2. Februar 2018

Zur Förderung der Debattenkultur in Linden-Limmer werden hier auch Meinungsbeiträge veröffentlicht, die über den Stadtbezirk hinausreichen.

 

Unter der Überschrift „Mich erschreckt der Multikulturalismus“ berichtet >> RP online über eine Rede von Ex-Bundespräsident Hans-Joachim Gauck in Düsseldorf vom 31.01.2018

Auszug

„… Ein Nationalstaat darf sich nicht überfordern. Wer sich vorstellt, quasi als imaginierter Vertreter eines Weltbürgertums alle Grenzen des Nationalstaates hinwegzunehmen, überfordert nicht nur die materiellen, territorialen und sozialen Möglichkeiten eines jeden Staates, sondern auch die psychischen Möglichkeiten seiner Bürger. Sogar der weltoffene Mensch gerät an seine Grenzen, wenn sich Entwicklungen vor allem kultureller Art zu schnell und zu umfassend vollziehen.

Einen großen Einfluss in der Integrationspolitik hat lange Zeit die Konzeption des Multikulturalismus gehabt: Was sich auch immer hinter den einzelnen Kulturen verborgen hat – Vielfalt galt als Wert an sich. Die Kulturen der Verschiedenen sollten gleichberechtigt nebeneinander existieren, für alle verbindliche westlich-liberale Wertvorstellungen wurden abgelehnt. Ich verstehe, dass es auf den ersten Blick tolerant und weltoffen anmuten mag, wenn Vielfalt derart akzeptiert und honoriert wird. Wohin ein solcher Multikulturalismus aber tatsächlich geführt hat, das hat mich doch erschreckt.

So finde ich es beschämend, wenn einige die Augen verschließen vor der Unterdrückung von Frauen bei uns und in vielen islamischen Ländern, vor Zwangsheiraten, Frühheiraten, vor Schwimmverboten für Mädchen in den Schulen. Wenn Antisemitismus unter Menschen aus arabischen Staaten ignoriert oder mit Verweis auf israelische Politik für verständlich erklärt wird. Oder wenn Kritik am Islam sofort unter den Verdacht gerät, aus Rassismus und einem Hass auf Muslime zu erwachsen. Sehe ich es richtig, dass in diesen und anderen Fällen die Rücksichtnahme auf die andere Kultur als wichtiger erachtet wird als die Wahrung von Grund- und Menschenrechten?

Ja, es gibt Hass und Diskriminierung von Muslimen in unserem Land. Und sich diesem Ressentiment und dieser Generalisierung entgegenzustellen, sind nicht nur Schulen und Politik gefordert, sondern jeder Einzelne. Beschwichtiger aber, die kritikwürdige Verhaltensweisen von einzelnen Migranten unter den Teppich kehren, um Rassismus keinen Vorschub zu leisten, bestätigen Rassisten nur in ihrem Verdacht, die Meinungsfreiheit in unserem Land sei eingeschränkt. Und sie machen sich zum Verbündeten von Islamisten, die jegliche, auch berechtigte Kritik an Muslimen abblocken, indem sie sie als rassistisch verunglimpfen.

Zu viele Zugezogene leben noch zu abgesondert mit Werten und Narrativen, die den Gesetzen und Regeln und Denkweisen der Mehrheitsbevölkerung widersprechen, zu viele leben hier seit vielen Jahren oder gar Jahrzehnten, ohne die Geschichte dieses Landes zu kennen. Um das zu ändern und uns gemeinsam auf eine Zukunft in diesem Land zu verständigen, brauchen wir – wie einst zwischen einheimischen und vertriebenen Deutschen – vor allem eines: mehr Wissen übereinander. Mehr Dialog. Mehr Streit. Mehr Bereitschaft, im jeweils Anderen unseren eigenen Ängsten, aber auch neuen Chancen zu begegnen. …“

Mehr lesen in >> RP online

Foto: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Siehe auch >> Bezirksrat und die Integration: Warum fehlen die Migranten?

Andere Sichtweisen sind willkommen.

 

02.02.2018

 

 

Kommentare

  1. Warum manche aus dem linken Spektrum seit Jahrzehnten behaupten, weiße westliche Männer seien sexistisch und rassistisch und allen anderen auf der Welt seien Opfer der Umstände, hab ich nie verstanden.
    Da muss ich insofern dem Herrn „Freiheit“ (keine Gauckrede ohne dauernd „Freiheit“ zu sagen) recht geben.
    Religion muss (eigentlich) Privatsache sein und wenn Schwimmunterricht auf dem Stundenplan steht, haben alle mitzumachen.

  2. In den Kommentaren auf Tichy’s Einblick wird Gauck dazu massenhaft als „Wendehals“ verschrieen, was dort als ein typisch auf Ostdeutsche gemünzter Begriff erklärt wird. Sozusagen erklären ihn nun die Rechten zum Freiwild, gerade wenn er jetzt am Klarsten ihre Position einnimmt. Dabei handelt Gauck seit Jahrzehnten und ewig kongruent, also stimmig. Davor hatte er sich ja auch schon zu Sarrazin oder der Flüchtlingskrise kritisch geäußert. Das ist kein neues Thema für Gauck, und einen Bruch kann ich auch nicht erkennen.

    – Zum Inhaltlichen habe ich jetzt noch nichts gesagt. Gauck vertritt auch Meinungen, bei denen ich mit den Knien schlottern will; so naiv und gutmütig (und gleichzeitig schädlich) sind sie für Gesellschaft und Menschheit. Sein Kern aber ist gut.

    – Was beim Gauck übrigens immer wunderbar geht, ist Abscheu und Verachtung. Das liest man in den Forenbeiträgen (Tichy, Welt), das spürt man an sich selbst. Und ich weiß auch, woran das liegt. Dazu mehr in einem späteren Beitrag.

    1. Der Gaukler hängt mal wieder das Fähnchen in den Wind.
      Das kann er.

      Schließlich kam er überall gut klar.

      In der DDR als ************.
      In der brD wurde er dafür mit dem ChefPosten, ausgerechnet der Behörde belohnt, die für die Aufarbeitung der Stasi Machenschaften zuständig ist.

      Steile Karriere bis zum BundesPapst.
      Nun…., ist er wieder zurück gekehrt in seine alte Heimat.
      Dort werden seine Nachbarn ihn wohl immer mehr auf den Boden der Tatsache zurück geholt haben.
      Was bleibt ihm übrig, er tut nur das was er am besten kann, sich anpassen.
      Nix neues.

      ————————–
      ***********
      Geändert durch die Redaktion, da nach derzeitigem Kenntnisstand nicht beweisbar

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