4. April 2018

Nach einem Jahr Testlauf gilt der Versuch als gescheitert. An der Limmerstraße, am Steintor und am Lister Platz wurden die Pfandringe montiert. Es gab eine sozialwissenschaftliche Begleitung durch das Karl-Lemmermann-Haus. Es zeigte sich, dass im Endeffekt Vermüllung und zerbrochenes Glas entstand.

Der Umweltausschuss des Rates wird demnächst über eine Ratsvorlage beraten, die ein Ende des Pfandring-Systems vorsieht. Aufgrund eines Beschlusses des Bezirksrates Linden-Limmer war der Testlauf begonnen worden und wird dann ca. 24.000 € gekostet haben.

2018.03.19_WP_20180319_001_2
Limmerstraße: Pfandring-System vermüllt

Quelle: >> HAZ

öl/04.04.2018; 10:17

 

 

Kommentare

  1. Das Pfandringsystem ist so ziemlich das weltfremdeste, und naivste Ding von dem ich im Zusammenhang mit Pfandflaschen je gehört habe. Man hätte gut daran getan sich erst einmal die die Realität des Flaschensammelns anzuschauen. Dem Butjer als solchem reicht dazu normalerweise eine Stunde an einem typischen Platz mit Open-air-Bierverköstigung. Wer das „Pfandflaschenabitur“ anstrebt, dem empfehle ich noch eine weitere Stunde in der Flaschenannahme bei Realkauf. Nach nur zwei Stunden wird man feststellen, dass der „Pfandflaschenmarkt“ bereits fest in der Hand einiger weniger Menschen ist, die sich nicht zu schade sind tief in Mülleimer, und Straßendreck hineinzulangen, und das Ganze nicht als Passion, oder Hartz IV-Aufstockung ansehen, sondern als Quelle des Lebenserwerbs. Ich spreche von wenigen Leuten, die jeden Tag in ihrem Revier in Hannover unterwegs sind, und mehrfach täglich die Mülleimer der Pfandstationen in den Supermärkten anfahren, und durchwühlen, die Flaschencontainer mit selbsterdachten, und -gebastelten Werkzeugen, von fahrlässig weggeworfenen Pfandgut befreien, und schließlich im Kofferraum ihres PKW verschwinden lassen. Wer einen Blick in diesen Kofferraum erhascht, dem wird klar, dass es sich hier nicht um Leute handelt, die nicht wissen, wie sie den von Arbeitslosigkeit geprägten Tag rumbringen sollen, sondern um Menschen, die sechs Tage die Woche, nicht weniger als acht Stunden am Tag erhobenen Hauptes ihrem Tagwerk nachgehen. Es sei ihnen nachgesehen, dass diese höchst proffessionellen Flaschensammler sich auch nicht erblöden, selbstverständlich auch die „Pfandringe“ anzufahren, und zu entleeren.
    Und wenn es jemanden gibt, der das Einstampfen der von jovialen Gutmenschentum triefenden Pfandringe bedauert, dann sind es sicher die von mir beschriebenen Profis.
    Den „Wissenschaftlern“, Bezirksrätinnen, und Bezirksräten sei angeraten, sich erstmal ein Bild vom echten Leben zu machen, bevor wieder einmal eine solche schwachsinnigen Entscheidung gefällt wird.
    Was hätte man alles Gutes mit 24.000 EUR finanzieren können?

  2. Wenn man die Kästen die von keine Ahnung wem, vor dem Test aufgehängt wurden aber von der Stadt wieder abmontiert wurden, hängengelassen hätte, hätte der Test nichts gekostet. Zumal die Kästen besser waren als diese überteuerten Flaschenringe!

  3. – „Aufgrund eines Beschlusses des Bezirksrates Linden-Limmer war der Testlauf begonnen worden und wird dann ca. 24.000 € gekostet haben.“

    Wow! … Das ist der Gegenwert von 300.000 leeren Bierflaschen! Nebeneinandergelegt ist das die Fläche von zwei Fußballfeldern!!1!elf

    Zur Verteidigung wenigstens von Teilen unseres Bezirksrats muss gesagt werden, dass es bei 12 Dafür-Stimmen immerhin auch 7 Dagegen-Stimmen gab (wahrscheinlich aus SPD und CDU). In den anderen Bezirksräten und Gremien war überall quasi einstimmig dafür gestimmt worden.

    Der ursprüngliche Antrag war von den Bezirks-Linken gestellt worden, die damit eine kuriose lokale Praxisferne zeigten:

    Denn ich finde, dass Bierflaschen usw. gerade in Linden traditioniell sowieso schon ziemlich professionell entsorgt werden. Es scheint mir sogar zu einem gewissen Lokalpatriotismus oder Stolz zu führen, dass das so gut funktioniert. Und Scherben stammen normalerweise nicht von den Einheimischen, weil die Kumpels oft Fahrräder oder Hunde mitführen.

    Die Pfandflaschensituation in den anderen teilnehmenden Bezirken, u. A. Vahrenwald und List, kenne ich nicht, aber die kompetenten lindener Altglasentsorger zumindest dürften sich oft übermäzenisiert (das Wort wird tatsächlich manchmal verwendet), patronisiert und ihrer Expertise nicht ernstgenommen gefühlt haben. Sich künstliche Lösungen überstülpen zu lassen – dafür sind die Lindener traditionell zu freiheitsbewusst (wenn’s doch nur so wäre).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.