Heute ist die Gesamtschule die Schulform, die der Vielfalt der Schülerinnen und Schüler am besten gerecht wird. Gerade deshalb ist die IGS für Linden so wichtig.

Doch Lehrkräften können das Problem einer maroden Schule nicht lösen. Zum großen Teil sind die Gebäude sogar älter als die IGS selbst. Obwohl mit stadtweit dem höchsten Anteil an Inklusionskindern, gibt es an keinem der drei Standorte einen Fahrstuhl. Dringendste Maßnahmen, wie undichte Flachdächer, Brandschutzmängel, marode Toiletten und fehlende Aufzüge sollen im Jahr 2019 in Angriff genommen werden. Doch die Aufteilung der Schule auf verschiedene Standorte, fehlende und teilweise zu kleine Klassenräume bleiben als strukturelles Defizit, genauso wie der fehlende Lärmschutz zum Westschnellweg. Die Liste der Probleme ist länger. Mit einer Sanierung im Bestand allein ist das nicht zu bewältigen.

Die Stadt muss einen Neubau ins Auge fassen! Nach Protestaktionen der Schüler beschloss der Schulausschluss des Rates im Juni auf Antrag von SPD, Grünen und FDP, dass Neubau und Sanierung der IGS Linden bis Ende November geprüft werden und ein Zukunftskonzept erarbeitet wird.

Idee 1: Trog des Westschnellwegs überbauen

Schon mit dem Aufstellen von Containern als Ersatz für die Abgabe der Außenstelle Ihmeschule wird es auf dem Schulhof eng. Eine umfassende Erneuerung der IGS Linden stößt bei dem relativ kleinen Schulgrundstück an Grenzen. Ein Weiterbetrieb der Schule bei gleichzeitig umfassenden Bauarbeiten mit Teilstillegung oder Teilabrissen ist ohne Ausweichmöglichkeit kaum vorstellbar.

Ein den Westschnellweg überspannender Neubau wäre ein Ausweg aus dem Dilemma und brächte folgende Vorteile:

* Man gewinnt ein quasi kostenloses Grundstück in direkter Nachbarschaft zum vorhandenen Schulgebäude über dem Straßentrog.

* Die Schule schlägt eine Brücke zu den Sportanlagen von Linden 07. Das ergibt für beide Seiten bessere Kooperationschancen.

* Eine großzügige breite Brückenplatte könnte gleichzeitig die Grünflächen des Von-Alten-Gartens direkt mit dem Lindener Berg verbinden.

* Der Deckel über dem Trog sorgt für Lärmschutz.

Idee 2: Freizeitheim Linden in IGS-Neubau integrieren

Integriert man das Freizeitheim Linden in einen IGS-Neubau, ergäben sich spannende neue Optionen und auch wirtschaftliche Vorteile:

Das Freizeitheim Linden, wie die IGS ebenfalls das erste in Hannover, ist heute ziemlich verbaut. Welchen Sinn macht es, dass sich im selben Stadtteil Linden-Nord Kulturzentrum Faust und Freizeitheim Linden Konkurrenz machen? Eine bauliche und konzeptionelle Rollenklärung und Neuausrichtung ist nötig.

* Gruppenräume, Saal, Kreativ-Werkstätten, Medienstudios usw. sind in einem Freizeitheim vormittags und am frühen Nachmittag wenig genutzt. Diese Zeiten sind aber gerade für die Schule interessant.

* Eine neue Schule braucht auch eine neue Architektur. Eine Ganztagsschule, in der die Kinder einen wesentlichen Teil ihrer Lebenszeit verbringen, kann nicht nur schuhkartonförmige Klassenzimmer bieten. Innovative Konzepte für Pädagogik, Freizeit, Bewegung und Kultur sollten auch architektonisch verknüpft und ermöglicht werden.

* Die Mensa einer Ganztagsschule und die Gastronomie eines Freizeitheimes könnten ein attraktives und wirtschaftlich ausgelastetes Ganzes ergeben.

* Das Freizeitheim Linden könnte mit Integrationsarbeit, beispielsweise Elternarbeit in Kombination mit Stadtteilkultur sein Angebotsprofil schärfen. Wenn künftig Vereine, Einwohnerversammlungen, Stadtteilforen und Bezirksrat dort tagen sowie Ausstellungen und Kulturveranstaltungen Publikum anziehen, kann ein auch den Unterricht befruchtender lebendiger Lernort für Demokratie und Kultur entstehen. IGS und Freizeitheim gewinnen gemeinsam eine starke öffentliche Präsenz, die auf den ganzen Stadtteil ausstrahlt und viele Interessen auf sich lenkt.

* Andernfalls hätte ein Neubau des Freizeitheimes am bisherigen Standort in Linden-Nord den großen Nachteil einer mindestens dreijährigen Schließzeit für Abriss und Neubau. Konzeptionell wäre man keinen Schritt weiter.

* Und wenn schließlich das Kulturzentrum Faust seine Rolle weniger als überregionale Event-Location und mehr als Stadtteilzentrum verstünde, wäre mancher um seine Nachtruhe gebrachter Lindener auch froher.

Mein Fazit: Bildung, Kultur und Integration unter einem Dach und Sport nebenan könnten ein schlüssiges Konzept für einen Neubau der IGS Linden mit integriertem Freizeitheim ergeben.

Bitte weiterdenken – diskutieren Sie mit!

Ernst Barkhoff

 

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Troglage Westschnellweg Höhe IGS Linden

 

12.08.2018

 

Leserbriefe, Kommentare

14.08.2018:
2018.08.06_Leserbrief_Dr_Apel_1

 

 

Kommentare

  1. Dafür müssten aber viele große Bäume gefällt werden, die Trogüberbauung würde wieder Milliarden kosten oder mehr, und für die Schüler gilt ja bekanntlich, dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind.

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