31. Juli 2020

Titelbild: So ähnlich wie die „Fragezeichen“ angeordnet sind, so kann man sich die Personenanordnung vorstellen: Weiß: Zivilisten + Blau: Polizei + Schwarz: Feindliche Kämpfer

Inhalt: Ablauf am Donnerstag, 02.07.2020 + Eine Einschätzung zum Verständnis + Wer waren die Schwarzvermummten? + Was ist die Interventionistische Linke (IL)? + Was wirft die IL den „Limmernden für Freiheit“ vor? + Quellen

Debatte: Limmerstraße – was war da los am 02.07.2020?

Fakten + Meinung – von Klaus Öllerer

Polizei, Schwarzvermummte und etwas mehr als eine Handvoll Zivilisten hielten sich neben Biomarkt und Kiosk auf. Ein Teil der Anwesenden war den anderen gegenüber feindlich gesonnen.

Doch der Reihe nach. Es bedurfte einiger Recherchen, um herauszufinden was da geschehen war am Donnerstag, den 02. Juli 2020.

Die „Zivilisten“ waren zuerst da. Sie hatten sich zum Limmern um 18:00 verabredet unter dem Motto: „Limmern für die Freiheit!“.
Es trafen sich gegenüber REWE sieben Erwachsene (5 Frauen, 2 Männer) und ein Kind. So etwas wie eine anzumeldende Demo oder Kundgebung war es nicht und als solches auch nicht geplant. Sie hatten sich im Internet – in einer Telegram-Gruppe – verabredet. Die Teilnehmer stammten überwiegend aus Linden oder der näheren Umgebung. Ein Bezug zu irgendeiner Organisation, Partei oder Ideologie wie Sozialismus, Nationalismus oder irgendeiner Art Religion oder sonstwas ist gruppentypisch nicht zu erkennen.

Telegram-Gruppe „Limmern für Freiheit“

Diese Leute haben sich im Laufe der letzten Monate immer mehr kennen gelernt und zusammen gefunden. Denn mit der Zeit wurde das Unbehagen und der Unmut über die gesellschaftlichen Verhältnisse immer stärker.

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Einschub vor dem Weiterlesen:
Eine Einschätzung zum Verständnis
Diese Leute machen einen Prozess der Oppositionsbildung durch, den ich als ehemaliger 68er von damals noch recht gut in Erinnerung habe. So ähnlich lief das Wachstum der alten APO (AußerParlamentarische Opposition) auch ab und war damals eng verknüpft mit dem Namen Rudi Dutschke ([6], Fernsehinterview).
Demokratiedefizite waren ein ständiges Thema. Damals hieß eine dominierende Parole: „Das herrschende Recht ist das Recht der Herrschenden.

Ein Schwerpunktthema heute sind die Corona-Maßnahmen. Damals war es u.a. die Kernenergie. Damals waren Fachleute wie Prof. Jens Scheer (Physiker, Maoist, Uni Bremen, [4]) auf der Kritikerseite und traten auf öffentlichen Veranstaltungen gemeinsam mit Vertretern der Kernenergie (!) auf.
Heute sind auf der Seite der Coronakritiker ebenfalls Fachleute wie Prof. Bhakdi, Dr. Wogard, Prof. Homburg (Leibniz-Uni), u.a.. – allesamt Demokraten und Mitglieder im Verein „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie, e.V.„.

Jedoch heute werden Kritiker diffamiert und kontroverse Fachdiskussionen werden offiziell gemieden wie die Pest. Das muß man leider so deutlich ausrücken. Und so etwas wie Kernenergie-Leugner hat man damals nicht gehört.

Immer mehr oppositionelle Gruppen bildeten sich damals. Und die Vorgänge bei der alten APO führten auch zur Entwicklung der heutigen Grünen und Linken. Damals wurden bei der Meinungsfreiheit ähnlich negative Erfahrungen gemacht wie heute.
Wie sich die Dinge doch ähneln.
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Doch zurück zu den „Limmernden für Freiheit“. Die Absicht bei dem Treffen bestand darin über Themen, die Ihnen schon länger „auf den Nägeln brennen“ zu sprechen und dabei auch andere Leute und Meinungen kennen zu lernen. Zu den Themen gehören die Corona-Maßnahmen und das intolerante gesellschaftliche Klima insgesamt. Dieses geradezu aggressive gewaltbereite Meinungsklima sollten sie dann auch unmittelbar persönlich erleben.

Ablauf am Donnerstag, 02.07.2020

Kaum hatte sich die Gruppe getroffen, da fingen auch schon die Angriffe an. Eine Betroffene erzählt: „Mit einmal kamen 16 bis 20 Vermummte auf uns zu und schubsten und pöbelten rum. Ihr Nazis… Faschisten will Linden hier nicht haben! …. ihr habt hier nichts zu suchen usw.. Den genauen Wortlaut kann ich nicht wiedergeben…. Mit einem Mal kamen noch mehr aus anderen Ecken.“
Etwas später flog ein mit Wasser gefüllter Luftballon aus oberer Etage auf die Gruppe – jedoch ohne Personen zu treffen.

Die Polizei nahm bei einigen Vermummten die Personalien auf und führte auch Leibesvisitationen durch.

Aus Sicherheitsgründen fuhren einige TeilnehmerInnen mit dem Taxi weg bzw. wurden von der Polizei beim Verlassen geschützt.

Wer waren die Schwarzvermummten?

Die Herkunft der Schwarzvermummten ist geklärt. Es handelt sich dabei um die Interventionistische Linke (IL) in Hannover. Versuche mit ihr Kontakt aufzunehmen (Twitter) blieben auch nach Wochen trotz Erinnerung unbeantwortet.

Auf Twitter gab sie ihren Erfolg bekannt.

Was ist die Interventionistische Linke (IL)?

Die IL kämpft gegen die Freiheitlich Demokratische Grundordnung (Grundgesetz) und bestreitet Andersdenkenden aktiv kämpferisch die Grundrechte wie die Meinungs- und Demonstrationfreiheit sowie die Menschenwürde. Im Stadtbezirk Linden-Limmer gehört die IL zu den sichtbar stärksten Kräften gegen die Demokratie.

Die Interventionistische Linke (IL) ist eine linksradikale Organisation mit rund 1000 Mitgliedern. … Die Interventionistische Linke beschreibt sich selbst als „multizentrische postautonome Organisation“, welche die „Abschaffung aller Verhältnisse, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ anstrebe und sich damit auf Karl Marx beruft.“ (Wikipedia, [1])

Die IL als derzeit mobilisierungsstärkste linksextremistische Struktur übernimmt eine „Scharnierfunktion“ zwischen dem linksextremistischen und dem nicht extremistischen Spektrum. Aus strategischen Gründen verzichtet sie auf offene Aufrufe zu Militanz im Vorfeld eines Ereignisses, verweigert aber im Nachgang von Ausschreitungen die Distanzierung von Gewalt.“ (Verfassungsschutz, [2])

Die Internetseiten [3] werden anonym betrieben ohne Nennung einer Adresse oder einer verantwortlichen Person wie es eigentlich vorgeschrieben ist.

Was wirft die IL den „Limmernden für Freiheit“ vor?

Als Aufruf zum „Widerstand“ wurde folgendes DINA4-Plakat bei REWE angeklebt.

Gesehen bei REWE am Küchengarten

Mit dem Vorwurf „Verschwörungstheoretiker*innen“ an andere kassiert die IL gleichzeitig ein dickes Eigentor. Man kann es nicht mehr übersehen.

Und das geht so: Die Interventionistische Linke (IL) folgt der Lehre eines Verschwörungstheoretikers und Rassisten: Karl Marx. Mehr dazu siehe unter [5].

Im Übrigen gilt die Meinungsfreiheit und die Würde des Menschen in unserer Demokratie für ALLE! – Beispielsweise für: Demokraten, Kommunisten, Islamisten, Nationalisten (ob türkisch oder deutsch), usw.usf.. – im Rahmen des Grundgesetzes.

Die demokratische Rechtsprechung ist eindeutig: Organisationen, die aggressiv-kämpferisch die freiheitlich demokratische Grundordnung zerstören wollen können verboten werden.

Wer u.a. auf der Limmerstraße das Recht auf Meinungsfreiheit abschaffen will, der schafft kein buntes Linden. Sondern ein solches Linden wird ein farbstichiges, graues, schwarzes oder sonstwie eingefärbtes Linden sein.

Wollen die Lindener das?

Die Interventionistische Linke (IL) kann gerne ihre Sichtweise hier veröffentlichen.

Quellen

[1] Interventionistische Linke
>> Wikipedia.org

[2] Gewalttäter als Opfer? – Mediennutzung von Linksextremisten
>> verfassungsschutz.de

[3] Interventionistische Linke (IL)
>> il-hannover.org
>> facebook.com/il.hannover/
>> twitter.com/IL_Hannover

[4] Prof. Jens Scheer, Physiker, Maoist, Uni Bremen
>> uni-bremen.de (kurzes PDF)

[5] Karl Marx
Verschwörungstheoerie: Marx glaubt, das der Kapitalismus als System und die Kapitalisten als Personen das „Elend der Arbeiterklasse“ betreiben, um selbst möglichst maximale Profite zu erwirtschaften. Das ist falsch. Richtig ist das Gegenteil.
Zwischen Kapital und Arbeit besteht eine Synergie, ein gegenseitiger Nutzen. Nur so läßt sich der hohe Lebensstandard gerade, aber nicht nur, in westlichen Gesellschaften erklären.
>> Der Rassist Karl Marx

[6] Rudi Dutschke, Fernsehinterview, 1967, geführt von Günther Gaus

Man kann einerseits erleben wie seltsam Rudi Dutschkes Gedankenwelt damals „tickte“ und andererseits erleben wie demokratisch kontrovers interviewt wurde. Heute undenkbar – oder?

Andere Sichtweisen sind wilkommen.

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Hinweis:
halloLindenLimmer.de ist nicht meinungsgebunden und läßt andere Meinungen frei zu Wort kommen.
Alle Meldungen zu Corona: >> hallolindenlimmer.de/?s=corona
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Klaus Öllerer
Siehe auch >> buergerlicheMitte.de
16.08.2020


Kommentare

  1. Es ist eine recht offensichtliche Logikfolge:
    Die IL ist eine kommunistische Gruppierung.
    Kommunisten sind Antidemokraten.
    Antidemokraten greifen früher oder später immer zu Gewalt, wenn die Bevölkerung nicht freiwillig ihrer Ideologie folgt.
    Bei Erfolg kommt immer ein faschistoides System heraus, sei es nun braunsozialistisch oder rotsozialistisch.

    1. Lieber Herr Stein,
      Ihr Geschichtsdeterminismus ist wirklich phänomenal:
      Marx = Gulag/KZ
      Da ist wirklich nicht mehr viel Luft für progressive Entwicklung.

      1. Naja, daß Ihnen als Marxist das nicht gefällt, überrascht mich nicht. Aber wer unvoreingenommen in die Weltgeschichte schaut, bekommt meine Logikfolge ohne eine einzige Ausnahme bestätigt. Bitte nennen Sie mir doch nur einen einzigen Fall, in dem meine Logikfolge nicht zutraf!

        1. Vorangestellt: Ihre Gleichstellung von NS-Faschismus und Sozialismus ist nicht haltbar.
          Der Faschismus ist per (Eigen-)Definition eine antimarxistische Bewegung. Der Faschismus hat sich historisch immer dann entwickelt, wenn das Bewusstsein der Arbeiterbewegung revolutionär zu werden „drohte“. Durch den Faschismus wurde das Bewusstsein der Arbeiter von einer dem Menschen befreienden Bewegung auf den Glauben an die „Wiedergeburt der Nation“ gelenkt. Klassengegensätze wurden mit Hilfe des Begriffs der nationalen Volksgemeinschaft verdeckt. Deswegen wurde die NSDAP auch großzügig vom Großbürgertum finanziert.

          Ihre Fragestellung bezüglich Ihrer Logikfolge wird auch in dem Dutschke-Interview, das Herr Öllerer freundlicherweise verlinkt hat, gut erläutert. Hier ein Ausschnitt in Textform :

          Gaus: Herr Dutschke, das ist der Punkt, auf den ich jetzt komme: auf dem Marsch zu Ihrem Fernziel, einem menschenfreundlichen, gutgesinnten Ziel, kann es Ihnen doch passieren, daß Sie höchst menschenfeindlich reagieren müssen. Sie können doch nicht vermeiden, möglicherweise Gefängnisse und Konzentrationslager errichten zu müssen, damit Sie auf Ihrem Marsch zu Ihrem paradiesischen Fernziel nicht unterbrochen werden.

          Dutschke: Das mußten Revolutionen leisten, die Minderheitsrevolutionen waren. Der Unterschied zu den vergangenen Revolutionen besteht unter anderem darin, daß unser Prozeß der Revolution sehr lang sein wird, ein sehr langer Marsch sein wird. Und innerhalb dieses sehr langen Marsches wird sich das Problem der Bewußtwerdung stellen und gelöst werden, oder wir werden scheitern.
          […]
          Gaus: Sie sagen, daß es Ihnen nicht so ergeht, wie es Lenin und seiner Revolution ergangen ist, liegt darin, daß Sie niemals als Minderheit Mehrheiten vergewaltigen wollen.

          Dutschke: Wir können nie als Minderheit an die Macht kommen, wollen es nicht, und darin liegt unsere große Chance.

          1. Ich glaube schon, daß mein Vergleich NationalSOZIALISMUS und Bolschewismus haltbar ist. Ja, es stimmt, die Nazis waren Feinde des Marxismus, aber der Marxismus war eben nur EINE Spielart des Sozialismus. Brüder bekämpfen sich oft aufs heftigste. Zum Glück sind beide Spielarten des Sozialismus mittlerweile Geschichte.
            Und die Arbeiterbewegung hat nicht aufbegehrt, weil sich irgendwelches „revolutionäre Bewußtsein“ entwickelt hätte, sondern weil es den Arbeitern verdammt dreckig ging. Sobald es ihnen besser erging durch von der SPD vorangetriebene Reformen, erlosch das Interesse der Arbeiter an Revolution. Erst mit der Weltwirtschaftskrise kamen die beiden sozialistischen Parteien NSDAP und KPD wieder in den Bereich potentieller Machtergreifung.
            Zum von Ihnen angeführten Dutschke-Zitat kann ich nicht recht erkennen, daß es meine Argumentation widerlegen würde, sorry. Dutschke bestätigt ja sogar meine Aussage, daß Minderheitsrevolutionen zwangsläufig immer zu Gewalt und Gulags / KZs führen. Deshalb wollte Dutschke den Marsch durch die Institutionen.

          2. Antwort auf Herrn Stein:
            Der Nationalsozialismus kommt eindeutig aus einer rechten Denktradition und kann damit keine typisch sozialistische Bewegung sein, die aus einem linken Denken ensteht.
            Eine rechte Bewegung (wie der NS) hat im Gedankenkern immer die Hierarchie und die Ungleichheit der Menschen enthalten. Eine privilegierte Gruppe ( Nation ) will durch eine Hierarchie straff geführt ihre Interessen durchsetzen. Anders lässt sich auch nicht erklären, dass der monarchistische Generalfeldmarschall Ludendorff 1923 am Hitler-Putsch teilgenommen hat. Das hätte er bestimmt nicht bei einem „Haufen vaterlandsloser Gesellen“ getan.
            Der Grundidee einer linken Bewegung ist die Befreiung aller Menschen von der Unterdrückung. Dass es in der Geschichte des Sozialismus autoritäre Falschableitungen wie den Stalinismus gab, ist nicht zu leugnen. Dieses Phänomen hat z.B. Dutschke in seiner Dissertation „Lenin vom Kopf auf die Füße stellen“ untersucht.

            Zur SPD: Nachdem „Bluthund“ Gustav Noske (SPD) mit Hilfe der rechtsradikalen Freikorps die linke Revolution 1919 zerschlagen hat, entschied sich die SPD endgültig mit dem bürgerlichen Kapitalismus gemeinsame Sache zu machen. Die folgende (Welt-)Wirtschaftskrise ist ein fester Bestandteil des Kapitalismus in seiner Krisenhaftigkeit (Konjunkturzyklus). Dass dann die bürgerliche Gesellschaft schnell die harte Hand sucht, hat sich in den 30er Jahren bestätigt und hat den Keim des Faschismus, der stets in ihr angelegt ist, zum Erblühen gebracht, in dem sie die NSDAP demokratisch gewählt haben. Diese ging dann die Koalition mit ihren tatsächlichen RECHTEN Brüdern ein, den Deutschnationalen (DNVP) und Stahlhelm ! Die Finanzierung durch das Großbürgertum wäre auch nicht so top gelaufen, wäre die NSDAP tatsächlich eine sozialistische Partei gewesen ! Der Begriff Sozialismus im NS folglich eine Mogelpackung, um Arbeiter für sich zu gewinnen.

            Worum es mir in dem Dutschke-Interviewausschnitt ging, ist die Tatsache, dass die Befassung mit Marxschen Denken etwas Progressives hervorbringen kann und nicht, wie sie behaupten stets in Gewalt gegen die Bevölkerung endet. Dutschke erläutert die Erkenntnis, dass der Bewusstwerdungsprozess der Menschen sehr viel länger dauert. So läuft der tolle Kapitalismus halt immer weiter, löst kein Verteilungsproblem und zerstört die Lebensgrundlagen, führt Krieg, lässt Millionen Menschen an Hunger verrecken, obwohl genug zu Fressen da ist. Der Kapitalismus wird sich wohl zu Tode siegen. Anstatt die Diskussion über progressive Gesellschaftsformen wieder konstruktiv aufzunehmen, wird diese mit antikommunistischen Phrasen und Verschwörungstheorien zerschlagen. Die Erziehung zum Antikommunismus und die Flucht ins Irrationale funktioniert. Da die große Weltwirtschaftskrise vor der Tür steht, wünschen ich allen die Kinder oder Enkel haben, nur herzlich alles Gute!

  2. Marx – ein Rassist ?
    Der Text des Nationalkonservativen Herrn Weimer in dem Blog „Achse des Guten“ bezeichnet Marx als „üblen Rassisten“. Verlinkt in Artikel oben.
    Weimer bleibt mit seiner Kritik an der Oberfläche. Sein Ziel ist nicht die intellektuelle Auseinandersetzung mit der Ideenwelt von Marx, sondern Weimer will bedeutende Kolonial-und Sklavereibefürworter darüber rehabilitieren, in dem er Marx falsch kritisiert.
    Das Niederreißen der Denkmäler durch „BlackLivesMatter“-Aktivisten soll ein System kritisieren, dass zentral rassistische Ausbeutung betrieben hat. Den Vorwurf rassistischer Ausbeutung kann man Marx nicht machen. Seine rassistischen Pöbeleien in seinen Privat-Briefen, die absolut nicht in Ordnung sind, sind nicht in seine Lehre eingegangen. Sie stehen im Widerspruch zu seinem veröffentlichten Werk. In seiner Lehre ging es um die Befreiung der gesamten Menschheit.
    Den Text „Zur Judenfrage“ von Marx analysiert Herr Weimer auch nicht tiefer. Er nutzt nur die Obefläche, um diese für seine flache Aussage zu verwenden. Der Text „Zur Judenfrage“ ist eine Replik auf den gleich betitelten Text des Antisemiten Bruno Bauer. Daher nennt Marx auch populäre antisemitische Klischees in seinem Text, die Herr Weimer plump als Kernaussage des Textes von Marx verfremdet.
    In dem Text weist Marx aber nach, dass Juden, um Staatsbürger zu werden, nicht von ihrer Religion loslösen müssen, wenn Religionsfreiheit im Staat besteht. Diese sieht er umgesetzt in den nordamerikanischen Freistaaten, nicht im rückständigen christlichen Preußen. Als Staatsbürger (citoyen) sind die Menschen sozusagen eigenschaftslose, abstrakte Individuen. Der vollendete politische Staat kümmert sich nicht um die Religion. Da Marx aber die Religion generell nur als einen dem Leben zugrunde liegenden Mangel sieht, kommt es darauf an, diese weltlichen Mängel zu beseitigen. Über die politische Emanzipation muss eine menschliche Emanzipation hinausführen, die den Menschen ein wahres, mit ihren Mitmenschen verbundenes gutes Leben ermöglicht ohne einen jenseitigen Himmel zu imaginieren. Folglich ist der Text „Zur Judenfrage“ von Marx tiefer analysiert eine radikale Religionskritik und folglich nicht das, was Herr Weimer verkürzt und politisch motiviert herauslesen will.

    1. Die von Weimer angeführten Textstellen finde ich ziemlich eindeutig. Danach war Marx nicht nur ein irgendwie flapsig daher Labernder, sondern ein überzeugter Rassist, bei dem die Minderwertigkeit einer oder mehrerer anderer „Rassen“ tief im Gemüt sitzt.
      Stellvertretend hier ein Zitat über seinen Schwiegersohn (von Weimer): „Selbst seinen eigenen Schwiegersohn Paul Lafargue, dessen Mutter eine kubanische Kreolin war, erniedrigte er in einem Brief an seine Tochter Jenny als “Negrillo” und “Abkömmling eines Gorillas”. Als sich Marx wieder einmal über seinen nicht-weißen Schwiegersohn aufregte, schrieb er an Engels: “Lafargue hat die üble Narbe von dem Negerstamm: kein Gefühl der Scham.”

      Auch wenn bei Marx in seiner weiteren Literatur nichts gegen „Neger“ steht, so spricht ihn das nicht frei. Mir selbst fällt ein, dass auch in der Verfassung der USA nichts rassistisches drin steht. Trotzdem waren die USA in der Praxis in großen Teilen ein rassistischer Staat. Aber es war schließlich die Verfassung auf die sich die Abschaffung der Sklaverei berufen konnte.

      Antisemitismus. Man muß wissen, dass Marx selbst jüdischer herkunft war. Seine Eltern waren konvertiert. Der Antsemitismus von Marx sitzt tief, wie man seinem Text “Zur Judenfrage” entnehmen kann. Es ist eine Steilvorlage für alle Antisemiten und auch Hitler hatte den Text meiner Erinnerung nach auch verwendet.

      Ich selbst hatte vor ca. 20 Jahren mal einen kurzen E-Mail-Austausch mit Horst Mahler, dem ehemaligen APO-Anwalt und RAF-Terrorist – heute Rechtsextremist. Er führte die „Judenfrage“ von Marx als Beleg für seine eigene Feindschaft gegen das Judentum an. Ich konterte damit, dass die Juden uns so etwas Tolles wie den Kapitalismus gebracht und gefördert haben. Darauf kam keine Antwort mehr von Horst Mahler. Ich bekam nur den Tipp von jemand Fremdem, dass er meine E-Mail weiter verteilen würde und ich selbst sollte daher vorsichtig sein. Es geschah dann jedoch nichts weiter.

      Eine führ mich neue Idee über die Persönlichkeit von Marx habe ich bei Weimer im Text gefunden:
      Weimer: „Aus den Briefen und Artikeln von Karl Marx geht ein erschütternd minderheitenverachtendes Weltbild hervor.“

      Diese Minderheitsverachtung könnte ein Hinweis darauf sein warum er die Kapitalisten verachtet: Diese sind eine Minderheit und reich – reicher als Marx.
      Mit dem Unternehmersohn Engels hatte er einen Kapitalisten, der an seiner Seite stand. Das mochte er offensichtlich. Alle anderen waren halt die Bösen.

      1. Diskussion läuft über Argumente. Widerlegen Sie bitte mein Argument bezüglich der Kernaussage des Marx-Textes „Die Judenfrage“ . In Ihrer „Antwort“ wiederholen Sie nur die falsche Darstellung von Herrn Weimer. Sie gehen damit Herrn Weimer und seiner Inschutznahme von Kolonial- und Sklavereibefürwortern erneut auf den Leim.
        Marx ging es in seiner Lehre immer um die Befreiung aller Menschen. Folglich auch der Minderheiten:
        „Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“

        Entlarvend, ist, wie Sie sogar dem Nazi Horst Mahler auf den Leim gehen, der sich über eine falsche Aussage eine Brücke zu seiner APO-Vergangenheit bauen will – gemäß dem Motto: Wer Antisemit ist, bestimme ich.
        Ihre Aussage, dass die Juden uns den Kapitalismus gebracht haben, halte ich auch für sehr problematisch. Wer ist in dieser Gruppe „die Juden“ zusammengefasst und wer ist „uns“ ?

        Mir fallen sowieso eher Leute wie Luther und Calvin ein, die mit ihrer Arbeitsethik viel zur Entstehung des Kapitalismus beigetragen haben ? Der Kontrollapparat von Jeremy Bentham, der die Menschen in die Fabriken peitschte …

        1. Sorry, den Zeitaufwand die Diskussion weiterzuführen schaffe ich jetzt nicht. Daher würde ich das jetzt gerne so stehen lassen.

          Hier ein abschließendes Zitat aus Wikipedia:

          „Rezeption
          Ob die Schrift antisemitisch ist, ist in der Forschung umstritten. Hannah Arendt nennt sie in ihrem 1955 auf deutsch erschienenen Werk Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft ein „klassisches Werk“ des „Antisemitismus der Linken“.[33] Auch Edmund Silberner von der Hebräischen Universität Jerusalem schätzt Marx unter anderem wegen dieser Schrift als Antisemiten ein.[34] Dem widerspricht der Historiker Lars Fischer: Es sei Marx gar nicht um Angriffe auf das Judentum gegangen, sondern um Kapitalismuskritik und Möglichkeiten der gesellschaftlichen Emanzipation.[35] Im Handbuch des Antisemitismus kommt Matthias Vetter zu dem Schluss, dass Marx mit ihr keine antisemitischen Vergleichskonstruktionen verfolgt habe; seine Sprache, seine Vergleiche und seine Absichten seien aber sehr wohl antisemitisch gewesen. Die wenig rezipierte Schrift könne nicht als Beginn eines linken Antisemitismus verstanden werden, wohl aber als Beginn einer linken Unterschätzung der Judenfeindschaft und der Auffassung, „dass die einzige Zukunft des Judentums in seinem Verschwinden liege“.“

          https://de.wikipedia.org/wiki/Zur_Judenfrage

          1. Hallo Herr Öllerer,
            dies zeigt, dass die Welt oft komplexer ist, als man zuerst denkt.
            Jedenfalls ist diese nicht so eindimensional, wie sie der Herr Weimer gern für seine Sklavenhalterrechtfertigung gehabt hätte. Und Sie mittels Verlinkung für Ihre Zwecke weiterhin verwenden.

          2. Ich selbst halte die Position von Herrn Weimer und auch von Hannah Ahrendt für zutreffend, das Marxens Schrift antisemitisch ist.

            Ein Unterschied zu den Nazis ist, dass die genetische Disposition wegfällt und es auf die Ideologie/Religion beschränkt bleibt.
            Am Feindbild Juden ändert das nicht so viel.

            Ich würde gern mit Ihnen hier weiter diskutieren. Mit Ihnen ist das sehr interessant und sachdienlich.

            Meine Zeit reicht leider nicht.

          3. Zitat K. Öllerer :
            „Ein Unterschied zu den Nazis ist, dass die genetische Disposition wegfällt und es auf die Ideologie/Religion beschränkt bleibt. Am Feindbild Juden ändert das nicht so viel.“

            Sie wollen auf Grund Ihrer Denkstruktur etwas in Marx hereininterpretieren, was nicht im Kern Marxschen Denkens enthalten ist.
            Angenommen K. Marx würde in seiner Religionskritik sich ausschließlich auf die Überwindung des Judentums beschränken, dann würde ich Ihnen recht geben. Marx will aber generell Religion überwinden. Religion ist das „Opium des Volkes“.
            „Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. „

  3. Dutschke und Marx, Corona und Klima …

    Wenn ihr sonst keine Probleme habt, dann gebt mir doch einfach ein bisschen Knete ab, und alles ist gut!

    Peace, Bruder!

  4. Linden… a Place to be…
    NEIN! Der wahrscheinlich intoleranteste Stadtteil in Hannover.

    Ob die maximal-dämliche Linke eigentlich überhaupt merkt, dass es genau der Staat ist, der es ihnen ermöglicht, ihre Ideologie relativ frei zu propagieren; der Staat, den sie so bedingungslos ablehnen?!?

    Sachen gibts, die kannste Dir nicht ausdenken…

  5. Hallo Herr Öllerer,
    wer hat da als „ehemaliger 68’er“ seinen Marx nicht richtig gelesen…
    Ich stelle mal Ihre Aussage aus „Quelle[5]“ so um, dass das Gegenteil ,wie von Ihnen behauptet , der Fall ist:
    Herr Öllerer glaubt, das der Kapitalismus als System und die Kapitalisten als Personen den „Wohlstand der Arbeiterklasse“ betreiben, um selbst möglichst minimale Profite zu erwirtschaften.
    Das wäre schon mal eine toller Transformationsschritt zu einer befreiten Gesellschaft. Das Streben nach möglichst minimalen Profit läuft aber dem Kapitalismus vollkommen entgegen. Sein Ziel und da hat Marx vollkommen recht, ist das Streben aus Geld möglichst viel mehr Geld zu machen. Kapitalisten, die da nicht voll mitziehen, werden von ihren Wettbewerbern schnell plattgemacht. Denn Geld ( Kapital) ist Macht. Wie es dabei dem Arbeiter geht, ist dem Kapitalisten ziemlich egal. Geringerer Arbeitslohn weist sich aber direkt als Profit des Kapitalisten aus. Der Arbeiter muss halt seine Arbeitskraft wie eine Ware auf dem Markt schmeißen. Mangels eigenem Kapital ( = Eigentum an Produktionsmitteln ) bleibt dem Arbeiter ja auch nichts Anderes übrig. Folglich sind die Interessen von Arbeiter und Kapital gegensätzlich und das hat Marx auch sehr ausführlich in seinem Werk „Das Kapital“ untersucht und beschrieben.
    Der hohe Lebensstandard des Westens lässt sich hauptsächlich auf Ausbeutungsstrukturen gegenüber der Südhalbkugel zurückführen. Ohne den Zustrom billiger Rohstoffe (z.B. Minenarbeiter im Kongo ) oder Hungerlöhne ( z.B. Textilindustrie in Bangladesh ) wäre der tolle westliche Wohlstand garnicht zu realisieren. Das wäre eine echter Schock für die Kapitalisten, wenn diese Arbeiter auch ihren vollen Anteil am Wohlstand des Westens haben wollten… An nicht verrichteter harter Arbeit kann es ja nicht liegen…

    1. Hallo Karlchen,

      die Wirklichkeit aller sozialistischen Staaten in marxistischer Tradition haben gezeigt, wo es allen Menschen, vor allem den Arbeitern, besser geht: Im Kapitalismus mit freier Marktwirtschaft und Demokratie.

      Um die Arbeiter im Sozialismus zu halten mußte dieser eingezäunt werden – siehe Mauerbau.

      Kein westlicher Arbeiter ist freiwillig in ein sozialistisches Land gezogen – bis auf gaaaanz seltene Ausnahmen.

      Kapitalisten können nur max. Profite machen, wenn sie die Belegschaft (Arbeiter, Angestellte) entsprechend bezahlen. Kapitalisten befinden sich selber in Konkurrenz untereinander und müssen entsprechend viel bezahlen, besonders in innovativen Marktwirschaften. Ich war jahrzehntelang Entwicklungsingenieur in der Elektronik und habe gesehen wie der Konkurrenzdruck Wirtschaftlichkeit und Gehälter erhöhte. Wenn mir der eine Kapitalist zu wenig bezahlte, dann ging ich eben zum anderen.
      Das ist gut funktionierender Kapitalismus.

      Sorry, mit dem Buch hatte ich mich etwas vertan. Korrektur:
      Ich empfehle als Eintiegslektüre „Adam Smith für Anfänger – Der Wohlstand der Nationen“, Eine Lese-Einführung von Helen Winter und Thomas Rommel
      dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag, Oktober 1999

      Einführungstext:
      „Das berühmte Hauptwerk des Moralphilosophen Adam Smith ist nicht nur die Bibel der modernen Wirtschaftswissenschaft, sondern handelt vor allem von Freiheit und Gerechtigkeit in einem Gemeinwesen – Fragen, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Dieses Buch versucht den leser zu begleiten, um die Lektüre des umfangreichen Originaltextes zu erleichtern.“

      1. — „Kapitalismusanalyse von Adam Smith ‚Der Wohlstand der Nationen'“

        Also, da bitte ich mal um Aufmerksamkeit! — Diese Abhandlung stammt aus dem finsteren Jahre 1776 und von einem schottischen Gutsherren, dessen Schafwolle auch überregional zeitweilig besonderen Absatz fand und der sich daraus mit Kerzenlicht und mit Federtinte den Lebensplan der Menschheit strickte.

        Aber es ist schön, mitzuerleben, dass es noch Traditionen gibt.

        1. Sorry, mit dem Buch hatte ich mich etwas vertan. Korrektur:
          Ich empfehle als Eintiegslektüre „Adam Smith für Anfänger – Der Wohlstand der Nationen“, Eine Lese-Einführung von Helen Winter und Thomas Rommel
          dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag, Oktober 1999

          Einführungstext:
          „Das berühmte Hauptwerk des Moralphilosophen Adam Smith ist nicht nur die Bibel der modernen Wirtschaftswissenschaft, sondern handelt vor allem von Freiheit und Gerechtigkeit in einem Gemeinwesen – Fragen, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Dieses Buch versucht den leser zu begleiten, um die Lektüre des umfangreichen Originaltextes zu erleichtern.“

      2. Ihre Aussage widerspricht nicht meiner Aussage aus meiner vorangegangenen Mail :
        „Der Arbeiter muss halt seine Arbeitskraft wie eine Ware auf dem Markt schmeißen.“
        Marx würde diesem Satz auch nicht widersprechen. Ist die Nachfrage groß nach einem Spezialisten, wie z.B. einem Ingenieur, dann wird der Preis auch entsprechend hoch sein. Der Kapitalist muss den Marktpreis für Arbeitskraft bezahlen. Durch Steigerung der Produktivität sinkt aber für die meisten Menschen der Marktwert ihrer Arbeitskraft. Die Tendenz sind für die meisten Arbeitskräfte fallende Reallöhne oder Arbeitslosigkeit. Nur eine kleine Gruppe von Spezialisten wie Programmierer etc., die die Digitalisierung vorantreiben, profitieren lohnmäßig.
        Da der Aufbau des Sozialismus bis jetzt nur in Ländern ausprobiert wurde, die keine volle Entwicklung der Produktivkräfte vollzogen haben, endeten diese durch nicht unerheblich bekämpfende Einflüsse des Westens (Krieg ( z.B. Vietnam), Unterstützung der Konterrevolution (z.B. Chile) oder destruktiven Wettbewerb ) in einem Mix aus Staatskapitalismus und bürokratischer Kommandowirtschaft.
        Dass der Sozialismus erst in einem Land mit voller Entfaltung der Produktivkräfte aufgebaut werden kann, ist auch eine Aussage von Marx (historischer Materialismus). Er hielt z.B. Russland als ein Land mit vorwiegend landwirtschaftlicher Produktion für eine Revolution nicht geeignet.
        Die einzige Chance das Ausbeutungsverhältnis zu beenden, ist tatsächlich der weltumspannende Kampf der Arbeiter gegen das Kapital. Dutschke sagt das ja in dem von Ihnen verlinkten Interview.
        Adam Smith hat die Nationalökonomie als Erster wissenschaftlich betrachtet. Marx hat das Wissen von Adam Smith vom Kopf auf die Füße gestellt, in dem er den Doppelcharakter der Arbeit beschrieb. Güter werden nicht direkt als Gebrauchswert zur Befriedigung von Bedürfnissen produziert, sondern als Ware um einen Tauschwert ( Geld ) zu erhalten. Produziert wird folglich nicht, um Bedürfnisse zu befriedigen, sondern um aus eingesetzten Kapital mehr Geld herauszubekommen. Die Ware Arbeitskraft fällt selbstverständlich auch darunter. Durch den einsetzenden Zentralisationsprozess wird die Idee des ausgleichenden Wettbewerbs (unsichtbare Hand) durch Monopole ( Google, Microsoft etc. ) zerstört.

        1. Zitat: „Durch Steigerung der Produktivität sinkt aber für die meisten Menschen der Marktwert ihrer Arbeitskraft. Die Tendenz sind für die meisten Arbeitskräfte fallende Reallöhne oder Arbeitslosigkeit. Nur eine kleine Gruppe von Spezialisten wie Programmierer etc., die die Digitalisierung vorantreiben, profitieren lohnmäßig.“ Zitatende

          Gilt das nicht für alle und nicht nur für Spezialisten?
          Durch die Steigerung der Produktivkräfte wird die Arbeitsproduktivität gesteigert. Immer wenige Arbeitende schaffen immer mehr. Die Preise entsprechen in der freien Marktwirtschaft, der in den Produkten vergegenständlichten Arbeitskraft. Dadurch wurden alle Produkte und Dienstleistungen mit der Zeit für Alle (!) immer erschwinglicher.

          Allein, wenn ich daran denke an die 50er und 60er Jahre. Da hatte meine Herkunftsfamilie (Vater war Kraftfahrer, Mutter zu Hause) immer mehr Dinge, die vorher undenkbar waren. Und das bei der ganzen Bevölkerung nicht nur in Deutschland. Nacheinander innerhalb von ca. 8 Jahren: Waschmaschine, Fernseher, Kühlschrank, Auto, Mixer, etc.. Alleine das dürfte Karl Marx in seinen zentralen Thesen widerlegen.
          In allen westlichen Ländern gilt oder sollte gelten: Kapitalistische Monopole werden geschrumpft, enteignet bis es wieder fairen Wettberwerb gibt. In den USA passierte das öfters.

          1. In den 50er und 60er Jahren war Deutschland in einer Wachstumsphase. Die Arbeitskosten waren gering, Wiederaufbau und die Integration in die westliche Frontlinie schaffte Kapital heran. So konnten sich die Leute immer mehr leisten. Seit den 70ern ist das Wachstum durch Sättigung des Weltmarkts abgeflacht. Der Neoliberalismus sollte dann die Profite wieder hochtreiben. Senkung der Arbeitskosten und Steuern. Rückzug des Staates aus Daseinsfunktionen inklusive Gesundheitsystem. Freie Fahrt den Kapitalisten! (Politik: Thatcher/Reagan/später Schröder) Heute kann sich ein deutscher Paketzusteller ein Smartphone über viele Monate finanziell abstottern, da sie in einem Billiglohnland unter noch beschisseneren Umständen als die des Paketzustellers zusammengelötet wurden. Das Heer der Arbeitslosen wird vor Bildschirmen lobotomisiert…Das befreite Menschsein bleibt vollkomen auf der Strecke.
            Wenn das Anti-Trust-Gesetz in den USA konsequent angewendet würde, würde Google, Microsoft, Amazon etc. garnicht existieren. Sie existieren aber. Oder haben Sie ein Beispiel, wo ein Riese mal zerschlagen wurde ?

        2. Zitat: „Da der Aufbau des Sozialismus bis jetzt nur in Ländern ausprobiert wurde, die keine volle Entwicklung der Produktivkräfte vollzogen haben, endeten diese durch nicht unerheblich bekämpfende Einflüsse des Westens (Krieg ( z.B. Vietnam), Unterstützung der Konterrevolution (z.B. Chile) oder destruktiven Wettbewerb ) in einem Mix aus Staatskapitalismus und bürokratischer Kommandowirtschaft.“ Zitatende

          Schlicht und einfach ausgedrückt: Der DDR-Sozialismus hatte objektiv alle Vorraussetzungen für einen modernen Industriestaat. Er war nur nicht in der Lage das Potential zu nutzen, aus einem einfachen Grund: Der Sozialismus ist prinzipiell ein zentralistisches, starres System – von oben nach unten. Für „Volkskreativität ist da kein Platz. Ich habe noch nie etwas von kreativen Startups im Sozialismus gehört.

          Einmal nach der Wende hörte ich einen Vortrag eines Ingenieurs von Robotron. Er schilderte wie sie anfingen Computer zu bauen, Chips zu entwickeln. Im Prinzip war das nur ein nachbauen. Es gab da keine „Startups“. Alles nur Folgsamkeit und einzelne hochengagierte, kreative Leute, die sich voll einsetzten.

          Der entscheidende Unterschied zwischen Kapitalismus und marxschem Sozialismus:

          Der Kapitalismus ist ein sich selbst regelndes System von Angebot und Nachfrage bei Waren und Dienstleistungen, als auch im Geistigen (Probleme und Lösungen in der Demokratie). Der Wettbewerb treibt alles voran. Die Grenzen werden vom Staat gezogen.

          Der Sozialismus ist ein gesteuertes System von oben nach unten. Eine Gewaltenteilung gibt es nicht und wurde schon von Marx im Manifest abgelehnt. Deshalb funktioniert da auch nicht so viel. Er hat sich überlebt.

          Fazit:
          Wir haben heute – dank Kapitalismus – die besten Lebensverhältnisse für alle, die es je gegeben hat. Wir haben auch nach Jahrhunderten der Industrialisierung eine weitgehend intakte Umwelt in Europa und Amerika und anderswo.

          Der Kapitalismus ist für uns der größte Glücksfall der Geschichte.

          1. Zitat K.Öllerer:
            „Anti-Trust-Gesetz:
            Bei Wikipedia sind Fälle aufgeführt:
            https://de.wikipedia.org/wiki/Sherman_Antitrust_Act

            Ihr Link bestätigt nur die These, dass das Anti-Trust-Gesetz nicht konsequent angewendet wird. Die letztgenannten Fälle s.u. :
            „IBM wurde 1969 auf der Grundlage des Gesetzes angeklagt[9], und hat noch im gleichen Jahr seine Hardware- und Softwareangebote entbündelt. Das Gerichtsverfahren wurde erst 1975 eröffnet[10] und 1982 eingestellt.[11]
            Microsoft wurde 1991 ebenfalls angeklagt, gegen den Sherman Antitrust Act verstoßen zu haben, das Verfahren endete 1994 mit einem Vergleich.“

            Konsequentes Durchgreifen oder Zerschlagen sieht anders aus. Die (Welt-)Macht des nationalen Kapitals ist wohl wichtiger als ein schöner gleichgewichtiger Markt, den es in der Realität sowieso nie gab. Plattmachen und Zentralisieren wird halt durch das kapitalistische System belohnt. Damit führt sich dieses System wieder ad absurdum.

          2. DDR-Sozialismus:
            Ein Sozialismus, der eine befreite Gesellschaft hervorbringt, kann nicht durch eine Mehrheit entstehen, in deren Überzeugung ein noch nicht überwundenes Nazidenken steckt. Das war nach 1945 der Fall. Dazu kamen die bereits genannten nicht unerheblichen bekämpfenden Einflüsse des Westens, die jedes sozialistische Projekt leider begleiten. Dass Marxsches Denken nicht mit Stalinismus gleichsetzbar ist, erwähne ich hier der Vollständigkeit halber.
            Sozialismus aufbauen ohne eine überzeugte Mehrheit kann keine befreite Gesellschaft hervorbringen ( s. Gaus-interview mit Dutschke )
            Der Sozialismus ist der Transformationsschritt zum Kommunismus, in dem Menschen lernen, über ihre Bedürfnisse selbst zu entscheiden und sich zu organisieren. Der Staat stirbt ab. Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.
            Zum Kapitalismus:
            Der Kapitalismus ist ein Herrschaftssystem, das die Ausbeutung des Menschen durch die Ideologie des Eigentums an den Produktionsmitteln (Kapital) ermöglicht.
            Jeder steht mit jedem im Wettbewerb ( Konzerne, Staaten, Arbeitsmarkt, Konsumstatus etc.)
            Allein an Hand der 820 Millionen Hungertoten weltweit ist es zynisch, den Kapitalismus als ein Erfolgsmodell zu feiern.
            https://de.wfp.org/pressemitteilungen/un-bericht-die-zahl-der-hungernden-weltweit-steigt-zum-dritten-jahr-folge
            Wie Marx sagte: Der Kapitalismus begräbt seine beiden Springquellen , den Mensch und die Natur.

    2. Ich hätte eigentlich gedacht, daß es mittlerweile keine ewiggestrigen Kommunisten mehr gibt, die von Marx usw. faseln. Sollte doch zu jedem durchgedrungen sein, daß Marxismus IMMER zu Diktatur, Staatsterror und wirtschaftlichem Niedergang geführt hat. Wer das nicht glaubt, der mache doch mal Urlaub im Arbeiter- und Bauernparadies Nordkorea…

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