9. Oktober 2021

Pressemeldung
BI Wasserstadt

Sehr geehrte Damen und Herren aus Politik und Verwaltung,

unser Anwaltsplaner war selbst erschrocken über das Ergebnis seiner Berechnung, zu der wir um Ihre Stellungnahme bitten. In der Anlage befindet sich neben der Berechnung die Stellungnahme der BI sowie Belege zur Flächenaufstellung.

BI Wasserstadt Limmer
>> wasserstadt-limmer.org
>> info@wasserstadt-limmer.org

Offener Brief

Falscher Stil und falsche Zahlen?

Stellungnahme zur Diskussion um die Bebauungsdichte der Wasserstadt

Unsere Offenen Briefe an die Ratsfraktionen und den Oberbürgermeister haben eine
öffentliche Diskussion über das Vorgehen der Verwaltung im Beteiligungsverfahren
zur Wasserstadt ausgelöst.

Die Verwaltung macht aktuell Vorgaben für eine massive Verdichtung der Bebauung,
die in diesem Ausmaß für den Stadtteil unverträglich sind und weit über den gültigen
Ratsbeschluss (1600- 1800 Wohneinheiten) hinaus gehen. Wir legen heute unsere
Zweifel an den Zahlen der Bauverwaltungen dar und stellen ihnen unsere
Berechnungen gegenüber.

Wir fordern weiterhin eine Anpassung der Aufgabenstellung für die Planungsteams
an den gültigen Ratsbeschluss, mehr Transparenz im weiteren Verfahren und echte
Beteiligungsmöglichkeiten!

1. Nur gleiche Rechenfaktoren lassen ehrliche Vergleichsrechnungen zu. Grundlage für die Berechnung der Bebauungsdichte müssen die Faktoren aus den Planungen zum 1. Bauabschnitt sein, die auch zum Ratsbeschluss geführt haben. Dort rechnet die Verwaltung beispielsweise mit einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 67,5 m² (netto, d.h. ohne Treppenhaus und Wände).
Wenn die Verwaltung jetzt in einer Reaktion vom 20.09.2021 auf unseren Offenen Brief für den 2. Bauabschnitt mit 85 m² durchschnittlicher Wohnungsgröße rechnet, so geht das zu Lasten der Vergleichbarkeit: Auf dem Papier wird eine niedrigere Wohnungszahl ermittelt. Wie die Verwaltung selbst darlegt, käme man mit der von ihnen heraus gegebenen Aufgabenstellung bei 70 m² Wohnungsgröße auf 1500 Wohneinheiten im 2. Bauabschnitt und damit zusammen mit den 550 Wohneinheiten des 1. Bauabschnittes auf eine Zahl weit oberhalb des Ratsbeschlusses.

Unser Vertrauen schwindet.

Zudem rechnet die Verwaltung 21 000 m² Geschossfläche der Altgebäude aus der
Berechnung der Geschossfläche heraus, die aber real vorhanden sind und auf die
190 000 m² BGF aus der Aufgabenstellung aufzuschlagen sind.

2. Leider mussten wir in den letzten Jahren immer wieder feststellen, dass die
Bauverwaltung Zahlen unseriös einsetzt, um ihre Vorhaben argumentativ zu stützen.

Nach Berechnungen des Anwaltsplaners zum Beteiligungsverfahren für die
Wasserstadt müsste die zu errichtende Bebauung für den 2. Bauabschnitt bei 120.500 m² Bruttogeschossfläche (BGF) liegen, wenn man den Ratsbeschluss einhalten will. Der von der Verwaltung benannte höhere Bedarf für (Fahrrad-) Parken und Verkehrsflächen weiterer Infrastruktur ist dabei berücksichtigt. Bereits damit weist die Wasserstadt die höchstmögliche Verdichtung für die Nutzungsart „Allgemeines Wohngebiet“ nach der bundesweit gültigen Baunutzungsverordnung auf (1,2 GfZ).

Die in der Aufgabenstellung genannten 190 000 m² BGF führen unter Hinzurechnung
der 21 000 m² BGF der Altgebäude für die gesamte Wasserstadt zu ca. 2 400
Wohneinheiten.

Eine auf Wunsch der neuen Investoren als „Prüfauftrag“ im laufenden Verfahren
eingefügte Aufstockung der Obergrenze um weitere 40 000 m² ergeben 190 000 m²
BGF + 20 000 m² Altgebäude + 40 000 m² BGF = 250 000 m² BGF und würde zu ca.
2850 Wohneinheiten insgesamt führen.

Das sind über 1000 Wohnungen mehr als der Ratsbeschluss zulässt. Die Bevölkerung Limmers würde mehr als verdoppelt! Und dass bei weiter ungelöster Verkehrserschließung und vielen weiteren offenen Fragen.

3. Dass die Lösung für den Mangel an bezahlbarem Wohnraum nicht darin liegen kann,
auf Wunsch von Investoren in einzelnen Baugebieten die Bebauung immer weiter zu
erhöhen, zeigen bereits die Beispiele der 60er und 70er Jahre in Hannover.

Die Planungen zur Wasserstadt überschreiten den hannoverschen Standard weit.

Wenn im Neubaugebiet am Kronsberg 3 500 Wohneinheiten auf 53 Hektar Fläche
geplant werden und in der Wasserstadt schon nach dem gültigen Ratsbeschluss
1600 – 1800 WE auf 23 Hektar, dann führt das offensichtlich in der Wasserstadt zu
einer größeren Dichte.

Die von der Verwaltung gegenüber der Presse genannte Zahl von 9300 m² BGF pro
Hektar für den 1. Bauabschnitt ist nicht nachvollziehbar. Nach den Planungen zum 1.
Bauabschnitt sind es 11 800 m²/ ha Nettobauland.

Der Schlüssel für bezahlbaren Wohnraum liegt vielmehr in der Renditeerwartung der
Investoren. Entscheidend für eine gelingende Wasserstadtplanung ist, ob die
hannoverschen gemeinwohlorientierten Wohnungsbaugenossenschaften,
Genossenschaften und Baugemeinschaften mit ins Boot kommen, oder ob es dabei
bleibt, dass Eigentümer G. Papenburg mit rein profitorientierten Partnern die
Apfelsine bis zum letzten Tropfen ausquetschen darf, wie es sich im 1. Bauabschnitt
bereits andeutet.

4. Die Verwaltung wirbt mit weit über die Vorgaben hinaus gehenden Beteiligungsmöglichkeiten im Planungsprozess und der Einbindung von Bezirksrat und
Bürgerinitiative.

Bisher war dieser große Beteiligungsprozess aus unserer Sicht eher eine große
Enttäuschung mit kurzfristigen Informationen über vollendete Tatsachen und der
Nicht-Berücksichtigung von Einwänden.

Für den weiteren Prozess erwarten wir mehr Transparenz, saubere Rechenmethoden, Verlässlichkeit bei Zusagen und echte Beteiligungsmöglichkeiten.

Das bedeutet kurzfristig unter anderem:

* Die Verwaltung sorgt für widerspruchsfreie und nachvollziehbare Zahlen. In den bevorstehenden Präsentationen wird die Dichte ( BGF) für den gesamten Bauabschnitt auf einen Blick sichtbar.

* Den Bürgerinnen wird mehr Zeit als ein Abend gegeben, um drei konkurrierende Entwürfe zu verstehen und dazu eine Rückmeldung zu geben.

* Die Planungsbüros werden aktiv aufgefordert, die Rückmeldungen der Bürger*innen bei den Präsentationen live und in Präsenz zu erleben.

BI Wasserstadt Limmer
08.10.2021

09.10.2021

Kommentare

  1. Ob bei der Berechnung auch die Flächen für den Einzelhandel abgezogen wurden? Und einige Wohnungen liegen sicherlich über den durchschnittlichen 67 qm Wohnfläche. Da fallen dann noch mal ein paar WOHNeinheiten weg. Wurden die schon lange fertigen Häuser des Spar- und Bauvereins in die damaligen Pläne einbezogen?
    Und was ist gegen Hochhäuser mit 5-7 Etagen einzuwenden? Nicht jeder neue Bewohner bewegt sich mit Bus /Bahn/Auto oder Fahrrad fort. Limmer liegt so zentral, dass man auch zu Fuß alles erreichen kann und die Probleme der Verkehrsanbindung keine Rolle spielen.
    Es wird sowieso so kommen, dass zwar Wert auf den Verzicht des Autos gelegt wird und bestimmte Bereiche autofrei bleiben sollen, aber dann werden die Autos einfach außerhalb der Wasserstadt geparkt. Natürlich zu Lasten der anderen Anwohner, aber wen interessiert das?

  2. Hochhäuser – das ist wie Käfighaltung…
    Lärm, Dreck und Konflikte sind vorprogrammiert.
    Warum dann immer noch so viele Hochhäuser geplant werden? – weil diejenigen, die sie planen, ja nicht darin wohnen müssen.
    Die haben meistens ihre Häuschen im Grünen. Das ist dann Freilandhaltung.

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