9. Oktober 2019

Anmerkung der Verfasser des Schreibens:

„Mit diesem Brief wollten wir die deutschen Kolleginnen auf die dramatische Situation der Arbeiterinnen im Iran aufmerksam machen.
Im Strom der stündlich wachsende Meldungen über Iran, Kriegsgefahr und der Situation am Persischen Golf, wird dem realen Alltag kaum Beachtung geschenkt.
Je mehr der äußere Druck auf das Regime im Iran wächst, um so mehr steigt die Repression des Regims in Tehran.
Aus diesem Grund haben wir die deutschen Gewerkschaften zur aktiven Solidarität mit ihren Kolleg*innen im Iran aufgerufen.
Wir glauben, dass unser Brief an die Gewerkschaften Informationen enthält, die für ihre Arbeit über den Iran hilfreich sein kann.“

Schreiben an verschiedene Gewerkschaften:

Das Forum der iranischen Demokrat*innen und Sozialist*innen in Hannover, >> kanoon.hannover@gmail.com

c/o kargah e.V.
Zur Bettfedernfabrik 1
30451 Hannover
Tel.: 01778416132
Hannover, 7. Oktober 2019

IG Metall Hannover
Postkamp 12, 30159 Hannover

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Redner*innen vom DGB und Herr Thomas Hermann haben auf dem 1. Maifest dieses Jahres verantwortungsvoll die Verhaftung und die unmenschliche Behandlung von Esmail Bakhshi, dem Arbeiteraktivisten im Iran, durch die Regierungsbehörde sowie die Verhaftung der Teilnehmer*innen am 1. Maifest in Teheran verurteilt.

Mit großem Bedauern müssen wir mitteilen, dass Esmail Bakhshi und andere Verhaftete statt ihrer Freilassung und Entschädigung, zu sehr hohen Haftstrafen und zusätzlichen Peitschenhieben verurteilt wurden.

Außerdem überfielen am Montag den 16. September dieses Jahres die Spezialeinheiten, zivile Sicherheitskräfte des islamischen Regimes, die streikenden Arbeiter*innen der iranischen Maschinenfabrik Heavy Equipment Production Company (HEPCO) in Arak. Im Zuge dessen wurden mehrere Arbeiter*innen brutal niedergeschlagen und verletzt.

Dieses Unrecht ist absolut inakzeptabel! Die barbarische Behandlung der Arbeiter*innen, die lediglich für ihre Rechte legal und friedlich protestieren, durch die Behörden und die “Justiz” der islamischen Regierung im Iran, muss von Seiten der Öffentlichkeit im Iran und weltweit eine adäquate Antwort erhalten.

Wie können wir gemeinsam auf dieses Unrecht reagieren? Wir möchten diesbezüglich unbedingt mit Ihnen ins Gespräch kommen und bitten Sie deshalb, uns Terminvorschläge für ein gemeinsames Treffen zu nennen. Zu diesem Zweck erreichen Sie Frau Ferdos Mirabadi Telnr.: 017684302931 oder Herrn Kiumars (Hossein) Naghipour Telnr.: 017681070443

Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit und warten auf Ihre Antwort!! Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Das Forum der iranischen Demokrat*innen und Sozialist*innen in Hannover

*Nachfolgend finden Sie eine Liste, die nur zu einem Bruchteil auf das stattfindende Unrecht hinweist:

– Herr Esmail Bakhshi, Arbeiteraktivist von der Zuckerfabrik Hafttappe: Zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt

– Herr Mohammad Khannifar, Arbeiteraktivist von der Zuckerfabrik Hafttappe: Zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt

– Frau Sepideh Gholiyan, Journalistin: Zu insgesamt 5 Jahren Gefängnis verurteilt

– Herr Rasool Seyed Taleb Moghaddam, Mitglied der Arbeitergewerkschaft der Teheraner Busgesellschaft: Zu 2 Jahren Haft, 2 Jahren Exil nach Süd-Khorasan und 74 Peitschenhieben verurteilt

– Herr Hassan Saeedi, Mitglied der Arbeitergewerkschaft der Teheraner Busgesellschaft:

Zu 5 Jahren Gefängnis, 2 Jahren Zivilrechtsentzug und Verbot der Smartphonenutzung verurteilt

– Frau Nasrin Javadi, Mitglied des Verwaltungsrates der Freihandelsgewerkschaft Iran: Zu 7 Jahren Haft verurteilt

– Frau Atefee Rangariz, Soziologin: Zu 11 Jahren und 6 Monaten Haft und 74 Peitschenhieben verurteilt

– Frau Marzie Amiri, Journalistin: Zu 10 Jahren Haft und 148 Peitschenhieben verurteilt

– Herr Mohammad Taghi Fallahi, Generalsekretär des Lehrerverbandes: Zu 8 Monaten Gefängnis und 10 Peitschenhieben verurteilt

– Frau Sahar Khodayari “das blaue Mädchen” wurde festgenommen, weil sie ein Fußballspiel besuchen wollte. Sie zündete sich nach einem Gerichtstermin an und erlag ihren Verletzungen.

Unsere Vorschläge:

1- Verurteilung kürzlich erfolgter Verhaftungen und schwerer Haftstrafen

2- Protestschreiben an die Bundesregierung für das Ignorieren der Menschenrechtsverletzungen im Iran zugunsten der Wirtschaftsbeziehungen und des Atomabkommens.

3- Protestschreiben an das Europäische Parlament, das wegen des Atomabkommens gegen die Menschenrechtsverletzungen im Iran nicht adäquat reagiert.

4- Arbeiteraktivist*innen wurden ungerechtfertigt zu sehr hohen Haftstrafen verurteilt. Warum reagierten die Gewerkschaften in der BRD darauf bisher nicht?

5- Forderung einer internationalen Delegation, die iranische Gefängnisse besucht um die rechtliche Situation vor Ort zu prüfen. 6-Forderung an deutschsprachige Medien über die Situation der Gefängnisse im Iran und die hohen Haftstrafen für viele Journalist*innen zu berichten.

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Titelbild: >> Limmerstraße: Demo gegen die Islamische Republik Iran – Eindrücke

09.10.2019


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