18. Juni 2019

Titelfoto: Eisensplitter, die damals durch die Explosion in die Wohnung von Heiner Klenke flogen. Dort wurde niemand verletzt
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Pressemeldung der Feuerwehr

Explosionsunglück Güterbahnhof Linden/Fischerhof im Jahre 1969
Gedenkveranstaltung Fünfzigster Jahrestag

Am 22. Juni 2019 jährt sich das tragische Explosionsunglück am Bahnhof Linden/Fischerhof zum fünfzigsten Mal. Ein mit Panzergranaten beladener Güterzug explodierte bei Löscharbeiten und löste das bis heute schwerste Zugunglück in Hannover seit Kriegsende aus. Damals kamen acht Feuerwehrleute und vier Bedienstete der Deutschen Bundesbahn ums Leben, vierzig weitere Personen wurden verletzt.

Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie gedenken Vertreter*innen der Landeshauptstadt Hannover und der Deutschen Bahn AG gemeinsam mit Hinterbliebenen der Opfer. Eine Schweigeminute findet um 8.09 Uhr gemeinsam mit Hannovers Bürgermeisterin Regine Kramarek und der Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG Manuela Herbort in den Räumlichkeiten der Feuer- und Rettungswache 4 statt.

Feuerwehr Hannover

Hinweis: Die Gedenkveranstaltung ist nicht öffentlich. halloLindenLimmer.de wird anschließend berichten.

Hintergrundinformationen zum Explosionsunglück

Am 22. Juni 1969 geriet durch eine defekte Bremse der Waggon eines Güterzuges in Brand, der 216 Panzergranaten geladen hatte. Er explodierte während der Löscharbeiten im Bereich des Güterbahnhofs in Linden. Das Unglück ereignete sich kurz nachdem um 8.09 Uhr die Feuerwehr mit dem vierten Löschzug vor Ort eintraf, noch bei den Vorbereitungen des Löschangriffes. Bei dem Unfall kamen acht Feuerwehrleute und vier Bedienstete der Deutschen Bundesbahn ums Leben. Vierzig weitere Personen wurden verletzt. Die Explosion verursachte schwere Schäden an den Gleis- und Bahnhofsanlagen sowie an zahlreichen Gebäuden der weiten Umgebung. Der Gesamtschaden belief sich auf 40 Millionen D-Mark. Nach den Aufzeichnungen der hannoverschen Stadtchronik handelt es sich hinsichtlich der Opferzahl um den bis heute noch immer schwersten Unglücksfall in Hannover seit Kriegsende. Insbesondere für die Feuerwehr Hannover war das Ereignis jedoch wegen der eigenen Verluste das schwerste Unglück seit 1945.

Die Ursache für die Katastrophe war primär der technische Defekt: Eine heiß gelaufene Bremse am linken Vorderrad des Unglückswaggons, die ihn in Brand setzte. Die beschränkten Kommunikationswege –und Geschwindigkeiten zwischen Bundesbahn, Werks- und Berufsfeuerwehr, Streckenpersonal und Zugführer – taten ihr Übriges. Die Kennzeichnung des mit Gefahrgut beladenen Waggons war zu klein, so dass die eigentliche Gefahr der Situation zu spät eingeschätzt werden konnte. Nach mehreren Streckenposten fiel erst dem Betriebsaufseher der Warnzettel am Waggon im Güterbahnhof Linden auf. Er koppelte den Waggon vom Rest des Zuges ab, konnte die eintreffenden Feuerwehrkräfte aber nicht schnell genug warnen. Die Druckwelle der Explosion zertrümmerte noch in größerer Entfernung tausende Fensterscheiben. Ein Einsatzleitwagen und ein Tanklöschfahrzeug der hannoverschen Feuerwehr wurden komplett zerstört, ein Löschgruppenfahrzeug und die Drehleiter schwer beschädigt.

Am Mittag des Unglücktages trafen der damalige niedersächsische Innenminister Richard Lehners und wenige Stunden später der damalige Bundesverteidigungsminister Dr. Gerhard Schröder am Unglücksort ein. Am 27. Juni 1969 nahmen Bürger*innen und Repräsentant*innen der Stadt bei einer Trauerfeier vor dem Neuen Rathaus Abschied von den Toten.

Feuerwehr Hannover

18.06.2019


Kommentare

  1. Ich habe am Sonntag den 22.06.1969 in Hannover Linden arbeiten sollen. Ich bin Eisenbahner, jetzt im Ruhestand, und war in einem Signalbautrupp beschäftigt. In einem Sig – Bautrupp wurden wir in der damaligen Bundesbahn = direktion Hannover, umfasste etwa die Fläche von Niedersachsen, eingesetzt wo Bauarbeiten statt fanden. Unsere Unterkunft bestand aus umgebauten alten Personenwaggon in denen wir wohnen und schlafen konnten. So sollten wir am 22.06.69 arbeiten. Ich bin am Samstag angereist, da mein Heimatort Braunschweig war. Ich bin dann in der Früh auf gestanden, habe gefrühstückt und mich für die Arbeit fertig gemacht. Da mein Kollege um ca 8 Uhr kommen wollte, habe ich mich noch einmal aufs Bett gelegt und gewartet. Bis ein irrsinnig lauter Knall und der Waggon wackelte, sämtliche Scheiben zu Bruch gingen, meine Ruhe vorbei war. Ich bin raus aus dem Wagen, auf die Ladestraße und da sah ich, das etwas furchtbares passiert sein musste. Ein irrsinniger schwarzer Rauchpilz stand über dem Bf Hannover Linden. Ein Kollege vom Stellwerk kam mir entgegen im Gesicht verletzt und war nicht ansprechbar. Es ist ein nur gut gewesen das, das Unglück am Sonntag war, am Montag kaum vorstellbar wenn überall gearbeitet worden wäre. Hannomag,Güterhalle und alle anderen Firmen in der Nähe.

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