24. April 2019

von Klaus Öllerer

Da stand der Elektrotransporter von UPS. Irgendwo in Linden. Der Fahrer machte eine kleine Pause und war bereit zu einem Gespräch.

„Wie läuft das denn so mit dem Elektroantrieb?“, war gleich meine erste Frage. Und dann kam es zu einem interessanten Gespräch.

Ich hoffte Dinge zu erfahren, die sonst in Pressemeldungen des Unternehmens und den Medien vielleicht nicht kommuniziert werden. Und wurde gleich fündig. Doch der Reihe nach.

Der Fahrerkollege wirkte freundlich und sehr aufgeräumt. Er zeigte einen humorvollen Ansatz beim Betrachten der Vor- und Nachteile dieses Elektroantriebes. Das Fahren selbst sei sehr gut, meinte er, um dann gleich lächelnd hinzuzufügen, „solange die Batterie nicht leer wird“.

Bei gutem Wetter, so wie an diesem Tag, beträgt die Reichweite ca. 120 Km. Bei seiner gegenwärtigen Tourlänge reicht das aus. Da sei er pro Tag nur 60 bis 70 Km unterwegs. Bei kaltem Wetter wie im Winter sähe es dann anders aus. Dann wird es unangenehm kalt. Die Heizung könnte immer nur kurz laufen oder irgendwann gar nicht mehr. Seine Kollegen wären manchmal richtig sauer und würden dann lautstark über die Mängel der Elektrotransporter herziehen. So hatte ich das bisher noch von keinem Medium erfahren.

Dann erfuhr ich noch, dass zukünftig die Auslieferung in Linden mit Fahrrädern erfolgen soll. Dazu würde am Küchengartenplatz ein Lager gebaut werden.

Abschließend wünschte ich dem Kollegen noch viel Erfolg und versprach ihm seine Identität für mich zu behalten, was hiermit auch geschieht.

Eine Nachbetrachtung.
Der Elelektrotransporter ist gegenüber seiner Dieselversion ein eindeutiger Rückschritt. Leistung und Preis verkörpern diesen Rückschritt sehr deutlich. Besonders die Reichweite und die mangelhafte Heizleistung hätten früher – vor hundert Jahren schon – jeden Neuwagen zu einem Flop werden lassen. Und es erinnert auch an die erste Niederlage der Elektroautos gegenüber dem Verbrennungsmotor am Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Auch damals war es die Reichweite, die dem zuerst boomenden Elektroauto mit Bleiakkus den Garaus machte. Der Benziner rauschte damals mächtig davon.
Auch bis heute ist noch keine wettbewerbsfähige Batterie in absehbarer Zeit zu erwarten.
In Notsituationen, wie bspw. Unfälle oder Naturkatastrophen, werden Fahrzeuge mit großer Reichweite benötigt. Flucht und mehrfache Transportwege benötigen zuverlässige Fahrzeuge. Man stelle sich einmal Polizei- und Feuerwehrautos oder Krankenwagen mit geringer Reichweite und langen Ladezeiten vor! Wie absurd ist das denn?
Geht das Elektroauto nun seiner zweiten historischen Niederlage entgegen? Es wäre logisch, denn jede Modeerscheinung geht einmal zu Ende.

Andere Sichtweisen sind willkommen

Klaus Öllerer
24.04.2019


Kommentare

  1. Wenn zukünftig die Pakete-Auslieferung in Linden mit großzügig dimensionierten Transport-Fahrrädern erfolgen soll, wie es in dem Artikel geschildert wird, dann braucht es keine E-Autos dafür. Also alles Bestens! Und wenn nicht nur die Autos mit Verbrenner-Motoren verschwinden, sondern darüber hinaus auch erst gar keine E-Autos eingesetzt werden, sondern stattdessen der Umstieg auf’s Fahrrad und den ÖPNV erfolgt, um so besser! Die „Elektrische“ (elektrische Straßenbahn) gibt es in Hannover schon seit weit mehr als 100 Jahren! Es gab sogar einmal Oberleitungsomnibusse, die heute noch in vielen Städten der Welt hervorragende Dienste leisten. Selbst im „Autofahrerland“ Deutschland gibt es noch vereinzelt Städte mit O-Bussen!
    Aber das mit dem Autofahrerland ist ja bald Geschichte, wie der Autor andeutet. Denn zum Umwelt- und Klima-belastenden Auto mit Verbrennungsmotor ist das Auto mit E-Antrieb keine wirkliche Alternative. Da hilft nur mehr ÖPNV, sowie mehr Rad- und Fußverkehr.

    1. Und wenn die Grünen nicht einen leistungsfähigen ÖPNV in Hannover behindern würden, d.h. mehr Tunnel für die Stadtbahn und längere und schnellere Züge, dann würde auch der Autoverkehr zurückgehen. Stattdessen kurven die Linien 9 und 10 unerträglich langsam durch Linden und schrecken die Fahrgäste ab.

  2. In Zukunft entfällt die „Bis-zur-Wohnungstür-Lieferung“ und wird nur noch gegen Extragebühr angeboten. Die Standard-Zustellung erfolgt dann nur noch an die Abholstation 😉

  3. UPS? Sind das nicht die, die ständig mit offener Tür fahren?
    Sich da über mangelnde Heizkapazität zu beschweren finde ich schon sehr grenzwertig, zumal die Transporter meist nur wenige Meter weiter fahren.
    Ich führte unlängst ein ähnliches Gespräch mit einem DHL-Fahrer, der nichts schlechtes über sein Fahrzeug zu sagen wusste. Vielleicht trägt er aber auch wollene Unterwäsche. Desweiteren kenne ich einen Grosshändler, der seine Kunden in der Region Hannover, Hildesheim und Braunschweig seit Jahren mit einem französichen Kleintransporter mit E-Antrieb beliefert. Der gute Mann hat sich ein zweites Standbein durch den Handel mit Ladezubehör für E-Autos aufgebaut, und kann sich vor Kunden aus dem Einzelhandel, und dem Handwerk kaum retten.
    Wenn man mal genauer hinhört merkt man, dass alle großen KFZ-Hersteller aus Europa (VW vornweg) seit jahren in China, für China E-Autos bauen. Die werden schon wissen warum! Die müssen aber erst mal die unverkäuflichen Diesel auf dem BER-Gelände verkaufen, bevor sie in Europa plötzlich und überraschend mit einem marktreifen E-Mobil um die Ecke kommen.
    Es ist wie mit allen neuen Dingen: Zuerst wird es als Hexenwerk bezeichnet, und dann, wenn genug auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind, und es für die Allgemeinheit erschwinglich geworden ist, wird es als Heilsbringer postuliert.

  4. Wenn nicht jemand einen Akku erfindet, der schnell viel speichern kann und außerdem keine seltenen Erden benötigt, wird das auf jeden Fall nichts mit der Massenmotorisierung mit Akkutechnik.

    Im Übrigen vermisse ich in der gesamten (Elektro-) Mobilitätsdebatte massiv den Aspekt, die gesamten Fahrleistungen zu reduzieren, also 1. die Vergötterung des energieintensiven Schnellfahrens anzukratzen und 2. die gefahrenen Kilometer insgesamt deutlich zu reduzieren! Es wäre im Sinne der Pariser Klimaziele, wenn weniger über weite Strecken transportiert und weniger gependelt würde.

  5. Der große Vorteil der Elektro-Autos ist halt, dass sie nicht die Luft verpesten und weniger gesundheitsschädlich für die Anwohner sind.
    Dass bei Natur-Katastrophen die Menschen reihenweise mit DHL-PaketWagen fliehen, habe ich bislang selten beobachtet. Also gerade für Lieferdienste sind sie ideal, weil aktuell die Reichweite eben genau diesen Bedarf abdeckt. In Zukunft wird sich diese noch enorm erweitern.

    Das Argument mit der Heizung ist nachvollziehbar, aber wer in der Branche arbeitet weiß, dass auch in den alten Autos an Extras wie AC, Heizung und Co. Immer gespart wurde, also selbst wenn es ginge, ist oft keine verbaut, weil es zusätzlich kostet und für die Erfüllung des Jobs nicht notwenig ist. Ein warmer Pulli tut’s auch…
    In diesem Sinne: https://youtu.be/GJY4VLbyWuw

    1. Fast richtig: E-Autos reduzieren nur die Luftverpestung VOR ORT. Das ist für eine Innenstadt tatsächlich der einzige Vorteil. Da aber weiterhin, und wegen der E-Autos demnächst auch mehr, Strom gebraucht wird, wird eben das Umland durch die KKWs mehr belastet.

      1. KKWs produzieren immer die gleiche Energiemenge , egal wieviel Strom abgenommen wird.
        Ein paar tausend E-Mobile mehr führen da nicht zu Problemen.

      2. Aus welcher Stromquelle man seinen Strom bezieht, kann jeder für sich selbst entscheiden. Auch mit welchem Strom man fährt.
        Was ich bemerkenswert finde, ist dass sich bei der E-Auto Diskussion, auf einmal so viel Gedanken um die Herstellung des „Kraftstoffs“ gemacht wird. Die Diskussionen habe ich bei den fossilen Brennstoffen vermisst. Leben eigentlich schon wieder Fische im Golf von Mexiko? Stichwort Deepwater Horizon!

  6. Alles was größer ist als ein PKW und weitere Strecken fahren muss, wird auf Dauer nur mit Wasserstoffantrieb klar kommen. Auch wenn Wasserstoff im Verglich zu Benzin oder Diesel weniger Leistung und Reichweite bietet, so ist es doch genauso schnell nachgefüllt. Außerdem muss man nicht Große Teure Batterien einbauen die man alle paar Jahre austauschen muss.
    Das Elektroauto das die Energie im Akkus speichert ist wie die Energiesparlampen bevor sich die LED Durchsetzen konnten.

    1. Danke für Ihre Meinung.
      Ich finde gerade für Post- und Paketzusteller ist es doch genau der richtige Antrieb. Die Fahrzeuge müssen keine weiten Strecken fahren und meistens fahren die Fahrzeuge von Straßenecke zu Straßenecke. Hier ist ein Elektroantrieb klar im Vorteil. Darüber hinaus ein krasser Mehrwert für die Anwohner keine Motorengeräusche und lokal kein Ausstoß von Schadstoffen. Was ja gerade bei Dieselfahrzeugen ein Problem ist. Besonders wenn der Motor ständig neu gestartet werden muss. Im Winterbetrieb wäre die Alternative ja den Motor laufen zu lassen damit der Innenraum warm bleibt. Das sehe ich jetzt nicht als Vorteil an. Die Hauptfrage bleibt, warum der Fahrzeughersteller nicht auf eine Wärmepumpe setzt um den Innernraum zu beheizen. Ich als Nutzer eines Elektroautos mit Wärmepumpe kann sagen der Energiebedarf ist zu vernachlässigen. Und wärmer als auf dem Fahrrad ist es allemal.

      1. Auf den Fahrrad wird man von alleine warm 😉
        Ob die Heizung einen Paketzusteller nun was bringt ist eine Luxusfrage. Was sollen denn die Briefzustellenden bitte gegen die Kälte im Winter tun? Wie von Gerhard schon geschrieben: „Ein warmer Pulli tut’s auch…“

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