3. August 2018

„Hitzewelle – „Wie Plagen aus alter Zeit“

Darbende Natur, schwitzende Bürger: Europa hatte den heißesten Juni seit Menschengedenken. Straßendecken platzten, Börsenkurse sanken, Walen im Zoo drohte Sonnenbrand. Während Stadtbewohner Streß befiel, bahnten sich auf dem Land Milliardenschäden an. Und nicht nur der Schirmherstellerverband flehte um Regen.

Eine ganze Woche mit örtlich Tagestemperaturen von jeweils über 30 Grad — das notierte man, zumindest im Juni, hierzulande noch nie. Und daß Juni-Dürre die Niederschlagsmenge des ersten Halbjahres unter 110 Millimeter drückte, wie in Berlin verbucht, das gab“s seit 1851 nicht mehr.“ [1]

Den Älteren unter den Lesern kommt vorstehender Text womöglich bekannt vor. Er stammt aus dem Spiegel [1]. Aus dem Juli 1976.

Ein außergewöhnliches Jahr. In einem Zeitraum im Übrigen, in dem viele Wissenschaftler vor einer neuen Eiszeit warnten. [2]

Und die erwarteten Extremeereignisse waren: Stürme, Fluten, Dürren. Die gleichen also, die uns jetzt mit der Erwärmung drohen…. Das Schöne an derart offenen Prognosen ist, dass man jede auffällige Wetterlage als Beleg für seine Thesen nehmen kann. Die Ursache für den ziemlich nassen Sommer 2017 (erinnert sich noch jemand?) war ja auch: der Klimawandel.

Was aber begründet nun die derzeitige Wetterlage? Im Unterschied zu „normalen“ Sommern mit Westwetterlage und regelmäßig vorbeiziehenden Tiefdruckgebieten, gibt es seit Wochen ein stabiles Hoch im Nordosten und sehr schwache Winde aus Ost/Südost (nebenbei: mit katastrophalen Erträgen der Windkraftanlagen).

Diese Winde sind wärmer als Westwinde, vor allem aber trockener. Und selbstverständlich führt dies durch fehlende Bewölkung und durch geringere Verdunstung zu hohen Temperaturen. Diese stabile Südostlage ist ungewöhnlich, aber nicht aussergewöhnlich.

Zuletzt gab es eine stabile Südostlage 2011. Und sie wird weder durch CO2, noch durch konventionelle Landwirtschaft, noch durch höhere Welt-Durchschnittstemperaturen verursacht. Diese Temperaturen lagen weltweit im Juli bei unauffälligen 0,3°C über dem langjährigen Mittel. Neben einigen Höchsttemperaturen (z.B. in Oman [4]) fiel der Kälterekord am Südpol [5] nicht so auf. Das ist dort, wo noch letztes Jahr eine katastrophale Eisschmelze drohte. Temperaturmessungen in Städten (aus denen die meisten Rekorde stammen) sind im übrigen wegen des sogenannten „Wärmeinseleffektes“ (vergleichen Sie mal das Leineufer mit dem Rewe-Parkplatz in Linden-Nord) wenig sinnvoll. Vorsichtig ausgedrückt.

Ganz ohne menschlichen Einfluss auf das Klima gehen Katastrophen im übrigen auch: die bisher schwerste Dürre ereignete sich in Europa 1540. Damals konnte man zu Fuß durch den Rhein gehen. [3]

Alex Weber
01.08.2018

 

Quellen

[1]
>> www.spiegel.de/spiegel/print/d-41237656.html
[2]
>> www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article5489379/Als-uns-vor-30-Jahren-eine-neue-Eiszeit-drohte.html
[3]
>> www.spiegel.de/spiegel/print/d-41237656.html
[4]
>> www.spektrum.de/news/neuer-temperaturweltrekord-aus-dem-oman/1574360
[5]
>> www.tagesschau.de/ausland/antarktis-rekord-101.html

 

Anmerkung der Redaktion
Zur Förderung der Debattenkultur in Linden-Limmer werden hier auch Meinungsbeiträge veröffentlicht, die über den Stadtbezirk hinausreichen.
Andere Sichtwiesen sind willkommen.

 

01.08.2018

 

 

Kommentare

  1. Wie natürlich ist der Klimawandel?
    In jedem durchschnittlichen Menschenleben gibt es Klimawandel. Das war schon immer so und ist auch heute so.
    Doch wie natürlich ist der gegenwärtige Klimawandel?

    Kurze Antwort:

    Klimapendel
    Es ist wie mit Ebbe und Flut an der Küste: Auf und ab in regelmäßigen Abständen – wie ein Pendel.
    So ein pendeln gibt es auch beim Klima. Alle ca. tausend Jahre wird es warm. Das ist heute der Fall (Moderne Warmzeit), das war vor tausend Jahren der Fall (Mittelalterliche Warmzeit) und ebenso vor zweitausend Jahren der Fall (Römische Wärmeperiode) und davor. Dazwischen gab es Kaltphasen wie zuletzt die Kleine Eiszeit zwischen 1400 und 1800.

    Heute kaum wärmer als im Mittelalter
    Heute ist es gerade mal 0,2 C wärmer als im Mittelalter. Was soll daran unnatürlich sein?
    Dieser Wert von 0,2 C ergibt sich eindeutig aus dem letzten IPCC Klimabericht von 2013/14.
    Dort ist der Verlauf der globalen Temperaturen von heute bis über tausend Jahre zurück dargestellt.
    Danach wurden erst um 1980 die globalen Temperaturen des Mittelalters überschritten. Und zwar bisher um 0,2 C.

    Vielleicht ist dieser Wert von 0,2 C menschengemacht, vielleicht auch nicht. Denn wir hatten im 20. Jahrhundert die aktivste Sonne seit 8.000 Jahren.
    Das wäre eine naheliegende Erklärung dafür, dass es heute natürlicherweise etwas wärmer ist, als im Mittelalter.

    Die Möglichkeiten für die Existenz eines menschengemachten Klimawandels werden immer geringer. Der Physik-Nobelpreisträger Ivar Giaever hat dafür eine einprägsame Bewertung gefunden: Nicht-Problem.

    Quellen können nachgereicht werden.

  2. BILD-KOLUMNIST HEINZ BUSCHKOWSKY
    Bin ich ein Klima-Killer, wenn ich Fleisch grille?

    Ich gehöre zu den Bösen, denn mir macht Grillen Spaß. Und nun wird mir eingeredet, dass ich damit schuld am Klimawandel bin.

    Weil ich Steak mag und an lauen Sommerabenden gerne auf der Terrasse den Grill anwerfe, werden Rinder gezüchtet. Die rülpsen hin und wieder und stoßen dabei Methangas aus. Doch damit nicht genug! Ein Kilo Rindfleisch steht für 28 Kilo Treibhausgas. Alles schlecht fürs Klima, heißt es …

    https://www.bild.de/politik/inland/buschkowsky-kolumne/bin-ich-ein-klima-killer-wenn-ich-fleisch-grille-56510154.bild.html

  3. – „Zuletzt gab es eine stabile Südostlage 2011. Und sie wird weder durch CO2, noch durch konventionelle Landwirtschaft, noch durch höhere Welt-Durchschnittstemperaturen verursacht.“

    Aus wissenschaftlicher Sicht ist das eine steile und nihilistische These, wo doch alles mit allem systemisch zusammenhängt.

    – „Diese Temperaturen lagen weltweit im Juli bei unauffälligen 0,3°C über dem langjährigen Mittel. Neben einigen Höchsttemperaturen (z.B. in Oman [4]) fiel der Kälterekord am Südpol [5] nicht so auf. Das ist dort, wo noch letztes Jahr eine katastrophale Eisschmelze drohte.“

    Zur Erklärung der jetzigen Extremwetterlage in den nördlichen Gefilden taugen die Temperaturen weltweit, in Argentinien oder am Südpol, überhaupt nicht, da sie auf den polaren Jetstream, der diese Omega-Wetterlagen hervorbringt, keinen Einfluss haben.

    1. Klimaveränderungen werden mitnichten in Abrede gestellt. Die sind über Jahrtausende durch Proxydaten gut dokumentiert. Es geht um das Aufbauschen ungewöhnlicher Wetterlagen und Ereignisse zu „Extremwetterlagen“ (gern auch in Gebieten wo niemand die Relevanz einer Meldung einschätzen kann) mit dem Ziel Sorgen besser noch Ängste zu verursachen.
      Immer mit der Implikation“ menschengemacht“ und „CO2-verursacht“ – beruhend auf erschütternd schwachen Daten. Und das Ziel ist auch nicht die CO2 Vermeidung (wie die nahezu unveränderten Emissionen über die letzten 10 Jahre dokumentieren), sondern allein, dem schuldbewusssten Bürger die „Energiewende“ verkaufen zu können. Verkaufen. Für 30Mrd €uro jährlich. Ohne jeden Effekt. Zumindest nicht auf das Klima. Das ist ein armseliges Geschäftsmodell nicht unähnlich dem Tetzelschen Ablasshandel.

  4. – „Was aber begründet nun die derzeitige Wetterlage? Im Unterschied zu „normalen“ Sommern mit Westwetterlage und regelmäßig vorbeiziehenden Tiefdruckgebieten, gibt es seit Wochen ein stabiles Hoch im Nordosten und sehr schwache Winde aus Ost/Südost“

    Diese die Westwinddrift blockierende Wetterlage nennt sich Omegalage [1][2]. Das festsitzende Hoch ist eine größere tropfenartige Ausgliederung der ansonsten flacher mäandernden und schneller wandernden Rossby-Wellen des polaren Jetstreams [3][4][5]. Die Dynamik dieses Starkwindbands ist komplex; maßgeblich hängt sie von den Temperaturunterschieden zwischen den Tropen und den Polen ab sowie kalten Bergregionen wie den Alpen. Durch die globale Temperaturerhöhung schmelzen dort große Eismassen, wobei durch die in Wärme umgewandelte Sonnenstrahlung dort auch die lokalen Temperaturen steigen [5]. Diese Extremwetterlagen nehmen an Stärke und Häufigkeit zu, besonders Hitzewellen [5][6].

    [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Omegalage (mit Liste dieser Wetterlagen in Mitteleuropa)
    [2] http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Blockierende_Wetterlage
    [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Jetstream
    [4] http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Jetstream
    [5] https://idw-online.de/en/news598864
    [6] http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Hitzewellen

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