23. Juli 2020

* NiL – Nachbarschaftsinitiative Linden-Nord, [1]
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Heute ist es klar. Das extreme Limmern mit ganz viel Lärm des Nachts und Abfall überall hat jeden „Charme“ verloren. Die Allermeisten sind empört und der Einsatz der Ordnungskräfte findet Unterstützung.

Das war nicht immer so.

Die Bürgerinitiative Linden-Nord (NiL) hatte es in all den Jahren nicht leicht. Sie begann mit ihrer Arbeit etwa 2011 [1].

Anfänglich bekam sie Unterstützung aus der Politik. In der Amtszeit der Bezirksbürgermeisterin Barbara Knoke wurde das Video „Wie weit geht Deine Party“ 2012 finanziert und erfolgreich hergestellt

Das Video spricht Klartext wie im Folgenden zu sehen ist.

Doch im Laufe der Zeit machte die NiL auch einige unangenehme Erfahrungen. Man konnte manchmal den Eindruck gewinnen, dass der Einsatz für einigermaßen Sauberkeit und Nachtruhe etwas Verwerfliches sei.

Über den öfters gehörten, unzutreffenden Vorwurf „Spießbürger“ oder „Kleinbürger“ zu sein hatten NiL-Mitglieder begonnen sich lustig zu machen.
Dann wurde gerne die früher bekannte Werbung einer Bausparkasse zitiert. Dort ruft der kleine Sohn eines alternativ in Bauwagen Wohnenden erfrischend klar: „Wenn ich erwachsen bin, dann will ich auch Spießbürger werden.“ – und ein Haus bauen.

Treffen der NiL am 12.07.2011 im Vogelfrei, Elisenstr., in Linden-Nord

Zu einer Anhörung im Bezirksrat 2018 wurde die NiL nicht mehr eingeladen [2]. Noch im selben Jahr demonstrierte die im Bezirksrat vertretene Die PARTEI mehrfach gegen die NiL und ihre Ziele [3].

Die extremen Erscheinungen beim Limmern und dem Partytourismus hatten eine längere Geschichte und hörten nicht auf.

2014: Partytouristen waren „aktiv“ in der Noltestr.

Doch heute – durch die Zuspitzungen während der Corona-Maßnahmen – hat sich das allgemeine Bild geändert. Extremes Limmern und ungezügelter Partytourismus gelten als unanständig.

Mal sehen wie es weiter geht.

Quellen

[1] Nachbarschaftsinitiative Linden-Nord
>> nil.hallolinden.de – Die ganze Geschichte ab 2011

[2] Bezirksrat: Partytourismus in Linden-Nord – große Anhörung
>> halloLindenLimmer.de

[3] Redebeiträge – Die PARTEI jetzt auch offiziell gegen Nachbarschaftsinitiative Linden – vom 11.08.2018 mit Videos
>> halloLindenLimmer.de

Titelbild: Aufkleber „Limmert doch zu Hause“ von 2015 gegenüber Apollo-Kino

Klaus Öllerer
23.07.2020


Kommentare

  1. Tja, da wollen die in die Jahre gekommenen Leute sich gegenseitig erzählen, wie sie damals in Brokdorf kämpften, und plötzlich kommen fröhliche junge Leute und sind laut. Unerträglich! Dann erzählen sie mir auch ständig auf der Limmerstraße, daß die Gentrifizierung in Linden-Nord gestoppt werden müsse. Aber bisher hat sich beim Nachfragen noch niemand davon als echter Lindener herausgestellt. Kommen alle aus dem Umland. Sie fühlen sich wohl als eine Art Ehrenlindener, deshalb ist es auch okay, eine Eigentumswohnung zu kaufen. Nur die anderen – wer das auch sein mag – sollen das nicht tun.

  2. Ist es nicht erstaunlich, dass wir Schulen und Kitas schliessen können, Kinos und Theater dicht machen, Volksfeste absagen usw. aber ein Alkoholverbot in Corona Zeiten auf der Limmerstrasse und Umgebung nicht mal ernsthaft in Erwägung gezogen wird?! Hamburg kann es doch auch wie wir heute aus der Presse hören! In Linden läuft so vieles falsch und ohne Rücksicht auf die Bürger, dass es kaum noch auszuhalten ist: Partytouristen, Hochbahnsteige, Fössebadentscheidungen, Müll und und und. Man könnte meinen, dass die Probleme dieses Stadtteils ganz weit unten auf der Liste im Rathaus stehen. Vielleicht sollten die genervten Lindener bei den nächsten Wahlen doch einmal ganz genau überlegen wo sie das Kreuz machen und ob es Volksvertreter gibt, die sich in ihrem Sinne für Linden einsetzen?! Und auch wenn es mir für das „Kulturzentrum“ Faust leid täte, wenn es diese Krise nicht überstünde, für das „Partyzentrum“ Faust hoffe ich, dass der Lockdown das Ende bedeutet! Würde es nicht reichen Konzerte u.ä. zu veranstalten nach dem Vorbild des Pavillons in der Stadt? Dort möchte nämlich auch niemand das Partyvolk, aber im dichtbesiedelsten Stadtteil Niedersachsens geht das?! Es auf jeden Fall bedeutend ruhiger geworden in den Nebenstrassen seit hier nicht mehr 2-3 mal pro Woche grölende zugedröhnte junge Menschen in die Faust und zurück strömen! Ab und zu kann man nun sogar mit offenem Fenster ein- und durchschlafen, was für ein Erlebnis mitten im Sommer!

  3. Ich hab von 2009 bis 2012 in Linden nah der Limmerstraße gewohnt, habe dann 6 Jahre lang in Hamburg gelebt und bin nun wieder in meiner Heimat, wohne jetzt seit 2018 direkt an der Limmerstraße und ich muss sagen, ich bin angewiedert, was aus diesem Stadtteil geworden ist.

    Es ist unerträglich laut, es ist abartig dreckig und die Grundstimmung zum Beispiel an einem Samstag Abend ist aggressiv.

    Ich habe das Limmern noch als gemütliche Eigenheiten Lindens kennengelernt, bei der man mit einem Herri über die Straße lief und mit seinen Nachbarn ins Gespräch kam. Wann Limmern zur Allzweck-Entschuldigung für asoziales, rücksichtsloses Saufen verkommen ist, weiß ich nicht, aber es ist traurig, dass wir Lindener darunter leiden müssen und dass die Stadt scheinbar konsequent die Bedürfnisse der Anwohner ignoriert.

    Zurückgelassen wird man dann mit einem starken Gefühl der Hilflosigkeit in einem Stadtteil, der einst für ein tolles Lebensgefühl bekannt war, in dem jetzt Scherben, Aggressivität, Uringestank und laut grölende Partytouris das tägliche Bild bestimmen.

  4. Es wäre schon viel geholfen, wenn die Stadt mal ganz offiziell als Stadt Hannover bei der Uni Hannover vorstellig würde und mit Nachdruck forderte, dass die Fachschaften nicht mehr alle halbe Jahre tausende Neustudierende nach Linden leiten sollen!
    Letzteres führt nämlich seit ein paar Jahren dazu, dass das zugezogene Jungvolk der Meinung ist, sein ganzes Studium lang ständig saufend, grölend usw. usf. in Linden herummarodieren zu müssen.

    Wenn man als genervter Anwohner die Uni anschreibt, kriegt man keine Antwort und als eine Abordnung beim AStA war, erzählte der erst, seine Mitglieder hätten keinen Einfluss auf die Fachschaften und schwenkte dann um: Man wolle da gar nicht eingreifen, da das spießig sei.

    1. Ach, noch was: Das Video erscheint im Rückblick visionär. Damals wurde oft kritisiert, der brutale Schluss sei heftig übertrieben.
      Heute wissen wir, dass Partyhooligans im besoffenen Kopp schon öfter Menschen bedroht und sogar angegriffen haben, wenn diese nur darauf hinwiesen, dass es spät sei und man mal schlafen müsste.

    1. Ganz genau weiss ich das nicht. Aber ich glaube, es wäre am besten wenn das jemand startet, der sich einen Anwalt leisten kann, der dann auch wirklich Ahnung hat. Wenn man kein Geld hat, kann man sich auch beim Amtsgericht eine Rechtsberatung holen. Wie das da genau geht, weiss ich nicht. Einfach mal anrufen.
      Dann sucht man weitere Betroffene, die sich einklinken wollen.

      1. Könnt ihr überhaupt die Rechtsgrundlagen benennen? Oder braucht ihr dazu einen studierten und zertifizierten Anwalt, der euch das Popöchen pudert?

  5. Es ist ja schon seit vielen Jahren schwer zu ertragen, was hier so abgeht.
    Vielleicht ist es gut, dass es jetzt so eskaliert ist. Nun wird die Stadt wohl mal endlich aufwachen müssen. Aber das haben wir ja schon oft gedacht und dann kamen sie doch bloß wieder mit viel zu kleinen Maßnähmchen um die Ecke. Der Bezirksrat pennt weiter… Die können nämlich noch schlafen, weil sie ruhiger wohnen,

    Da fehlt der Mut endlich mal Kante zu zeigen. Stadt und Polizei haben sich fast ein Jahrzehnt lang von den Sauftouristen am Nasenring durch die Manege führen lassen. Die Stadt müsste endlich ein öffentliches Statement abgeben, dass Linden keine rechtsfreie Zone ist und das Gesetz der Nacht- und Sonntagsruhe hier genauso gilt wie überall in Deutschland.
    Wenn man öffentlich bestätigen würde, dass das was hier nachts passiert nicht gewünscht ist und in Zukunft auch geahndet wird, könnte man den Stadtteil vielleicht noch retten. Aber dazu müssen die Leute wissen, dass die Wummer-Parties wirklich nicht erlaubt sind und die Polizei darf nicht x-mal verwarnen, bis es keiner mehr ernst nimmt, weil man dann ja doch bis morgens um sechs weiter lärmen kann.
    In letzter Zeit scheint die Polizei in der Hinsicht etwas aktiver zu sein, aber nur mit dem Corona-Argument, weniger wegen Lärm.
    Die NIL kämpft schon seit Jahren gegen das zähe Runterspielen der Zustände von Seiten des Bezirksrats und der Polizei. Warum werden nicht endlich Bußgelder eingeführt und dann auch wirklich durchgesetzt?

    Und übringens: Was soll daran spießig sein, wenn man nachts schlafen will? Über die gesundheitlichen Folgen von Schlafentzug weiss man ja nun mittlerweile genug.

    Vielleicht sollte die Stadt nochmal überlegen, den wertvollen (wirklich kulturellen) Teil der Faust zu fördern, aber die Parties, die erst um Mitternacht anfangen auch nach Corona nicht mehr zuzulassen. Das ist hier immer noch ein Wohngebiet!!! Haben die Verantwortlichen bei der Stadt denn geglaubt, die Leute könnten sich auf dem Hin- und Rückweg leise verhalten? Im Ernst jetzt???

    Vielleicht sollte man mal eine Anwohner-Sammelklage gegen die Stadt anstrengen, die dadurch, dass sie ihrer Pflicht nachts für Ruhe zu sorgen nicht nachgekommen ist, für den schlechteren Gesundheitszustand vieler Anwohner mit verantwortlich ist. Im Grunde ist das dauernde Körperverletzung, die durch die Partytouristen stattfindet und unterlassene Hilfeleistung von Seiten der Stadt.

    1. Hallo Anwohnerin, erstmal großen Dank für Deine wichtigen Einsätze. Wir haben sicherlich schon oft unbewusst zusammengearbeitet, zuletzt So, 02:30 Uhr. Auch ich als Einzelperson habe schon viel erreicht; ein Großteil der aktuellen Lärmvermeidung ist auf meine Beharrlichkeit zurückzuführen. Das ist nicht von alleine so friedlich hier, Leute, und auch Eure Nachtruhe musste erst von Nachbarn wieder erkämpft werden.

      Für mein eigenes Wohngebiet habe ich konkrete Forderungen in Sachen Lärmschutz. Das sind rote Linien, die für mich gesundheitlich unabdingbar eingehalten werden müssen. Sonst müsste ich wegziehen. Deswegen möchte ich vorher versuchen, alles zu geben, und das ist sehr viel. SEHR viel. Und zwar SO viel, dass ich den Riecher habe, dass das klappen MUSS.

      Der eine Unterschied zur NiL ist, dass ich diese Ziele tatsächlich erreichen werde. Es klingt unglaublich, ist trotzdem so. Der zweite Unterschied ist, dass ich nicht vorhabe, auf dem „demokratischen“ Instanzenweg zäh klebenzubleiben, sondern ich werde die Polizei jeweils vor aktuelle konkrete Entscheidungen stellen, an denen diese öffentlich gemessen werden wird.

      Damit werde ich mir Feinde machen (und ja, Drohungen bei Einwendungen sind eher typisch als nur verbreitet), und das erfordert Zivilcourage. Auch die Polizei wird zuerst nicht begeistert sein.

      Ich suche Kontakt zur NiL und anderen Leuten mit Erfahrung, Kontakten und Vernetzung. Ich suche auch Leute, mit denen man Probleme und Beschwerden stundenaktuell absprechen kann und die eventuelle Einsätze meiner- oder unsererseits per Video dokumentieren bzw. mir beistehen würden.

      Dafür habe ich eine neue Emailadresse eingerichtet. Bitte schreibt mich gerne alle an!

      lindenlaerm@mail.de

      1. „Für mein eigenes Wohngebiet“
        Na dann mal viel Erfolg, wenn du ein Wohngebiet nicht von einem Mischgebiet unterscheiden kannst 🙂

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