14. November 2019

Wasserstadt Limmer

Neubausiedlung für Nachhaltigkeit ausgezeichnet – zieht das Stadtarchiv in alte Conti-Fabriken?

von Wolfgang Becker

Feierstunde am 13. November bei der Wasserstadt Limmer. Stolz nahm WLEG-Geschäftsführer Jörg Jungesblut das Vorzertifikat der DGNB für die geplante Neubausiedlung entgegen. Nebenbei verkündete er eine Sensation: Es gibt neue Pläne für die Altgebäude.

Das neue Quartier Wasserstadt Limmer hat als erstes Projekt Niedersachsens das Vorzertifikat in Gold von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) erhalten. Mit dem Gütesiegel werden die besonders hohen Nachhaltigkeitsstandards des Bauvorhabens in ökologischer, soziokultureller, funktionaler, technischer und ökonomischer Hinsicht gewürdigt. Im Rahmen einer Feierstunde überreichten die Auditoren des Projektes die von der DGNB offiziell verliehene Urkunde. Die Wasserstadt Limmer Projektentwicklung GmbH (WLEG) will auf der Industriebrache der Continental AG in den nächsten zehn Jahren in dem neuen Quartier auf einem 237.800 m² Grundstück am Leineabstiegskanal rund 1.800 Wohneinheiten bauen lassen.

In der Wasserstadt wird schon eifrig gebaut – Foto Wolfgang Becker

„Wir haben mit dieser Vorzertifizierung einen Meilenstein in unserer Projekthistorie erreicht, für Niedersachsen ist sogar eine Premiere. Das bestärkt uns einmal mehr in unserer Vision, mit der Wasserstadt Limmer neue Maßstäbe in Bezug auf Nachhaltigkeit und Nutzungsmischung zu setzen“, sagte Architekt Jörg Jungesblut (WLEG) in seiner Dankesrede.

Geschäftsführer Jörg Jungesblut mit der Auszeichnung – Foto Wolfgang Becker

Auch Stadtbaurat Uwe Bodemann war voll des Lobes: „Die Wasserstadt Limmer ist nicht nur das größte innenstadtnahe Bauprojekt Hannovers, es ist auch ein großer Schritt in die Zukunft. Wir wollen uns mit der gesamten Planung auf die gesellschaftlichen und umweltlichen Herausforderungen bestmöglich vorbereiten. Diese sind neben dem Aspekt der Nachhaltigkeit vor allem die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum. Das Wohnquartier soll ein gut durchmischter, lebendiger und auch bezahlbarer Stadtteil mit hoher Lebensqualität für alle werden“, sagte der im kommenden Jahr aus dem Amt scheidende Baudezernent.

Stadtbaurat Uwe Bodemann hat den Planungsprozess der Wasserstadt jahrelang begleitet – Foto Wolfgang Becker

Ganz nebenbei wurde auf der Veranstaltung auch mitgeteilt, dass es neue Perspektiven für die Conti-Fabriken gibt. Investor Günter Papenburg, der offenbar mit der Wasserstadt sein Lebenswerk krönen möchte, wolle bis zu 80 Millionen Euro in die Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude stecken. Angedacht im Gespräch mit der Stadt sei die Schaffung von Räumlichkeiten und Magazinen für das Stadtarchiv. Im Sommer noch hatte die WLEG aus wirtschaftlichen Gründen den Abriss der seit 1998 leerstehenden Fabriken beantragt. Gegen die Ablehnung dieses Antrags klagt Papenburg jetzt vor dem Verwaltungsgericht. „Ich würde die Gebäude auch gern sinnvoll nutzen“, sagte der 80-jährige Bauunternehmer am Rande der Feierstunde. Eine Rede hielt er dort nicht.

Investor Günter Papenburg mit einem Journalisten vor einem Modell der Wasserstadt – Foto – Wolfgang Becker
WLEG-Geschäftsführer Jörg Jungesblut spricht auf der Feierstunde zur Zertifizierung – Foto Wolfgang Becker
Nicht immer einig waren in der Vergangenheit Stadtbaurat Uwe Bodemann und Investor Günter Papenburg – Foto – Wolfgang Becker

13.11.2019


Kommentare

  1. – „als erstes Projekt Niedersachsens das Vorzertifikat in Gold … erhalten“

    Das stimmt sogar fast! … Die anderen Projekte haben nämlich fast alle – in Gold oder in Platin – VOLL-Zertifikate bekommen! Vor-Zertifikate wurden erst neu eingeführt, dieses Jahr in Niedersachsen drei Vergebene. Und schon das Vorab-Gold ist bei der Wasserstadt sehr knapp erreicht:

    https://www.dgnb-system.de/de/projekte/index.php?filter_Freitextsuche=&filter_Land=&filter_Bundesland=Niedersachsen&filter_Standort=&filter_Jahr=&filter_Zertifizierungsart=2&filter_Nutzungsprofil=&filter_Zertifiziert_von_1=DGNB&filter_Verliehenes_Guetesiegel=&filter_Architekt=

    Ich selbst halte den DGNB für einen lupenreinen Lobbyverein, dessen einzige Aufgabe darin besteht, seine Mitglieder nach ihren eigenen Kriterien zu zertifizieren, um bei Politik und Bürgern was rauszuholen und noch ein paar nette Gelder zusätzlich abzugreifen. Wenn noch nicht mal die Bewertungskriterien öffentlich sind, sollte die politische Leitungsfunktion solch unnützer Zertifizierungen eigentlich Null sein.

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