26. Februar 2021

Weniger Patienten wegen Corona im Krankenhaus als bislang angenommen

Die Anzahl von Personen, die wegen Corona im Krankenhaus behandelt werden müssen, wird nach Recherchen der Wochenzeitung DIE ZEIT überschätzt: Zwischen 20 und 30 Prozent der Menschen, die die offizielle Statistik führt, sind nicht wegen Corona in stationärer Behandlung, sondern wurden zufällig positiv getestet. Etwa Schwangere, die zur Entbindung kommen, oder verunfallte Personen. Auch bei der viel diskutierten Zahl von Patienten auf Intensivstationen gibt das Robert-Koch-Institut zu hohe Werte an: Auf den Intensivstationen werden zehn Prozent der als Corona-Fälle gemeldeten Patienten wegen einer anderen Ursache behandelt. Das bestätigt auf ZEIT-Anfrage der Deutsche Verband der Intensivmediziner (Divi).

DIE ZEIT hat bundesweit 20 Krankenhäuser nach ihren konkreten Zahlen gefragt. Viele wollten diese nicht veröffentlicht sehen, bestätigten aber die rund 20 bis 30 Prozent an Doppeldiagnosen mit Corona.

Auch die Barmer-Krankenkasse beobachtet die Doppeldiagnosen. „Wir sehen einen nennenswerten Anteil von Krankenhausfällen, die ursächlich aufgrund einer anderen Erkrankung als Corona behandelt wurden und die dennoch in der Statistik unter ‚Corona-Patient‘ laufen“, sagt Uwe Repschläger, Finanzleiter der Barmer. Er kann für seine Aussage auf Daten von 20.000 stationär behandelte Corona-Patienten zurückgreifen.

Verantwortlich für dieses Graufeld ist das deutsche Meldesystem: Alle neuen Patienten werden systematisch bei der Aufnahme ins Krankenhaus auf das Virus getestet und bei einem positiven Befund über das Gesundheitsamt an das Robert Koch-Institut gemeldet. Für die Krankenhäuser selbst ist die Unterscheidung nicht erheblich: Ein Corona-Patient muss, ob er nun mit oder wegen Corona behandelt wird, in ein Isolierzimmer verlegt werden. Pfleger und Ärzte müssen sich bei seiner Behandlung besonders schützen. Politisch aber ist die Zahl der schweren Corona-Verläufe ein wichtiger Indikator.

„Auf Grundlage der Schätzung einzelner Kliniken kann ein evidenzbasiertes Institut keine Bereinigung von Fällen vornehmen“, sagt das RKI auf Anfrage der ZEIT. Das harte Kriterium sei ein positiver PCR-Test.
17.02.2021

Quelle: presseportal.de/pm/9377/4840896

26.02.2021

Kommentare

  1. ich fände es sehr fahrlässig, wenn man positiv getestete Personen nicht erfassen würde. Jeder Patient, der den Virus in sich trägt könnte andere gesunde Patienten sonst unbewusst anstecken, so wie erst vor Kurzem geschehen. ( https://www.rnd.de/gesundheit/nach-kontakt-mit-zimmernachbarin-klinik-patientin-stirbt-an-corona-OYCL57E62CFP2S6BY223POJFNQ.html )

    Und wie soll ein Krankenhaus den Mehraufwand und ein eventuell unterbelegtes Zimmer 8weil kein gesunder Patient mit ins Zimmer darf) mit der Krankenkasse abrechen? Also ist eine Doppeldiagnose doch legitim. Sehe ich jedenfalls so.

    Ich wünsche mir ein bisschen mehr Einsicht von den Menschen, die die Risiken für geschwächte Menschen durch ihr Verhalten begünstigen. Es sollte diesen Menschen zuliebe selbstverständlich sein, auch ohne den Zwang durch Politiker eine Maske zu tragen und Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Leider sieht die Realität anders aus. Die Maßnahmen werden so lange anhalten, bis ausreichend Menschen geimpft sind oder die Todeszahlen massiv sinken. Wir können also FREIWILLIG zum Schutz der Risikopatienten beitragen oder uns noch weitere MONATE dazu zwingen lassen und zusehen, wie Gastronomen, Solo-Selbständige usw. bankrott gehen.

    Je höher die Infektionszahlen, desto höher wird das Risiko für schwere Verläufe bei immungeschwächten Menschen eingeschätzt und entsprechend mit Maßnahmen darauf reagiert.

    Schweden hat auch auf Freiwilligkeit gesetzt und am Anfang hat es gut funktioniert. Allerdings leben in Schweden nur etwas über 10 Millionen Einwohner auf einer Fläche von 447.430 km², in Deutschland teilen sich 83 Millionen Menschen eine Fläche von 357.582 km²…..

  2. Was erwartet man vom Staat (Politik, Behörden, Verwaltungen) nach einem Jahr Pandemie?

    Fast überall: Pleiten und Pannen auf allen Ebenen (EU, Bund, Länder, Kommunen)

    Versagen in ganz vielen Punkten.

    Zum Glück haben Forscher, die sicherlich mehr als 40 h /Woche arbeiten Impfstoffe entwickelt.

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