14. April 2021

Kundenmeldung

Rainer Beckmann: „Neues Grundsteuer-Modell ist nicht gerecht!“

Zum Beschluss der Regierungskoalition über die Ausgestaltung einer neuen Grundsteuer in Niedersachsen erklärt HAUS & GRUNDEIGENTUM unter Bezug auf die Pressemeldung des landeseigenen Finanzministeriums vom 13.4.2021: Die Koalitionspartner in Niedersachsen halten das selbst entwickelte Flächen-Lage-Modell für einfach und gerecht. Daran haben wir erhebliche Zweifel.

Der Vorstandsvorsitzende Rainer Beckmann erklärt dazu: „Als Berechnungsfaktor werden die alten Einheitswerte aus dem Jahre 1964 gegen moderne Wertpauschalen zur Grundstücks- und Gebäudefläche ausgetauscht. Erhöhend soll die Lage des Grundstücks berücksichtigt werden. Der modernisierte Berechnungsfaktor erhöht sich damit insgesamt. Hinzu kommen die ständig drastisch nach oben entwickelten Hebesätze der Gemeinden, die ebenfalls bei der Berechnung der Grundsteuer eine maßgebliche Rolle spielen.“

Die sollten aber nicht nach unten korrigiert werden, moniert Beckmann. Damit sei nicht zu widerlegen, dass es am Ende für alle Bürgerinnen und Bürger teurer wird. Das aber sei gerade in Pandemiezeiten, in denen die Menschen durch Krankheit, Kurzarbeit, Existenznot und nicht selten durch bereits eingetretene Insolvenzen schwer belastet sind, alles andere als gerecht, im Gegenteil. Der Vorsitzende: „Das ist ungerecht und vor allem unfair.“

Seit Jahren setze sich HAUS & GRUNDEIGENTUM gemeinsam mit dem Bund der Steuerzahler und anderen wohnungswirtschaftlichen Verbänden für eine Berechnung der Grundsteuer in Niedersachsen ohne Lagefaktor ein, so Beckmann weiter. Ein Lagefaktor verteuere und belaste Bürgerinnen und Bürger unnötig. Das Land haltet diesen zusätzlichen steuererhöhenden Faktor nach dem sogenannten Äquivalenzprinzip für gerechtfertigt.

Tatsache sei aber: Die Grundsteuer ist allein ein Ausgleich für kommunale infrastrukturelle Leistungen, die sonst nicht über Beiträge oder Gebühren finanziert werden können. Eine Kommune darf die Grundsteuer deshalb nur zur Abgeltung für Infrastrukturleistungen erheben, die nicht vollständig durch Beiträge und Gebühren abgegolten werden können.

Dabei sind Straßen und weitere Erschließungsleistungen, Kindergärten und Schulen, Grünanlagen, Spielplätze sowie Kultur- und Sportstädten mit in den Blick zu nehmen. Dafür muss die Lage eines Grundstückes nicht in die Berechnung der Grundsteuer einfließen. Schließlich will die Mehrzahl der Eigentümer im Land ihre Immobilie nicht verkaufen, sondern sie jahrzehntelang nutzen, auch für eine sorgen- und lastenfreie Alterszeit.

Hintergrund: Das Bundesverfassungsgericht hat im Jahre 2018 den bislang geltenden Regelungen zur Berechnung der Grundsteuer verfassungsrechtlich die „rote Karte“ gezeigt. Dem Bund wurde aufgegeben, bis Ende des Jahres 2019 neue Vorschriften zu erlassen. Auf Landesebene müssen diese Vorschriften umgesetzt werden. Die niedersächsische Landesregierung tut sich damit bis zum heutigen Tage schwer und ringt um politische Kompromisse – im Ergebnis wieder einmal nur zulasten der Bürgerinnen und Bürger. Und das in Zeiten von Corona, so Beckmann abschließend. Einfach mag die Erhebung der neuen Grundsteuer für die Gemeinden vielleicht sein, aber was hat das mit Gerechtigkeit zu tun?

Rainer Beckmann, Vorsitzender

>> haus-und-grundeigentum.de

14.04.2021

Kommentare

  1. Ich finde, selbst bewohntes Eigentum sollte geringer versteuert, Mehrfamilienhäuser umso mehr, aber nur ein Teil davon sollte auf Mieter umgelegt werden dürfen.

    Ich wäre auch dafür, dass Mieterhöhungen nur noch dann erfolgen dürfen, wenn sich der/die Vermieter/in um sein/ihr Objekt kümmert und auch mal Fenster ausgetauscht werden, weil sie einfach nicht mehr zeitgemäß sind (30 Jahre alt oder sogar älter) auch ein Austausch von Wohnungs- und Haustüren sollte geregelt sein. Haustüren die sich nicht mehr schließen lassen bieten keinen Einbruchsschutz, genauso wenig wie Haustüren mit großem Glaseinsatz.

    Ich hatte mal eine Wohnung, deren Tür aus einer etwas verstärkten Zimmertür bestand, meine Vormieter hatten den Glaseinsatz zum Glück mit Holz verstärkt, bei meinen Nachbarn hing nur ein Tuch von innen vor der Tür. Die Wohnungsbaugesellschaft verlangt nicht gerade günstige Mieten und dann so etwas.. Aber Hauptsache man glänzt mit großangelegten Neubauprojekten..

    Wohnen wird immer mehr zum Luxus.

  2. … aber dass man abhängig von der Lage eines Grundstückes sich ne goldene Nase dran verdienen kann, stört die Haus- und Grundbesitzer wohl weniger, oder?

    1. Eigentlich würde ich gern in eine kleinere Wohnung umziehen, aber bei den Mieten die aktuell aufgerufen werden, ist das in meinem Leben wohl nicht mehr möglich. Ich finde es auch frech, dass einige Wohnungsbaugesellschaften Nebenkosten verlangen dürfen, die fast genauso hoch sind wie die Nettokaltmiete und das sogar bei geförderten Wohnungen. Was nützt es mir, wenn ich eine Wohnung finde die netto 350 € kostet, aber wegen der Nebenkosten dann fast 700 € Warmmiete? Das kann und will ich nicht zahlen. Dann bleibe ich in meiner „großen“ Wohnung und blockiere Wohnraum für Familien!!

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