21. Februar 2017

Die Initiative >> PlatzDa! veranstaltete am 09.02.2017 eine Podiumsdiskussion im Lindener Rathaus unter dem Motto „Wie wollen wir leben in unseren Stadtteilen (und Städten)?“.  Die >> Grüne Banane ist ein Verkehrskonzept der Grünen für Linden.

>> Hier gibt es kontroverse Beiträge zu diesem Konzept und der Podiumsdiskussion.

Stefan Müller hat zu dem Verkehrskonzept den folgenden kritischen Beitrag geschrieben.

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Lindener Markt/Stephanusstr. in Linden-Mitte

 

Stefan Müller

Ist die grüne Banane nur eine Gurke?

Es geht hier nicht darum die Gurke gegenüber der Banane schlecht zu machen. Im Gegenteil: Ich esse beide sehr gerne. Wer wie die Grünen in Linden-Limmer jedoch mit einem zu kurz gefassten und widersprüchlichen Verkehrskonzept für Linden-Mitte reüssieren geht, das „grüne Banane“ genannt wird, fordert dieses Wortspiel geradezu heraus.

Kernpunkt dieses Konzeptes ist die Umwandlung des Lindener Marktplatzes und der Stephanusstraße in einen mehr oder weniger autofreien Bereich. Flankiert werden sollen diese beiden Maßnahmen mit Sperrungen und Einbahnstraßenregelungen an verschiedenen Stellen. Als Rechtfertigung wird u.a. die nicht repräsentative Auswertung von Fragebögen herangezogen, die an die Anwohnerinnen und Anwohner sowie Geschäftsleute im Bereich Lindener Markt und Stephanusstraße verteilt wurden. Wenig überraschend lauteten die Antworten auf den abgegebenen Fragenbögen, dass nur noch der eigenen PKW vor dem Hause Parken und fahren dürfen soll. Das wünschen sich nicht nur grüne Großstadtwählerinnen und -wähler, sondern auch viele andere Menschen, die auf dem platten Land wohnen. Dieser Wunsch ist sicher legitim, auch wenn er das widersprüchliche eigene Verhalten ausblendet.

Um zu nachhaltigen und erfolgreichen, sprich für alle Betroffenen akzeptablen Verkehrskonzepten zu kommen, müssen jedoch größere Zusammenhänge, als nur zwei Straßenzüge, analysiert werden.

Eine der größten verkehrlichen Belastungen in Linden-Mitte geht vom Durchgangsverkehr aus. Dies betrifft nicht nur Badenstedter Straße/Egestorffstraße/Falkenstraße, sondern z.B. auch Wittekindstraße/Gartenallee und Posthornstraße, die zu bestimmten Zeiten zu Schleichwegen für den Durchgangsverkehr geworden sind.

Bei der Verwirklichung des Ziels einer Verringerung von Verkehrslärm, Abgasen und Platzverbrauch durch den motorisierten Verkehr müssen auch die Interessen der Pendlerinnen und Pendler aus den benachbarten Stadtteilen und Städten westlich von Linden Eingang finden.

Wer Menschen den Umstieg auf andere Verkehrsmittel, insbesondere den ÖPNV ermöglichen will, muss diesen attraktiver machen. Sperrungen ohne Verbesserung der Alternativen führen nur zu einer noch stärkeren Belastung von Fössestraße und Falkenstraße/Badenstedter Straße. Auch an diesen ohnehin schon stark belasteten Straßen wohnen Menschen.

Gerade bei der Förderung des ÖPNV erweisen sich eben diese Grünen zu Bremsern: Gemeinsam mit den „Linken“ wollten sie in der letzten Bezirksratsperiode die Geschwindigkeit für Busse und Bahnen auf der Limmerstraße auf 15 km/h absenken. Dies würde die Reisezeit für viele Pendlerinnen und Pendler aus Ahlem, Davenstedt u.a. Bereichen unnötig verlängern. Dem Ausbau von 70 Meter langen Hochbahnsteigen am Lindener Markt und der Nieschlagstraße stehen sie skeptisch gegenüber. Dabei sind gerade diese wichtige Voraussetzungen um die Kapazitäten auf der stark ausgelasteten Stadtbahnlinie 9 zu erhöhen und Menschen damit zum Umstieg zu bewegen. Dahinter steht ein Einstellungswandel bei Grünen und mit Abstrichen der „Linken“: Der ÖPNV wird nicht mehr als urbanes und umweltverträgliches Verkehrsmittel für die arbeitende Bevölkerung betrachtet, sondern als Störenfried für auf der Limmerstraße bummelnde, Latte macchiato trinkende gentrifizierte Gentrifizierungsgegner.

Die Verkehrswende soll nur noch mit Radschnellwegen und einem Biotop vor der eigenen Haustür geschaffen werden.

Fazit: Was wir brauchen ist ein gemeinsames integriertes Verkehrskonzept für alle westlichen Stadtteile Hannovers für Auto, Bahnen, Busse, Rad- und Fußverkehr, statt der Sperrung einzelner Straßenzüge, der nur zur Verlagerung auf ohnehin schon belastete andere Straßen führt und dem Ausbremsen von Bussen und Bahnen.

Stefan Müller
21.02.2017
Erstveröffentlichung im Blog von Stefan Müller >> liniezehn, benannt nach der Straßenbahnlinie, die er als Straßenbahnfahrer auch befährt.

Kommentare

  1. Hallo Stefan Müller,
    ich bin gehbehindert, wohne mit meiner Familie in Linden-Mitte,nutze gelgentlich ÖPNV, selten Car-Sharing und fahre überwiegend Rad. Als Vater zweier Söhne musste ich mehrfach erleben, dass schnellfahrende Busse in einer sogenannten Fußgängerzone eine extreme Gefahr darstellen. Sicherlich ist eine Beschränkung auf 15 km/h mit Zeitverlust verbunden, aber selbst 30km/h werden häufig genug nicht eingehalten.
    Hochbahnsteige beduten keine Barrierefreiheit. Sie sind eine Barriere für FugängerInnen und RadfahrerInnen, von der mangelhaften Ästethik will ich mal schweigen. Es braucht andere Konzepte, neue Fahrzeuge. Übergangsweise währen vielleicht kurze Hochbahnsteige akzeptabel, die mit einer Rampe den Ein- und Ausstieg an einer Tür ermöglichen und zurück gebaut werden, wenn endlich neue Fahrzeuge angeschafft sind.
    Thomas

  2. Lieber Norbert:
    Dein Kommentar ist etwas hohl und leer, wie eine Kirchenglocke mit Sprung aber ohne Klöppel…
    Da ich es genau wahrnehme, was hier in Linden seit 40 Jahren so passiert, und ich nicht „kleinräumig kuschelig“ denke, setze ich mich, wie erfreulich viele ander Lindener auch, für eine Verbesserung der schlimmsten Mißstände hier ein:
    Von mir aus kann also die Grüne Banane bis nach Paris geführt werden.
    Du willst was genau?

  3. Verschwendung von Möglichkeiten und Lebensqualität!

    Diese Autofahrergesellschaft steht sichbar vor einem tiegreifenden Wandel.
    Es braucht dringend Ideen, Mitwirkung und Veränderung, um hier ein angenehmes Leben und Wohnen für alle zu erreichen oder zu erhalten. Das steht aber auf der Kippe oder ist schon gekippt. Da muß auch mal eine Gruppe wie die Autobesitzer von ihren als selbstverständlich angesehenen Privilegien wie freies ungehemmtes und gar ungestraftes falsch-Parken, die aber nirgendwo aufgeschrieben stehen, abrücken.
    Und der Wandel muß offenbar von unten kommen, denn oben im Rat wird ja nicht ausreichend gehandelt.

    Ich, als Anwohner mit Familie und Kind und ehemaligem Betrieb am Lindener Markplatz, befürworte schon seit eh und jeh eine Nutzbarmachung dieses und anderer Plätze der Stadtteile für die zufußgehenden Anwohner und Passanten, oder gern Radfahrer, (das neue Feindbild für Autofahrer?) wofür sie ja auch wohl mal städtebaulich gedacht waren, nämlich als Treffpunkt, Aufenthaltsort und Bewegungsmöglichkeit für Anwohner, Fußgänger und Kinder, anstatt sie nach und nach zu zubauen (wie z.B. der Klagesmarkt, der Pfarrlandplatz) oder dauerhaft mit Autos zuzuparken.

    Vom Lindener Marktplatz als Fläche ist ja leider nicht mehr viel übrig, was NICHT den Autos geopfert wurde:
    – auf allen 4 Seiten ist der Platz von der Strasse für die Autos eingesäumt, das macht schon mal ca. 50-.75% der Fläche aus. (Architekten bitte nachmessen!)
    – Dann kommt noch die hübsche atraktive Parkplatzfläche unter schattigen Linden dazu: macht weitere 25% für die Autos.
    Was bleibt da noch für den Aufenthalt von Menschen?
    Für die durchlaufenden Bürger auf Beinen sind nur 2 schmale Bürgersteige und der lärmige Buckelige Platz am Brunnen an der lauten Ampelkreuzung mit seinem ständigen nervtötenden Verkehr..

    Das ist doch eine Verschwendung von Möglichkeiten und Lebensqualität!

    Das gesamtstädt. Verkehrskonzept ist nicht die Sache der Lindener, aber was vor unserer eigenen Nase, Augen und Ohren täglich langflutet und dröhnt und was bekannterweise schon lange unsere Gesundheit schädigt und Nerven strapaziert, das geht uns ja wohl direkt was an. Es gibt sogar Gesetze zu unserem Schutz! Aber werden sie angewendet? Hält man sich dran? Nein! (Abgasbetrug, Spritverbrauchslüge…)

    Das offensichtlich gesamtgesellschaftliche Problem der ignoranten, kriminellen Autoindustrie und deren willigen Vollstrecker in Politik und Verwaltung und der bockigen Privat-Autofahrer unter uns
    erinnert mich an die Zeiten, als noch überall drinnen ungeniert von den Süchtigen geraucht werden durfte.
    Es dauerte fast 100 Jahre, bis zur Umkehr der Politik. (Bis heute streitet die Zigarettenindustrie ja eine Gesundheitsschädigung durch den Tabakrauch ab.)

  4. Schön zusammengefasst: Das extrem kleinräumige Kuschelkuscheldenken von Leuten, denen der Rest der Welt zu nervig und anstrengend ist und den sie daher auch nicht gerne wahrnehmen wollen.

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