15. März 2020

von Klaus Öllerer

Das Thema Coronavirus ist zu einem alles bestimmenden Thema geworden. Es sind grundlegende Entscheidungen für einen allgemeinen Shutdown getroffen worden. Unser aller Leben befindet sich in dramatischer Einschränkung.

Im Folgenden nun ein Gedankenexperiment. Es ist ein Versuch die Vor- und Nachteile dreier Grundkonzepte darzustellen. Die Beschreibungen sind sozusagen „im Fluß“ und können nachträglich entsprechend dem Erkenntnisstand noch verändert werden.

Die Ausgangslage – nach offiziellen Angaben
Von den Infizierten sind 80% (andere Quellen 91% [1]) nur milde von Infektionen betroffen. 20% benötigen ärztliche Hilfe und 6% intensive medizinische Hilfe [2]. Die Todesrate beträgt 0,5% aller Infizierten [3]. Das sind 278.000 bei voller Durchseuchung. Diese sterben auch bei langsamer Verbreitung der Viren – bloß etwas später [3].
Die große Grippewelle 2017/18: Damals starben 25.100 Infizierte ohne große öffentliche Aufmerksamkeit [4]. Derzeit gibt es weltweit ca. 8.000 Tote durch Coronaviren.

Im Folgenden eine Betrachtung der drei Grundkonzepte auf Umsetzbarkeit und den Folgen.

1. Quarantäne für mehr oder weniger alle Menschen

Dieses Konzept wird derzeit in Deutschland ausgeführt. Oberstes Ziel ist es jegliche Neuinfektionen zu vermeiden. Risikopersonen werden nicht separat behandelt bis auf einige Ausnahmen (Alten- und Pflegeheime). In Privatwohnungen lebende Risikopersonen sind mehr oder wenige auf sich alleine gestellt.
Mutmaßliche Auswirkungen
Die Risikopersonen werden kaum vor Infektionen geschützt. Diese kommen nur später bei intaktem Kliniksystem [3]. Und das trotz riesigen Aufwandes.
Ein allgemeiner Shutdown von Wirtschaft und Kultur wird über einen viele Monate andauernden Zeitraum durchgeführt. Verbote aller Art werden konfliktträchtig durchgesetzt inkl. Verbote Spielplätze zu benutzen oder Häuser zu verlassen. Dramatische Auswirkungen auf Wirtschaft, Kultur und Sicherheit werden die Folgen sein. Firmenpleiten, Arbeitslosigkeit, fehlende Steuereinnahmen und Verlust öffentlicher Sicherheit sind die Folgen. Grenzen werden geschlossen, die EU-Staaten gespalten. Deutschland, Europa und viele andere Länder werden nicht mehr wiederzuerkennen sein. Die Gesellschaft ist gespalten wie nie zuvor. Die Demokratie verliert weltweit an Ansehen. Autoritäre Regime gewinnen an Attraktivität, bspw. China.

2. Quarantäne (fast) nur für Risikopersonen

Risikopersonen, insbesondere die schwer vorbelasteten, werden unter Quarantäne gesetzt. Dazu werden entsprechende Listen der Millionen Betroffenen erstellt. Risikopersonen können in ihren Wohnungen quarantäneartig versorgt werden. Unter Mithilfe der Bundeswehr können auch sichere Einrichtungen bspw. für die Medizin bei großem Andrang geschaffen werden, etc..
Die übergroße Mehrheit der Bevölkerung geht weiter ihren gewohnten Beschäftigungen nach.
Mutmaßliche Auswirkungen
Die Risikopersonen sind weitgehend vor Infektion geschützt – solange wie nötig.
Dagegen breitet sich das Coronavirus im widerstandsfähigen Teil der Bevölkerung ungehindert aus. Innerhalb eines Jahres oder so dürfte eine allgemeine Immunität eingetreten sein. Das Coronavirus verschwindet weitgehend wieder. Die Gefahr der Ansteckung von Risikopersonen sinkt dramatisch. Ein Impfstoff würde vermutlich inzwischen entwickelt und wird vor allem bei den Risikopersonen eingesetzt.
Der ganze Spuk ist nach ein bis zwei Jahren vorbei, die Wirtschaft florierte ununterbrochen. Die Grenzen konnten offen bleiben. Die Verluste bei Risikopersonen halten sich in Grenzen und alle können sich freuen. Die Demokratie hat gezeigt wie es funktioniert und an Ansehen gewonnen. Ende 2021 findet ein riesiges Freudenfest statt. Die Gesellschaft ist richtig zusammengewachsen

3. Quarantäne für Niemanden

Das Coronavirus breitet sich ungehindert aus. Chaos entsteht im medizinischen Bereich durch totale Überforderung. Risikopersonen sterben in großem Umfang von vielleicht 10% der infizierten Bevölkerung. Millionen werden dabei umkommen. Nach ein bis zwei Jahren ist alles vorbei.
Mutmaßliche Auswirkungen
Der widerstandfähige Teil der Bevölkerung geht seinen wirtschaftlichen Tätigkeiten nach wie zuvor auch. Die Wirtschaft entwickelt sich beinahe normal. Der Lebensstandard kann im Wesentlichen gehalten werden. Denn die Risikopersonen nahmen schon vorher wenig an der wirtschaftlichen Tätigkeit teil. Es gibt sehr viel menschliches Leid, das erst einmal verarbeitet werden muss. Der Zusammenhalt der Gesellschaft ist nicht gewachsen, sondern von vielen Einzelkonflikten eher zerrüttet. Dieses „Konzept“ wird bei einer weltweiten Ausbreitung vor allem in weniger entwickelten Ländern zum Tragen kommen.

Fazit

Von allen drei Konzepten erscheint die Nummer 2. Quarantäne (fast) nur für Risikopersonen das wirkungsmächtigste zu sein. Es ist moralisch hochstehend, sichert den Lebensstandard, rettet die Risikopersonen, ist bezahlbar und schließt die Gesellschaft zusammen. Die Demokratie kann jubeln.

Quellen

[1] FAZ: VIROLOGE HENDRIK STREECK:
„Wir haben neue Symptome entdeckt“
Der typische Covid-19-Patient zeigt nur milde Symptome. Zu dem Ergebnis kommt auch eine chinesische Studie aus der Metropole Shenzhen, die herausgefunden hat, dass 91 Prozent der Infizierten nur milde bis moderate Symptome zeigen, mit einem trockenen Reizhusten, dazu eventuell Fieber. …
Der neue Erreger ist gar nicht so gefährlich, er ist sogar weniger gefährlich als Sars-1. …

>> faz.net

[2] ZDFheute Nachrichten v. 15.03.2020
… etwa sechs Prozent intensiv-medizinische Betreuung.“
>> youtube.com

[3] Prof. Drosten im Focus:
278.000 Virus-Tote in Deutschland? Wie der Top-Virologe seine Zahl meint
„Bei einer Gesamtbevölkerung von 83 Millionen wären zwei Drittel fast 56 Millionen Menschen, die sich infizieren müssten, um die Ausbreitung zu stoppen. Bei einer Mortalität von 0,5 Prozent wäre in dem Fall mit 278.000 Corona-Todesopfern zu rechnen„, erklärte Drosten. …
Solch eine Berechnung mache allerdings „wenig Sinn“, weil die Zeitkomponente fehle, erklärte Drosten weiter. „Bei langsamer Verbreitung werden Corona-Opfer in der normalen Todesrate verschwinden.“ Jedes Jahr würden in Deutschland 850.000 Menschen sterben. Das Altersprofil sei ähnlich wie bei den Todesfällen durch das neue Virus. …
>> focus.de

[4] Grippewelle 2017/18 war die tödlichste in 30 Jahren
>> aerzteblatt.de

Titelbild: Innenbild von fotoART by Thommy Weiss / pixelio.de

Andere Sichtweisen sind willkommen

Klaus Öllerer
18.03.2020/19.03.2020; 18:00

Kommentare

  1. “Es gab glaube ich noch mehr Argumente dagegen, aber die fallen mir gerade nicht ein.“

    Ignoranz kommt von „ignorare“ – „nicht wissen“. Wenn man sich schon auf das Wissen anderer verlässt, statt selbst zu denken, sollte man dieses Wissen auch abrufen können. „Es gab glaube ich …“ ist jedenfalls kein Argument.

  2. Seit heute hat übrigens Linden einen (den ersten?) positiv getesteten Corona-Infizierten, wurde mir vom Arzt (Limmerstraße, also zentral) bestätigt.

    Hoffentlich war der Typ nicht vorher zusammen mit meinem leichtsinnigen Kumpel in deren Stammkneipe, als die noch aufhatte.

  3. Das Virus breitet sich so schnell aus, wenn man es lässt, dass eine durchgehend florierende Wirtschaft schon daran scheitern würde, dass wir über längere Zeit einen sehr hohen Krankenstand hätten.
    Hier nochmal das, was ich auch zum Wodarg-Video gepostet habe:

    Es ist auch in Fachkreisen verschiedener Länder darüber nachgedacht worden, sozusagen die Durchseuchung der jüngeren Bevölkerung zu fördern um möglichst schnell eine „Herdenimmunität“ herzustellen. Es sprechen aber zu viele Aspekte dagegen:
    Z.B. müssten sich in Deutschland ca. 50 Millionen Menschen anstecken, um diese Herdenimmunität zu erreichen. Wenn man von 20% schwierigen Verläufen ausgeht, wären das schon 10 Millionen Menschen und wenn davon auch nur jeder zehnte beatmet werden müsste, wäre das eine Million. Und eben dann in relativ kurzer Zeit. Da reichen dann die 25.000 Beatmungsgeräte, die jetzt erst noch kommen sollen, hinten und vorne nicht aus.
    Außerdem werden Intensivbetten und Beatmungsgeräte ja nicht nur für Corona-Patienten gebraucht. Allerdings müssen Corona-Patienten in der Regel sehr viel länger beatmet werden als so mancher anderer Intensivpatient.
    Also wirklich keine gute Idee.
    Erst recht nicht, nachdem man jetzt schon bei vielen Patienten, die nur leichte Symptome hatten, eine Lungenfibrose, also eine längerfristige, wenn nicht sogar dauerhafte Schädigung der Lunge festgestellt hat. Wie weit sich diese noch wieder erholen kann, weiss man jetzt noch nicht. Die Zeit wird es zeigen.

    Aber wir wollen doch nicht riskieren, dass ein großer Teil der jüngeren Patienten dauerhaft Lungenprobleme bekommt, wenn es nicht nötig ist, oder?
    Es gab glaube ich noch mehr Argumente dagegen, aber die fallen mir gerade nicht ein.
    Aber es ist wohl nicht sinnvoll und praktikabel.
    Dann wären ja außerdem viel zu Viele aus mediizinischen und anderen unverzichtbaren Berufen innerhalb kurzer Zeit krank.
    Und dann?

    Vielleicht wird es Zeit mal auf die wirklichen Experten zu hören und nicht auf so einen Dr. Wurschtel.

    Es gibt ja leider allzu viele Leute, die lieber den größten Unsinn glauben, als sich der Realität zu stellen. Auch wenn sie unbequem ist, sie ändert sich nicht durch Selbstbetrug.

    Und die, die meinen, das wichtigste ist, dass sie wieder feiern gehen können oder auf den Fußballplatz („scheißegal wenn ein paar alte Leute mehr sterben, die eigene Oma wird’s hoffentlich nicht treffen, Hauptsache ich hab Spaß“), die werden es eh nicht raffen.

    Deshalb wars das jetzt von mir. Ich bin es leid, gegen so viel Ignoranz anzuschreiben.

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