18. Juni 2019

Pressemeldung
Kulturrat der Kulturhauptstadt Hannover 2025

Offener Brief an die Mitglieder des Rates der Landeshauptstadt Hannover

Sehr geehrte Damen und Herren,

Hannover bewirbt sich für das Jahr 2025 als Kulturhauptstadt Europas.

Wir sind der Kulturrat, ein Expert*innengremium, das sich aus Vertreter*innen der unterschiedlichen Kulturszenen Hannovers zusammensetzt. Unsere Aufgabe ist es, im Kontext der Kulturhauptstadt Bewerbung und des Kulturentwicklungsplans die Verwaltung zu den kulturellen und künstlerischen Inhalten zu beraten.

Vergangene Woche hat der Kulturausschuss das Kulturbudget der Stadt Hannover für die Jahre 2021 bis 2026 beschlossen.

Teil des Beschlusses sind eine jährliche Steigerung des Etats um 1,5%, sowie die Anmerkung, dass die Maßnahmen des noch nicht fertig gestellten Kulturentwicklungsplans (KEP) darin enthalten sein sollen. Weitere Informationen finden sich in der Beschlussvorlage.

Als Kulturrat sprechen wir uns aus folgenden Gründen gegen diesen Beschluss aus:

1. Die Bewerbung als Kulturhauptstadt ist ein Bekenntnis zu Kultur. Der Titel als Kulturhauptstadt Europas ist kein reiner Preis, sondern vielmehr eine Förderung für unsere Stadt. Kulturelle und künstlerische Positionen und Herangehensweisen werden damit zu einem Schwerpunkt des städtischen Diskurses und Handelns. Dazu ist ein Rückhalt über das Kulturbüro hinaus sowie eine angemessene finanzielle Ausstattung des Prozesses dringend erforderlich.

Eine jährliche Steigerung des Kulturetats von 1,5% ist ein deutlicher Rückgang zu der Dynamisierung der vergangenen Jahre (hier geschätzt 4,5%, der Kämmerer Dr. Axel von der Ohe hat in der Sitzung eine präzise Angabe verweigert). Mit dem Beschluss zeigt die Politik sehr deutlich, dass Kultur in Hannover zwar weiterhin gefördert werden soll, aber eindeutig nicht im für eine Kulturhauptstadt erforderlichen Maß im Fokus steht.

Die voraussichtliche Inflation sowie den Anstieg von Gebäudemieten und Personalkosten mit einbezogen, könnte die beschlossene Summe real sogar eine Kürzung des Kulturbudgets bedeuten.

2. Um sich als Kulturhauptstadt zu bewerben, ist ein Kulturentwicklungsplan (KEP) erforderlich. Der KEP der Stadt und Region Hannover ist noch nicht fertiggestellt, sondern befindet sich mitten in der Beteiligungsphase.

Bevor seine Maßnahmen ausgearbeitet sind, das Budget zu bestimmen, und noch dazu ein so geringes, gefährdet die für eine Kulturhauptstadt und die Kulturschaffenden so wichtige Perspektive auf eine Weiterentwicklung der kulturellen und künstlerischen Inhalte.

3. Ein weiterer tragender Bestandteil einer Kulturhauptstadt und des KEP ist eine aktive und arbeitsfähige Kulturszene. Wenn sichtbar wird, dass der politische Rückhalt nicht gegeben ist und die Inhalte nicht umgesetzt werden können, besteht die große Gefahr, die Unterstützung der Kulturszene zu verlieren, die mit großem ehrenamtlichen Einsatz an der Entwicklung des KEP und der Kulturhauptstadtbewerbung arbeitet. Die anwesenden Kulturschaffenden haben beim Kulturausschuss am 12.06.2019 ihre Bedenken geäußert.

Wir bitten Sie darum, diese ernst zu nehmen.

Wir als Kulturrat stehen hinter der Bewerbung Hannovers als Kulturhauptstadt Europas 2025, solange diese wahrhaftig ist. Dazu gehört für uns, dem zuständigen Bewerbungsteam und der Kulturszene den notwendigen Spielraum und die Unterstützung zu geben, wirkungsvolle Inhalte, Prozesse und Formate zu entwickeln.

Wird das Kulturbudget im vorgesehenen Umfang beschlossen, sehen wir die Ernsthaftigkeit und den politischen Rückhalt der Bewerbung Hannovers zur Kulturhauptstadt Europas ernsthaft in Frage gestellt.

Daher fordern wir von Ihnen Transparenz und Aufklärung über die konkreten finanziellen Zusammenhänge. Zudem bitten wir Sie, bei der Ratsversammlung am 27.06.2019 eine größere jährliche Steigerung des Kulturbudgets zu fordern und die Finanzierung des KEP von diesem Budget auszunehmen.

Wir stehen Ihnen beratend zur Seite. Nehmen Sie dies bitte ernst.

Mit freundlichen Grüßen,
der Kulturrat

>> Kulturhauptstadt Hannover 2015

Mitglieder des Kulturrats

Vorsitz: Magdalena Jackstadt (Hannover VOIDS, Gesellschaft für außerordentliche Zusammenarbeit e.V.) und Stefan

Becker (Vorsitzender Freunde des Sprengel Museum Hannover e.V .)

Sonja Anders (Intendantin Schauspiel Hannover)

Henning Chadde (Büro für Popkultur, “Macht Worte!” – der hannoversche Poetry Slam, SLAM 2017)

Gunnar Gessner (Musikzentrum Hannover)

Thomas Granseuer (QUINTESSENZ)

Benjamin Grudzinski (Platzprojekt e.V.)

Burkhard Inhülsen (Initiator up-and-coming Int. Film Festival)

Samuel Henne (Freier Künstler)

Dr. Peyman Javaher-Haghighi (Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen e.V. (NeMO))

Lena Kußmann (Künstlerische Leitung Theater an der Glocksee / Sprecherin Freie Theater Hannover)

Joy Lohmann (Street Art Künstler)

Stephan Lohr (Literaturkritiker / langjähriger Leiter der NDR Kultur und Literatur Redaktion)

Ingo Metzmacher (Intendant KunstFestSpiele Herrenhausen)

Wolfgang Pruisken (Vorsitzender CircO Hannover e.V.)

Kathleen Rahn (Direktorin Kunstverein Hannover)

Prof. Dr. Cornelia Rauh (Vorstand Historisches Seminar der Leibniz Universität Hannover)

Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann (Präsidentin der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover)

Prof. Dr. Detlef Schmiechen-Ackermann (Direktor Institut für Didaktik der Demokratie der Leibniz Universität Hannover)

Prof. Gudrun Schröfel (Leiterin Mädchenchor Hannover)

Christoph Sure (Geschäftsführer Kulturzentrum Pavillon) Christiane Winter (Leiterin TANZtheater INTERNATIONAL)

18.06.2019


Kommentare

  1. Als Bürger dieser Stadt sage ich „Hört auf mit dem ganzen Unsinn!“!
    Hannover ist jetzt schon überlaufen, überall ist es voll, Wohnungen sind schwer zu finden.
    Vor diesem Hintergrund sollte die Stadt Alles unterlassen, was ihre Beliebtheit weiter steigert!!!

    1. Kann dir nur zustimmen.
      Eine Stadt, die auch nach Jahren immer noch nicht in der Lage ist, mit Lärm, Dreck und sonstigen Kollateralschäden der sogenannten Kultur (besonders in Linden) umzugehen, sollte nicht mal daran denken!!!
      Erstmal Verantwortung übernehmen für die derzeitigen Missstände und beweisen, dass man angemessen damit umgehen kann !!!
      Bisher kriegen es Stadt und Polizei v.a. in Linden nicht gebacken, was soll denn das für eine Kulturhauptstadt werden?
      Es geht ja auch nicht um Kultur, sondern wieder nur darum, dass einige wenige auf dem Rücken aller anderen Profit machen und Steuern in die Stadtkasse spülen, die dann auch dringend gebraucht werden, weil man ja schon um den Antrag zu stellen viel Geld rausgeschmissen hat.
      Herzlichen Glückwunsch zu einer riesigen Dummheit!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.