2. Dezember 2020

Eigentlich ist dort schon längst ein Bankenviertel entstanden. Sieben Bänke stehen neuerdings an der Deisterstr. und gegenüber dem Deisterkreisel auf der Wachsbleiche. Mit Finanzen hat das nur insofern etwas zu tun, als die Initiatoren sich um die Geldbeschaffung für die Bänke einige Gedanken machen mußten.

Das Ganze hat mit einem Gestaltungsprojekt für die Nachbarschaft zu tun. Das Projekt heißt Außenraumkonzept zur Deisterstraße und begann etwa 2015. Beteiligt sind der Deisterkiez e.V und das Quartiersmanagement. [1]

Altersgerechtes Sitzmobiliar ist wegen dem demografischen Wandel besonders gefragt. Senioren sollen sich angenehm im Öffentlichen Raum aufhalten und dort sitzen können. Die zwei Armlehnen an dem Einzelplatz pro Bank helfen dabei.

Am letzten Donnerstag (26.11.2020) wurden sieben Bänke eingeweiht. Hier als Beipiel die Bank Nummer 2 auf dem Deisterkreisel.

Carsten Tech, Quartiersmanagement + Thomas Weinert, Vonovia, Regionalleiter Region Hannover + Stefan Rose, Dipl. Geogr., vom Quartiersmanagement beauftragter Fachmann für die Außenraumthemen Deisterkiez

Die Einweihung erfolgt durch abschneiden der Banknummer.

Im folgenden Video weiht Bewohner Jürgen „seine“ Bank ein.

Zur Vorgeschichte

Alles begann mit den Erkenntnissen der von Martin Lange [2] im Oktober 2012 veröffentlichten Seniorenstudie und den Ergebnissen einer, vom Deisterkiez beauftragen, Einzelhandelsstudie der CIMA zur Aufwertung der Deisterstraße. Einerseits erkannten wir, dass das Viertel am Volkspark (das
dreieckige Quartier rund um den Sporlederweg) kleinräumig die älteste Bewohnerschaft des Stadtteils aufwies und andererseits über keinerlei nennenswerte Infrastruktur verfügte. Hier fassten wir mit Begehungen und Befragungen nach.

Zur gleichen Zeit machte sich der Deisterkiez auf, den Außenraum nach Kiezkriterien zu stärken. Der Verein war sich darüber im Klaren, nur über einen attraktiven Außenraum, auch eine interessante Lage für spannende Läden werden zu können. Zudem wurde mehrfach beobachtet, wie sich im Außenraum ältere Menschen oftmals auf den, nicht dafür vorgesehenen Pflanzkübeln, mit ihren Einkaufstüten, ausruhten.

Nachdem Herr Lange sich in den Jahren 2015 und 2016 über den Europäischen Nachbarschaftstag mit mehreren Befragungen im „Viertel im Volkspark“ an die Bewohnerschaft des Quartiers annäherte, wurde Herr Stefan Rose mit einem Konzept für die Umsetzung und Umwandlung der Empfehlungen der CIMAErgebnisse (nach realistischen Umsetzungskriterien) beauftragt. Im Jahr 2016 veröffentlichte er das „Konzept zur Verbesserung des Außenraums und der Aufenthaltsqualität in der Deisterstraße“, dass er danach begann sukzessive umzusetzen.

Er begleitete die Maßnahmen Fahrradabstellplätze zu schaffen, Strom-Verteilerkästen kiezartig gestalten zu lassen, Müllbehälter zu bemalen und mit aha nach Bedarf umzuplatzieren, Informationsschilder unter die Straßenschilder anzubringen, neue Baumscheiben-Modelle zu entwerfen (sehr erfolgreich gegen Müllablagerungen, Hundekot und Vandalismus) und der Straße entlang aufzustellen, anschließend die Pflege (tlw. mit Patenschaften) zu organisieren.

Im „Viertel am Volkspark“ konnte inzwischen eine aktive Nachbarschaft entwickelt werden, was nur gelang, weil uns die Vonovia, die dort den Hauptbestand an Wohnungen hält, ihren leerstehenden Kiosk seit 2016 kostenfrei zu Verfügung stellte und bedarfsgerecht umbaute. Der Ort ist zum Treffpunkt geworden, den Herr Lange seitdem mit einem kleinen Stundenanteil begleitet.

Es wurde deutlich, dass sich in diesem Quartier gegenseitig viel geholfen wird, dass die Familien oftmals die Versorgung mitübernehmen, aber auch, dass es ältere Menschen dort gibt, die ihre beschwerlichen Besorgungstouren kaum noch schaffen und Orte des Ausruhens, sprich Sitzmöglichkeiten vermissten.

Als mit den Sitzbänken, der letzte Part zur finalen Umsetzung des Außenraumkonzeptes für die Deisterstraße anstand, flossen beide Entwicklungen ineinander und die ursprünglich nur für die
Deisterstraße konzipierten Bänke, fanden einen Ausläufer in Richtung Viertel am Volkspark in regelmäßigen Abständen.

Die Bänke bekamen, für Senioren wichtige, Armstützen und Rückenlehnen, sind trotzdem elegant und von 2-3 Personen gleichzeitig zu nutzen. Ihre Konstruktion ermöglicht keine Liegeposition. Lassen Sie sich von der Form überraschen. Wir freuten uns sehr mit unseren groben Skizzen den Stützpunkt Hölderlinstraße der Stadt Hannover gewinnen zu können, die diese Bänke dann perfektionierte und als Unikate angefertigte. Im Sommer 2019 konnte der erste Prototyp auf Höher der Deisterstarße 66 platziert wurden, sechs weitere folgten dieses Jahr.

Alle Bänke wurden gesponsert und hier bedanken wir uns vor allem bei der Vonovia, die die beiden letzten Bänke (Nr. 1 und 2) in Richtung des „Viertels am Volkspark“ übernommen hat. Am 26.11. möchten wir diese Route durch das Bankenviertel Linden-Süds gemeinsam mit Ihnen begehen. Zu Beginn hat jeder Projektpartner die Möglichkeit von seinen Erfahrungen zu berichten. Das wird sicherlich ein spannender Spaziergang mit viel frischer Luft und ausreichend Abstand!

Das Quartiersmanagement bedankt sich ganz herzlich bei allen Projektebeteiligten, auch bei denen, die hier nicht namentlich erwähnt wurden, sich aber für die Sache stark gemacht haben. Es hofft darauf in
Zukunft weitere gute Beiträge für den Stadtteil Linden-Süd realisieren zu können. Als kleiner Vorgeschmack sind eine, demnächst final abgeschlossene Müllstudie Linden-Süds und das von Aktion
Mensch geförderte Projekt „Barrierefreie Deisterstraße“ des FELS e.V. mit der Lebenshilfe (Normal in Linden) und dem Deisterkiez, zu nennen. Hier wird gemeinsame Sache gemacht, hier enstehen Synergien!

Carsten Tech
Quartiersmanagement

Anhang

[1] Konzept vom August 2016

[2] Martin Lange
ist Dipl. Geogr und Koordinator beim Nachbarschaftskiosk Sporlederweg, Autor der „Seniorenstudie Linden-Süd“ und aktuell der „Müllstudie Linden-Süd“

öl/01.12.2020

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