10. August 2020

Landeshauptstadt Hannover – Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Yüksel Weßling wartet auf Prozess

Oberbürgermeister setzt sich für in der Türkei angeklagte Ex-Mitarbeiterin ein

„Mit großer Sorge haben wir erfahren, dass Anklage gegen unsere ehemalige Mitarbeiterin Yüksel Weßling in der Türkei erhoben wurde“: Das erklärt der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, Belit Onay. In einer Pressemitteilung mahnt Onay an, dass in dem Verfahren gegen die 64-Jährige rechtsstaatliche und menschenrechtliche Prinzipien nicht verletzt werden dürfen.

In der Anklageschrift, die sich gegen mehrere Personen richtet, wirft die türkische Staatsanwaltschaft Weßling vor, Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sein. Einer der Vorwürfe lautet, sie habe im Frühjahr 2017 in Köln an einer Veranstaltung gegen die Einführung des Präsidialsystems teilgenommen.

Weßling sitzt seit gut zehn Monaten in der Türkei fest. Sie reiste im August 2019 in das Land. Bei der Rückkehr nach Deutschland wurde sie im Oktober 2019 in Istanbul festgenommen und kurz darauf wieder freigelassen. Sie wurde jedoch mit einer Ausreisesperre belegt.  Seitdem ist sie getrennt von ihrer in Deutschland lebenden Familie und wartet in ihrem Geburtsort Tunceli auf den Prozessbeginn.

Die Landeshauptstadt Hannover hatte sich umgehend für die Mitarbeiterin eingesetzt und sich im Oktober 2019 an das Auswärtige Amt gewendet. Sie bat um eine durchgehende konsularische Betreuung für Yüksel Weßling, die die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt. Belit Onay will  nun auch die türkische Generalkonsulin in der Angelegenheit konsultieren.

27 Jahre war die Sozialpädagogin bei der Landeshauptstadt Hannover beschäftigt. Sie wirkte an zahlreichen Projekten und Aktivitäten im Bereich der Integrations- und Netzwerkarbeit mit Migranten-Organisationen mit.  „Als kompetente und engagierte Mitarbeiterin wurde sie sehr geschätzt“, so Onay. Er hoffe, dass Weßling bald aus der Türkei ausreisen könne. „Ich appelliere an die Verantwortlichen, dass für Yüksel Weßling und alle Angeklagten ein faires und transparentes Verfahren im Einklang mit all ihren Rechten sichergestellt wird“, betont der Oberbürgermeister.

10.08.2020


Kommentare

  1. — „Einer der Vorwürfe lautet, sie habe im Frühjahr 2017 in Köln an einer Veranstaltung gegen die Einführung des Präsidialsystems teilgenommen.“

    Das „Präsidialsystem“ der Türkei hat die Demokratie dort aufgelöst, indem die Macht geschaffen wurde, willkürlich Gesetze zu erlassen, Justiz, Richter, Presse, Verwaltung bis runter auf ALLE Bezirksbürgermeister auszutauschen. Wer nicht gegen die türkische Regierungspolitik ist, ist kein ordentlicher Mensch.

    Davon abgesehen, sind solche Veranstaltungen in Deutschland Normalität, und auch gewünscht und benötigt zur politischen Willensbildung. Demokratie kommt halt nicht von oben.

    In der Türkei dagegen kriegt man ein Jahr Knast (und nicht so nett wie hier; hier ist es auch nicht nett), wenn man sich für eine kurdische Bezirksbürgermeisterin einsetzt oder öffentlich überlegt, ob Gülen vielleicht doch ein Menschenfreund war/ist (der ist ja eingesperrt wegen irgendwas).

    Die Strafandrohung betrifft übrigens nicht nur türkische Staatsangehörige oder welche mit Doppelpass, sondern auch rein deutsche. Wenn der türkische Staat also mitkriegt, was ich hier über ihn öffentlich denke, käme ich da in den Folterkeller. Jedenfalls könnten sie.

    — „konsularische Betreuung für Yüksel Weßling, die die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt.“

    Mein Kenntnisstand kann schon veraltet sein, aber dem letzten Stand nach hatte das die Türkei regulär abgelehnt und nur für einfache deutsche Staatsbürger ermöglicht.

    „Konsularische Betreuung“ bedeutet übrigens, dass der Inhaftierte ÜBERHAUPT einen eigenen Anwalt bekommt und somit auch Kommunikation mit der Außenwelt. So hart geht es dort.

    — „Sie wirkte an zahlreichen Projekten und Aktivitäten im Bereich der Integrations- und Netzwerkarbeit mit Migranten-Organisationen mit“

    Da muss man noch mal drüber nachdenken …

    — „Die Landeshauptstadt Hannover hatte sich umgehend für die Mitarbeiterin eingesetzt“

    Ja, aber nur für die eigene Mitarbeiterin. Klar, dass man das tut, aber es sind ja noch andere Zehntausende unschuldig im Knast und Millionen von Menschen unter ungerechtem politischem Druck.

    Es es schändlich und erbärmlich und gefährlich, was die Türkei da abzieht.

    „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ — Tayyip Erdoğan

    Quelle: https://beruhmte-zitate.de/autoren/tayyip-erdogan/

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