13. September 2020

Im KRH Klinikum Siloah werden Corona-Patienten behandelt. Im Folgenden schildert Prof. Dr. Thomas Fühner, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin seine Einschätzungen zum Corona-Virus und die Erfahrungen mit Krankheitsverläufen.

Prof. Dr. Thomas Fühner,
Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin am KRH Klinikum Siloah

„In den letzten Monaten hat sich rund um die vorherrschende SARS-CoV-2 Pandemie viel getan. Wir haben auf der einen Seite viel über die Verbreitungswege des Virus, die Pathomechanismen und damit auch über die „Gefährlichkeit“ die von ihm ausgeht gelernt. Wir sehen aktuell, dass die meisten Erkrankungen mild bis moderat in Deutschland verlaufen. Das liegt in erster Linie daran, dass sich das Geschehen in den jüngeren Altersgruppen abspielt. In den USA werden seit Wochen relativ stabil zwischen 40k-50k Neuinfektionen pro Tag an SARS-CoV-2 gemeldet bei jeweils etwa 1.000 Verstorbenen pro Tag an Covid-19. Das kann man nicht mehr mit Influenza vergleichen.

Laut einer großen AOK-Studie sind in Deutschland 53 Prozent aller beatmeten Covid-Patienten zwischen Februar und April 2020 verstorben. Insgesamt lag die Sterberate aller im Krankenhaus behandelten Patienten bei 22 Prozent. Die Ergebnisse in unseren Häusern waren zwar besser, aber das kann auch nur eine Momentaufnahme sein. Auch sollten wir mögliche Langzeitfolgen bedenken. Noch fehlen uns große Daten dazu.

Der große Durchbruch in der Therapie von Covid-19 ist uns bisher noch nicht gelungen. Richtig überzeugen konnten bisher nur die Daten zum Cortison-Präparat Dexamethason und zum Teil zum Remdesevir. Das aktuelle Pandemiegeschehen ist allerdings noch nicht einmal ein Jahr alt und wir befinden uns in der klinischen Prüfung von Impfstoffen. Die Ergebnisse der klinischen Prüfungen zu Verträglichkeit und Wirkung müssen wir abwarten. Das stimmt uns aber grundsätzlich positiv. Wir müssen abwägen, zwischen der Gefahr, die von Covid-19 ausgeht und den Nachteilen, die von Schutzmaßnahmen ausgehen. Hierbei sollte man die Letalität berücksichtigen.“
26.08.2020

Warum die Maßnahmen gegen das neuartige Coronavirus richtig sind

„Ein Unterschied zwischen Grippe und dem neuartigem Coronavirus ist, dass es wahrscheinlich kaum eine Grundimmunität in der Bevölkerung gibt. Für unser Immunsystem ist dieses Virus neuartig. Dadurch wird dieses Virus vermutlich, darauf deuten zumindest alle Daten aus anderen Ländern hin, weite Teile der Bevölkerung infizieren können. Manche Szenarien gehen von einer Durchseuchung aus. Das heißt, dass 60-70 Prozent der Bevölkerung damit über einen noch teilweise beinflussbaren Zeitraum in Kontakt kommt.

Die meisten der Betroffenen werden milde bis mittelschwere Symptome erleiden und können sich in häuslicher Quarantäne auskurieren. 2-5 Prozent der Bevölkerung können schwerer erkranken und teilweise intensivmedizinische Maßnahmen benötigen. Die Anzahl der schwerer erkrankten Menschen muss für das Gesundheitssystem versorgbar bleiben. Damit kein Nadelöhr entsteht, sind die Beatmungskapazitäten auf den Intensivstationen in Deutschland in den zurückliegenden Monaten deutlich erhöht worden.

Letztlich gilt es, die nach WHO jetzt offizielle Pandemie zu „timen“. Je schneller die Ausbreitung stattfindet, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die Intensivstationen jeden Patienten behandeln werden können.“
Interview v. 18.03.2020, aktualisierter Auszug, >> KRH.de

Prof. Dr. Thomas Fühner

Patientenakademie live: Erfahrungsbericht Coronabehandlung
„Covid-19 ist für die Atemwege eine große Gefahr“ – Prof. Fühner

Quelle: >> krh.de, 15.07.2020

Siehe auch: >> hallolindenlimmer.de/?s=corona

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Hinweis:
halloLindenLimmer.de ist nicht meinungsgebunden und läßt andere Meinungen frei zu Wort kommen.
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öl/13.09.2020

Kommentare

  1. Ein Mediziner sollte sich mit Statistik auskennen. Die erwähnten 1000 Verstorbenen in den USA sind MIT Corona gestorben, nicht unbedingt AN. Das heißt, jeder Krebspatient im Endstadium, bei dem bei Routinetests auch Coronaviren entdeckt werden, geht in diese Statistik ein. Ebenso verhält es sich mit den verstorbenen „53 Prozent aller beatmeten Covid-Patienten“, auch wenn die ursprünglich aus völlig anderen Gründen zur Beatmung gebracht wurden.

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