1. Februar 2020

Auf der Bezirksratssitzung am kommenden Mittwoch (05.02.2020) wird ein Antrag der Grünen zur Verkehrssituation am Lindener Markt behandelt. Zu diesem Thema gibt es seit längerer Zeit kontroverse Diskussionen [1].

Antrag

Verkehrsberuhigung Lindener Markt – testweise Entlastung vom motorisierten Individualverkehr

Der Bezirksrat möge beschließen:

1. Die Verwaltung wird gebeten, die Straßen Lindener Marktplatz, das Teilstück Stephanusstraße zwischen Lindener Marktplatz und Gartenallee sowie das Teilstück der Davenstedter Straße auf der Höhe des Lindener Marktes testweise für drei Monate vom motorisierten Individualverkehr zu entlasten. Für die Umsetzung ist externer Sachverstand einzubeziehen, wie bspw. das Mobilitätsnetzwerk der Region Hannover. Für die ansässigen Geschäfte werden für den Zeitraum der Sperrung Lieferzonen eingerichtet und Lieferzeiten ausgewiesen. Der Linienbus kann weiterhin die Durchwegung nutzen oder über die Blumenauer Straße ausweichen. Es wird angeregt, auch den Parkplatz auf dem Lindener Markt in die Testphase einzubeziehen.

2. Während der Testphase werden im Rahmen einer Bürger*innen-Beteiligung, in die Anwohnende und Gewerbetreibende mit einbezogen werden, ein Ideenwettbewerb initiiert und die Erfahrungen evaluiert.

3. Im Nachgang zur testweisen Verkehrsberuhigung des Lindener Marktplatzes erarbeitet die Verwaltung für den Lindener Markt ein Entwicklungskonzept, das als eine Variante auch die Schließung der Straße Lindener Markt für den motorisierten Individualverkehr und eine Erweiterung der Marktfläche für die Markttage im Straßenbereich der Straße Lindener Markt einbezieht. Das Konzept soll als Zielstellung den Lindener Markt zu einem zentralen Stadt- und Marktplatz mit hoher Aufenthaltsqualität entwickeln und für zukünftige Nutzungsanforderungen ertüchtigen. Dazu sind Aufpflasterungen, Begrünungen, Sitzgelegenheiten, nachhaltige Mobilitätsangebote, Angebote für Kinder und Jugendliche etc. mit einzubeziehen. Das Konzept ist dem Stadtbezirksrat vorzulegen. Dem Aspekt der Verkehrssicherheit ist ein hoher Stellenwert einzuräumen.

Begründung

Der Lindener Markt ist ein über die Grenzen des Stadtbezirks hinaus beliebter Marktplatz. Nicht nur an Markttagen lädt er mit seinen Einkaufsmöglichkeiten und Cafés Menschen ein, zu bummeln, zu verweilen und das Leben in Linden zu genießen. In den letzten Jahren hat sich auch die angrenzende Stephanusstraße zu einer beliebten Einkaufsstraße entwickelt.

Die Verkehrsverbindung zwischen Falkenstraße und Küchengarten wird allerdings auch als Durchfahrtsstraße und Abkürzung für den Durchgangsverkehr genutzt. An den beiden Markttagen, aber immer wieder auch an normalen Werktagen, kommt es zu gefährlichen Verkehrssituationen. Insbesondere Kinder sind vor allem in den Kreuzungsbereichen und an Engstellen gefährdet oder werden nicht mehr alleine zum Marktplatz oder zu den Geschäften in der Stephanusstraße gelassen. Auch ältere Menschen und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen fühlen sich durch die Zunahme des motorisierten Individualverkehrs verunsichert.

Bei der testweisen Verkehrsberuhigung sollen Aufenthaltsqualität und Verkehrssicherheit im Vordergrund stehen, Bürger*innen sollen alternative Konzepte der städtischen Raumnutzung und Mobilität ausprobieren und gestalten können. Dabei soll herausgefunden werden, wie man den Lindener Marktplatz und die Stephanusstraße nachhaltig sicherer und lebenswerter gestalten kann.

In eine parallel zur Testphase durchgeführte Beteiligung können verschiedene Aktionstage mit Rundgängen und Workshops eingebunden werden. Auch die Planung für die Neugestaltung der angrenzenden Falkenstraße kann von dem Testprojekt profitieren. Der Busverkehr kann in der Achse Stephanusstraße/Lindener Markt belassen werden. Im Zuge des bevorstehenden Ausbaus der Falkenstraße sollte jedoch eine Führung der Buslinie über die Blumenauer Straße und Falkenstraße in Erwägung gezogen werden.

Der nördliche Bereich des Lindener Marktplatzes könnte durch die Sperrung für Kraftfahrzeuge wieder seinen Platzcharakter zurückerhalten. Die Fläche kann für Cafés, Gaststätten, Anwohner/innen und Gäste entwickelt werden. Dazu gehört die Überlegung, im Platzbereich Sitzgelegenheiten zu schaffen und die Fläche für Kinder und Erwachsene nutzbar zu machen, bspw. mit der Einrichtung einer Boulebahn.

Der Auftrag an die Verwaltung, eine Erweiterung der Marktfläche am Lindener Markt und die Schließung der Straße Lindener Markt für den motorisierten Individualverkehr zu prüfen, soll die Voraussetzungen schaffen, dem Stadt- und Marktplatz mehr Fläche und mehr Aufenthaltsqualität zu geben und das Marktgeschehen für Händler und Kunden zu entzerren.

Gerade in Linden-Mitte besteht eine große Bereitschaft, bei guten Angeboten des ÖPNV und der Einkaufgelegenheiten, auf den motorisierten Individualverkehr zu verzichten. Eine 2017 erstellte Umweltbewusstseinsstudie des Bundesumweltministeriums kommt zu ähnlichen Ergebnissen. In Großstädten wollen sich die Menschen unabhängiger vom Auto machen. Es gäbe einen signifikanten Bewusstseinswandel.

Dr. Daniel Gardemin
Bündnis90/Die Grünen

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[1] Vorgeschichte

Verkehr: Ist die grüne Banane nur eine Gurke? von Stefan Müller – 21.02.2017

Lindener Markt: „Sperrung des Autoverkehrs ist unzumutbar“ von Andreas Ackermann – 18.02.2017

Lindener Rathaus: „Jeder Jeck ist anders – Autogegner und Autofreunde im Konflikt“ v. Daniel von dem Knesebeck – 13.02.2017

„Wie wollen wir leben in unseren Stadtteilen?“: Podiumsdiskussion am 09.02.2017

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öl/01.02.2020


Kommentare

  1. Ich meine mich zu erinnern, dass im Zuge des Umbau des Rathauses Linden Parkplätze vorgeschrieben wurden. Während sich Herr Rainer-Jörg Grube 2009 noch für ein Parkhaus in der Velberstr. einsetzte, sollen jetzt weitere Parkflächen wegfallen. Und das in einem Stadtteil, wo jetzt schon viele Autofahrer ihr Fahrzeug -auch aus Mangel an Parkplätzen- verkehrswidrig abstellen. Ein weiterer Wegfall wird das Problem noch verstärken. Die Autos werden nicht abgeschafft, nur weil die Stellflächen fehlen! Dass sich die Menschen nicht an Verbote halten sieht man oft genug in unmittelbarer Nähe und beim Posttunnel. Wohin sollen die Autofahrer ausweichen???
    Wie viele Parkplätze sollen noch der Gastronomie zur Verfügung stehen? Ich als Fußgängerin fühle mich schon jetzt durch die vielen Tische an der Limmerstraße gestört, weil ich dadurch ständig ausgebremst werde, wenn mir Eltern mit Kinderwagen entgegenkommen oder die Menschen plötzlich stehenbleiben. Für Rollstuhlfahrer ist das noch viel schlimmer. Auch für die Anwohner ist mehr Außengastronomie alles andere als angenehm. Schon jetzt gibt es Beschwerden über Lärm. Da ist noch mehr Streit vorprogrammiert.

  2. Die Anbindung von Linden Süd an Linden Mitte/Nord durch den ÖPNV ist eine Katastrophe. Rentner und Personen mit Behinderung sind auf den Individualverkehr angewiesen. Dabei wird die Querung des „Schwarzen Bären “ zu einer Wissenschaft für sich. Als einzige Alternative hat sich natürlich der Markt/Stephanusstr. angeboten. (Davon abgesehen gibt es im gesamten Bereich Markt/Limmerstr./Falkenstr. keine Parkplätze, die Geschäftsinhaber ((Bäcker, Fleischer, Apotheke etc. werden Herrn Gardemin bejubeln) ))

  3. Es ist ja nicht so, dass die Leute aus Langeweile Auto fahren. Wie wäre es denn mal mit einer Linie 9 im Tunnel, die nicht nur schneller, sondern auch länger wäre als nur zwei Wagen? Besseren ÖPNV bitte! Aber die grüne Verbieter-Partei denkt, dass man mit Verboten alle Probleme lösen kann.

  4. Was wohl die Leute davon halten, die an den Ausweichrouten leben?
    Ist ja schön, wenn die grünen Latte-Trinker keinen Autoverkehr am Marktplatz sehen müssen, aber wo fahren die anderen dann lang? Egal wo, da wohnen auch Menschen!

  5. Hallo Herr Dr. Gardemin,

    bitte informieren Sie sich vor dem Testversuch über die temporäre Fußgängerzone in Hamburg (Ottensen). Diese ist durch das Gericht gekippt worden. Betrifft das diesen Testbetrieb hier auch?

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