3. März 2020

von Klaus Öllerer

Bei einem Stadtteilgespräch stellten die Grünen ihr Konzept einer Verkehrswende auf der Limmerstraße vor. Dieses Konzept war bereits im November letzten Jahres einstimmig von der hiesigen Ortsgruppe beschlossen worden. Im Folgenden eine Betrachtung einiger beabsichtigter Veränderungen. Untenstehend kann der gesamte Beschluß gelesen und downgeloadet werden.

Im Straßenraum sieht das Konzept eine große Ausweitung zugunsten des Fahrrad- und Fußverkehrs vor. Auf einer Karte von Linden-Nord wurden die beabsichtigten Veränderungen dargestellt.

In der Fußgängerzone soll die „Nutzung durch den motorisierten Individualverkehr vollständig unterbunden werden“ – also auch keinen Querverkehr mehr (rote Kreuze im Plan).

Karte: Limmerstraße führt von links oben nach rechts unten.

Die grünen Linien auf der Karte zeigen die beabsichtigte Umwandlung zu Fahrradstraßen an.

Zwischen Kötnerholzweg und Comeniusstr. soll es autofrei werden. Bäume und Fahrradwege kommen hinzu.

Limmerstraße zwischen geplantem Hochbahnsteig Leinaustr. und Comeniusstr. (blau)

Welche Ziele stehen hinter diesem Konzept? Zitat:
Für den Umbau der Stationen (Hochbahnsteige, Red.) muss der Straßenraum völlig neugestaltet und aufgeteilt werden. Die Grünen in Linden-Limmer setzen sich dafür ein, dass dieser Umbau zugunsten der effizienten und ökologischen Verkehrsmittel und des Fußverkehres stattfindet. Nach dem Umbau braucht es mehr Raum für Radfahrerinnen, Fußgängerinnen und für mehr Grün im Straßenraum. Dies muss zulasten des bisher zugestandenen Platzes für den motorisierten Individualverkehr geschehen. Dieser Umbau wird für alle Lindenerinnen, Besucherinnen und den Einzelhandel in Linden-Nord ein Gewinn.

Das Konzept sieht eine weitere Einschränkung des Autoverkehrs in Linden-Nord vor. Jetzt schon gibt es zu wenig Parkplätze. Notparken und auch im moralischen Sinne Falschparken nehmen dem Eindruck nach zu. Neben den üblichen Knöllchen geschehen auch soziale Konflikte. So spielte die Vernichtung eines Notparkplatzes am Kötnerholzweg eine deutliche Rolle bei der Schließung von Fisch Hampe [1].

Dem Eindruck nach spielten mögliche und zu erwartende Konflikte mit Autobesitzern und Fahrern bei diesem Konzept keine Rolle. Ein gezieltes ansprechen und einbeziehen dieser großen Einwohnergruppe ist bisher anscheinend nicht beabsichtigt.

An die dreissig Besucher waren erschienen

Im Wortlaut
Bündnis 90/Die Grünen Stadtteilgruppe Linden-Limmer
>> linden-limmer.gruene-hannover.de

 Limmerstraße umverteilen!

Ausbau der Barrierefreiheit auf der Limmerstraße zur Neuordnung des Straßenraums zugunsten Fahrrad- und Fußverkehrs nutzen.

Noch immer sind im Stadtbezirk Linden-Limmer zahlreiche Stadtbahnsteige nicht barrierefrei. Auf den Strecken der Linien 9 und 10 ist in den kommenden Jahren der Umbau der Haltestellen Am Küchengarten, Leinaustraße, Ungerstraße, Harenberger Straße, Lindener Marktplatz, Nieschlagstraße, Bernhard-Caspar-Straße und Am Lindener Hafen nötig. Der schnelle barrierefreie Ausbau der Stadtbahnstationen ist für uns eine Selbstverständlichkeit und darf nicht infrage gestellt werden!

Für den Umbau der Stationen muss der Straßenraum völlig neugestaltet und aufgeteilt werden. Die Grünen in Linden-Limmer setzen sich dafür ein, dass dieser Umbau zugunsten der effizienten und ökologischen Verkehrsmittel und des Fußverkehres stattfindet. Nach dem Umbau braucht es mehr Raum für Radfahrer*innen, Fußgänger*innen und für mehr Grün im Straßenraum. Dies muss zulasten des bisher zugestandenen Platzes für den motorisierten Individualverkehr geschehen. Dieser Umbau wird für alle Lindener*innen, Besucher*innen und den Einzelhandel in Linden-Nord ein Gewinn.

In den Jahren 2021/2022 soll zunächst der Umbau der Haltestelle Ungerstraße stattfinden. In den bisherigen Entwürfen der INFRA (Infrastrukturgesellschaft der Üstra) sind für Auto- und Bahnverkehr eine Fläche von 17,25 Meter vorgesehen. Während sich Fußgänger*innen und Radfahrer*innen mit nur 7,25 Meter der insgesamt 25 Meter auskommen müssen. Für die Radfahrstrecke heißt das: Auf Höhe der zukünftigen Stadtbahnsteige gibt es nur einen explizit ausgewiesenen Radweg in Richtung Limmer. Dies würde die gefährliche Situation für Radfahrer*innen auf der Limmerstraße weiter nicht verbessern. Insbesondere für Familien und alte Menschen bliebe Radfahren dort ein gefährliches Abenteuer.

Am westlichen Ende lässt die Attraktivität der Limmerstraße leider sehr nach: unzählige Parkplätze, fehlende Radwege und Bäume bestimmen das Straßenbild. Eine Erweiterung der Fußgängerzone auf der Limmerstraße würde zu mehr Lebensqualität und mehr Sicherheit führen. Die Reduzierung von Parkplätzen würde mehr Raum für endlich gekennzeichnete Radwege und Bepflanzung mit Bäumen ermöglichen.

Die Verkehrswende ist ein zuweilen schmerzhafter Prozess. Am Ende gewinnen jedoch alle: Der Einzelhandel, Fahrgäste, das Klima und die Menschen in Linden-Limmer. Der Umbau der Limmerstraße könnte ein weiterer wichtiger Baustein für die Stadt von Morgen sein.

Bündnis 90/Die Grünen Linden-Limmer fordern:

– Umverteilung des Straßenraums in Linden-Limmer: Mehr Platz für effiziente und klimafreundliche Fortbewegungsmittel und für den Fußverkehr!

– Die Limmerstraße braucht vom Kötnerholzweg bis zu ihrem Ende Richtung Limmer durchgehende beidseitige Radfahrstreifen auch und gerade neben den zu bauenden Hochbahnsteigen. Diese sollen, wenn möglich, eine Breite von mindestens 2,00 Metern aufweisen und müssen baulich von Fußweg und Fahrbahn getrennt sein

– Die Breite der Fußwege darf durch zukünftige Umbauten nicht reduziert werden.

– In der bestehenden Fußgängerzone muss endlich eine Nutzung durch den motorisierten Individualverkehr vollständig unterbunden werden.

– Die Limmerstraße soll ab dem Kötnerholzweg bis zur Comeniusstraße autofrei werden. Ausweichverkehre sollen durch Einbahnstraßenregelungen verhindert werden. Die dadurch entstehenden Freiräume, wie etwa am Ende des Kötnerholzweges müssen zur Steigerung der Lebensqualität aufgewertet und in bestehende Freiraumentwicklungskonzepte eingebunden werden.

– Mit Fertigstellung der Hochbahnsteige muss der Buslinie 700 eine Ausweichstrecke zugewiesen werden, die nicht durch die Fußgängerzone führt.

– Bei der Gestaltung des Abschnitts der Limmerstraße vom Kötnerholzweg zur Comeniusstraße müssen Straßenbäume gepflanzt werden.

– Um eine Ausweichroute für Fahrradfahrer*innen zu schaffen sollen die Ahlemer Straße und die Pavillonstraße zu einer parkplatzfreien Fahrradstraße ausgebaut werden. (Siehe Bezirksratsanträge: 15-1343/2018 & 15-1070/2019)

– Um eine Verbauung der Nord-Süd Achse für Radfahrende durch den zukünftigen Hochbahnsteig Offensteinstraße zu verhindern, soll die Leinaustraße zur Fahrradstraße umgebaut werden. (Siehe Bezirksratsantrag: 15-0463/2018)

– Die Zahl der Fahrradbügel/-Stellplätze auf der Limmerstraße (bzw. in den Seitenstraßen) muss deutlich erhöht werden.

– Beim Bau der Hochbahnsteige ist auf höchstmögliche Funktionalität zu achten. Die Überdachung der Bahnsteige darf nicht die Bewegungsfreiheit der Fahrgäste einschränken.

– Die Haltestellendächer der Stadtbahn sollen begrünt und/oder mit Solarzellen ausgestattet werden. (Siehe Bezirksratsantrag: 15-2334/2019 N1)

Einstimmiger Beschluss der Stadtteilgruppe Bündnis 90/Die Grünen Linden-Limmer am 05.11.2019.

Quellen
[1] Fischgeschäft: Letzte Abpollerung war wie „Dolchstoß“ und die Kritik der Kritiker >> mehr

Andere Sichtweisen sind willkommen.

Klaus Öllerer
03.03.2020


Kommentare

  1. Merkwürdig, dass ich hier Kommentare lese, die mich sehr an die Weltuntergangsszenarien erinnern, die manche Anwohner entworfen hatten, als in der Limmerstraße Ende der 90er die Fußgängerzone bereits schon einmal erweitert wurde. Damals gab es bereits die kurzen Fußgängerzonen-Abschnitten im Bereich der Haltestellen Küchengarten und Leinaustraße. Und die Limmerstraße hat eindeutig gewonnen durch die Erweiterung dieser kurzen Abschnitte zur heutigen Fußgängerzone.
    Und es ist gut, dass die Grünen nach 20 Jahren endlich den weiteren Ausbau der Fußgängerzone Limmerstraße vorantreiben! Sehr schön!
    Reichlich scheinheilig kommt mir das Gejammere um angeblich verlorene Auto-Stellplätze vor. Schließlich hatte die Stadt auf Wunsch des Bezirksrates mehr als ein Jahrzehnt lang in der Velberstraße im Bereich der ehemaligen Kohlehandlung einen Bauplatz für ein automatisches Parkhaus vorgehalten. Dass es nie gebaut wurde hat vor allem damit zu tun, dass es keine wirkliche Nachfrage nach Auto-Stellplätzen gibt im Stadtteil.
    Also liebe Autofahrer, hört gefälligst auf, hier Krokodilstränen zu vergießen!
    Plant einen kleinen Spaziergang ein, wenn es um euren Auto-Abstellplatz geht. Andere Leute fahren mit Bus und Bahn, die haben auch einen kleinen Spaziergang zur Haltestelle. Das schafft ihr auch! Echt eh, wie kann man sich nur so anstellen? Mimimimi … ich finde keinen Auto-Stellplatz vor meiner Haustür, und jetzt muss ich doch glatt auch noch mehr als hundert Meter zu Fuß gehen.
    Was ich aber noch ätzender finde als das „Mimimimi“ der Autohalter, ist die Komplettverweigerung mancher Stadtteilbewohner gegen die Errichtung der Hochbahnsteige auf der Limmerstraße. Die machen mich nur noch sauer, weil sie einfach keinen alternativen Gestaltungsvorschlag auf den Tisch legen, der die Barrierfreiheit ermöglichen würde. Stattdessen beschränken sie sich auf Schreckensszenarien, die andernorts, wo Hochbahnsteige gebaut wurden, nie eingetreten sind.

    1. Soll nicht die Fußgängerzone nur deshalb erweitert werden, damit der Hochbahnsteig verlegt werden könnte?
      Die Limmerstraße hat an ihrer einstigen Vielfalt verloren und ist zur „Fressmeile“ verkommen. Kleine beliebte Geschäfte wurden verdrängt. Ein Gewinn hat die Fußgängerzone nur für Gastronomen und Gemüsehändler gebracht, weil sie jetzt nicht nur den Fußweg sondern auch einen Teil der Fahrbahn mit ihren Tischen/Stühlen/Waren vollstellen können. Ohne Bus-, Bahn- und Radverkehr wäre sie ein Gewinn! Am besten noch mit ein paar Grünflächen in der Mitte und Spielmöglichkeiten für Kinder.

  2. Corona hin, Corona her! Wer schützt uns von den Grünen?
    Die Comeniusstraße freut sich schon jetzt auf den Durchgangs- und Parkplatzsuchverkehr.

    Gegen Grüne Meinungsdiktatur!!!

    Ein Bewohner der Comeniusstraße

  3. So ein Schwachsinn kann nur den Grünen einfallen.
    Per Definition ist die Limmerstraße eine Fußgängerzone – wie man immer steif und fest behauptet. Nun soll also in einer Fußgängerzone der Raum zugunsten der Fußgänger umverteilt werden. Aha. Ganz toll. Und der „motorisierte Individualverkehr“ soll dort reduziert werden, wo er gar nicht stattfindet. Hurra.
    Ich glaube, ich ziehe auch nach Linden-Nord. Wo so viele Beknackte wohnen, wird sich der Corona-Virus niemals hin trauen. 🙂

    1. Herzlichen Glückwunsch.
      Einer der besten Beiträge, die ich hier jemals gelesen habe.
      Den ganzen Widersinn dieser „Politik“ in wenigen Sätzen präzise zusammengefasst und am Ende noch die nötige Prise Sarkasmus dazu.
      Perfekt!

  4. Die Anwohner der umliegenden Straßen werden sich freuen, wenn demnächst mehr Autos durch ihre Straßen fahren. Eine Zunahme von verkehrswidrig abgestellten Fahrzeugen ist damit vorprogrammiert! Viele der umliegenden Straßen sind zudem Einbahnstraßen, diese müssten dann logischerweise in beide Richtungen befahrbar sein, außer man möchte die Bewohner der umliegenden Straßen verärgern! Warum kann nicht eine der Paralellstraßen autofrei sein? Die Limmerstr. ist eine Fußgängerzone, aber Radfahrer sehen sie als gesetzlose Zone, in der sie überall fahren dürfen, selbst auf dem Fußweg, besonders vor Rewe. Dabei könnte die Elisenstr. zur Fahrradstraße umfunktioniert werden. Autos wären dann nur noch zum Queren und im Bereich bis zur Kochstr erlaubt. Für die wegfallenden Parkplätze könnten vielleicht an anderer Stelle neue entstehen.

  5. Als Zweirad- und Autofahrer aus Linden-Nord muss ich sagen: Absoluter Unsinn, weil nicht praxisgerecht!

    Grüne, denkt bitte daran, dass nicht jede/r/*/innen nur Radfahren kann. Wer ein Auto braucht, muss auch damit in die Nähe seiner Wohnstätte kommen können; im Sinne der Umwelt am besten ohne drei Kilometer Umweg zu fahren.

    1. Was für eine anmaßende Forderung!
      Man hat seine Mobilitätsbedürfnisse selbstverständlich untertänigst an dem politisch verordneten Lebensmodell der Grünen auszurichten. Andere Alltagsbedürfnisse sind grundsätzlich illegitim und reaktionär.

    1. U-Bahnen sind für die Grünen Teufelswerk und der direkte Weg in den Faschismus. Wer nicht Fahrrad fährt, der hat kein Recht auf Mobilität.

  6. „Der schnelle barrierefreie Ausbau der Stadtbahnstationen ist für uns eine Selbstverständlichkeit und darf nicht infrage gestellt werden!“ Sowas schafft keine Inklusion, sondern fühlt sich an wie mundtot. Ich habe damit ein Problem und ich bin Grüne.

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