29. Mai 2019

Kippa auch in Linden?
Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung appelliert an alle Deutschen – also auch an die Nichtjuden – am kommenden Samstag Kippa zu tragen. Was geschieht, wenn in Linden Jemand mit Kippa durch die Straßen geht und in Geschäften einkauft? Bisher sind noch keine Erfahrungen dazu bekannt geworden.

Kundgebung am Kröpcke

Am letzten Montag demonstrierten etwa dreihundert Menschen gegen den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. Anlass waren kürzliche Anschläge mit Farbe und Brandlegung gegen Wohnung und Kleingarten eines jüdischen Ehepaares in Hemmingen.

Auf dem Kröpcke wurden Ansprachen gehalten und anschließend ging man gemeinsam zum jüdischen Mahnmal beim Opernplatz.

Gedenken am jüdischen Mahnmal am Opernplatz

Die meisten der zahlreichen Redner sprachen im Wesentlichen nur den deutschstämmigen Antisemitismus an. Dafür gab es auch ein sichtbares Beispiel am Kundgebungsort. Dort hingen noch Wahlplakate der Partei „Die Rechte“ mit Inhalten, die gegen das Existenzrecht Israels gerichtet und antisemitisch gemeint sind.

Vor allem zwei Redner richteten sich gegen den Antisemitismus insgesamt. Dieser sei politisch Links und Rechts zu finden. Es wurden Ausführungen zum eingewanderten, migrantischen Antisemitismus gemacht.

Im Folgenden einen Auszug aus der Rede des Vertreters des Flüchtlingsrates Niedersachsen, Dündar Kelloglu.

„… Leider zeigen die wissenschaftlichen Erhebungen, dass mehr als 1/3 der hiesigen  Bevölkerung den Antisemitismus in sich tragen.
Wir wissen alle, dass Antisemitismus viele Facetten hat.
Neben dem offensichtlichen Antisemitismus ist ein anderes Phänomen zu beobachten.
Der unsachliche und emotionale Umgang mit den Problemen im Nahen Osten und der unter dem Deckmantel sogenannter Israelkritik transportierte Antisemitismus.
Nicht Israelkritik ist das Problem. Ich persönlich stehe der aktuellen israelischen Regierung sehr kritisch gegenüber.
Aber wir vergessen eins. Das kann ich als Jurist sagen.

Israel ist der einzige Rechtsstaat im Nahen Osten und die einzige Demokratie. Bei Kritik Israels dürfen wir diese Realität nicht vergessen.
Und uns mit Menschenverachtern nicht solidarisieren.
Wir als Flüchtlingsrat setzen uns selbstverständlich für Menschen ein, die im Nahen Osten, Afghanistan, Syrien, Türkei und Afrika Opfer von Diktaturen geworden sind.
Wir vergessen jedoch, dass in diesen Unrechtsländern in breiten Gesellschaftsschichten und Diktaturen der Antisemitismus wie selbstverständlich zum gepflegten Ton gehört.
In deren Schulbüchern, die zum Teil von uns finanziert sind, ist Judenhass täglich Unterrichtsstoff.
Zu glauben, dass diese Menschen, die antisemitisch erzogen sind, die zu uns kommen, an den Landesgrenzen der Diktaturen ihren Antisemitismus ablegen, ist naiv und ein Irrtum.
Selbstverständlich dürfen wird damit den europäischen und deutschen Antisemitismus nicht verharmlosen. Aber es gehört im Rahmen der Demokratieerziehung zu unserer verfassungsmäßigen Pflicht, auch den Antisemitismus unter den Zuwanderern zu bekämpfen. …“

Dündar Kelloglu, 27.05.2019

Dündar Kelloglu vom Flüchtlingsrat Niedersachsen bei seiner Ansprache
Kundgebung am Kröpcke
Wahlplakat von „Die Rechte“

Attacke bei einer früheren >> Israel-Kundgebung am Kröpcke

2014.07.20_foto_demo_hannover_gaza_2
Das Foto zeigt den Angriff auf die israelische Fahne und die Kundgebungsteilnehmer. Der Angreifer (schwarzes Hemd) migrantischer Herkunft setzt zum Sprung an und verletzt einen Teilnehmer am Rücken. (>> 2014) Gleichzeitig fand eine Demonstration „Free Palestine“ statt.

Beispiel von Antisemitismus bei einer linken Veranstaltung in Linden
Die Veranstaltung „Bis zum letzten Tropfen – Die palästinensische Wasserkrise“ fand am 12.04.2018 im Freizeitheim Linden statt. Schon im Vorfeld gab es Stellungnahmen mit dem Vorwurf einseitiger Stimmungsmache gegen Israel und Antisemitismus. >> mehr

Antisemitismus unter Arabern (Bild.de): >> So groß ist der Hass auf Israel bei jungen Arabern – Umfrage in Berlin-Neukölln

Andere Sichtweisen sind willkommen

Klaus Öllerer
29.05.2019/30.05.2019;15:59


Kommentare

  1. ‚Vor dem Hintergrund der Debatte über „importierten“ oder „zugewanderten“ Antisemitismus wurde die bundesweite Repräsentativumfrage um jeweils 300 Interviews in zwei „Aufstockungsgruppen“ (Türkisch Sprechende, Arabisch Sprechende) ergänzt. Die Ergebnisse zeigen erheblich abweichende Einstellungen an: Türkisch und Arabisch sprechende UmfrageteilnehmerInnen stimmen antisemitischen Aussagen fast durchwegs wesentlich stärker zu als die österreichische Gesamtbevölkerung.

    Während etwa 11 % der Gesamtumfrage erklären, „Wenn ich jemanden kennenlerne, weiß ich nach wenigen Minuten, ob dieser Mensch Jude ist“, sind es bei den Arabisch Sprechenden 43 % und bei den Türkisch Sprechenden 41 %. Der Aussage, „Wenn es den Staat Israel nicht mehr gibt, dann herrscht Frieden im Nahen Osten“ stimmen nur 11 % der Befragten in der österreichweiten Repräsentativumfrage, aber enorme 76 % der Arabisch Sprechenden und 51 % der Türkisch Sprechenden zu. ‚

    https://www.antisemitismus2018.at/die-studie/ (mit den Fragen und Antwortergebnissen im verlinkten PDF; auch die verschiedenen Strukturdimensionen des Antisemitismus‘ werden übersichtlich dargestellt)

  2. Alle die Religion brauchen sollen sie zuhause ausüben und den Rest der Welt damit nicht belästigen!
    So wird auch all den religiös motivierten bzw. begründeten Konflikten dieser Welt der Nährboden entzogen.
    Nicht realistisch, ich weiß, aber die Welt braucht positive Utopien.

  3. Eine Behauptung von Dündar Kelloglu, in unseren Schulbüchern stünde etwas von Judenhass, das habe ich so noch nicht bemerkt. Nur wenn das wirklich belegbar ist, sollte soetwas geschrieben und gesagt werden.. Habe aber starke Zweifel, dass das so ist…

    1. Es ist von den Schulbüchern in den genannten Islamischen Ländern die Rede, die teilweise von Deutschland mitfinnaziert werden – nicht von Schulbüchern in deutschen Scxhulen.

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