9. Oktober 2019

Von Klaus Öllerer

Beim gestrigen (09.10.2019) Terroranschlag in Halle ist die Jüdische Gemeinde nur knapp einem Massaker entgangen. Nur weil die Türen der Synagoge stark gesichert waren konnte der Terrorist nicht eindringen. Dafür mußten andere Menschen sterben, die sich der Terrorist anschließend aus „Frust“ ausgesucht hatte. Er ist den Meldungen nach ein deutschstämmiger Rechtsextremist.

Der Antisemitismus, der Judenhass, nimmt seit vielen Jahren zu. Erst am letzten Freitag (04.10.2019) lief ein syrischstämmiger Mann unter „Allahu akbar“ Rufen mit einem Messer in Berlin auf das Wachpersonal einer Synagoge zu [1]. Man könnte inzwischen auf die Idee kommen, dass rechtsextreme Deutschstämmige und migrantische Israelhasser sich gegenseitig legitimieren. Geschichtlich gesehen wäre das nichts Neues. Auch Hitler ging ein enges Bündnis mit Judenhassern aus dem Nahen Osten, dem Gebiet um das heutige Israel/Palästina, ein. Hitlers Verbündeter war der Großmufti von Jerusalem, der später von Jassir Arafat verehrt wurde.

An der Limmerstraße gab es mal einen Imbiss mit einer Karte an der Wand. Auf dieser Karte war das Gebiet Israel/Palästina abgebildet. Doch Israel fehlte völlig. Es wurde alles als ein Palästina gezeigt – ohne Israel. Auf diesen Umstand angesprochen grinste der Besitzer etwas verlegen. Nach einem Jahr war im Zuge einer Renovierung dann die Karte ersatzlos verschwunden.

Wie sieht es eigentlich sonst in Linden aus? Könnten sich Juden trauen mit einer Kippa unbehelligt durch Linden zu gehen?

Klaus Öllerer

Artikel zum hiesigen >> Antisemitismus

[1] >> Mann zieht Messer vor Synagoge am 04.10.2019

Titelfoto: Kippa-Walk am 06.05.2018 in Hannover

10.10.2019; 07:00


Kommentare

  1. Wo Antisemitismus ist, ist wohl meistens auch Semitismus.

    Jedenfalls habe ich dieses Jahr zum ersten Mal in meinem langen Leben wissentlich mit einem Juden zu tun gehabt. Wir waren in einer gemischten Gruppe in der Natur nacktbaden, „and the fish are jumping“, wie Gershwin schrieb. Mein Kumpel wollte mir seinen derzeit besten Kumpel vorstellen, wir waren aber nicht warmgeworden.

    Und warum er jetzt Jude war, weiß ich auch nicht. Es gibt ja zwei Wege dazu, Jude zu werden: über die Abstammung und über die Konvertierung. Vielleicht war er auch gar kein richtig gläubiger Jude mehr. Er war ja auch russigstämmig, hatte aber keinen Akzent und war westlich orientiert und gebildet (diese Eigenschaften spreche ich auch Auslandsrussen nicht unbedingt ab). Jemand wie er (oder mein Kumpel oder ich) kann eigentlich in allen westlichen Kulturen problemlos durchgehen.

    – Aber siehste, so hatte auch ich mal was mit einem Juden zu tun. – Ich selbst habe also rein mangels Erfahrung noch nie eigene Antisemitismus-Probleme gehabt, aber auch keine gegenteiligen.

    1. – „Wo Antisemitismus ist, ist wohl meistens auch Semitismus.“

      Sorry. Den Satz kann ich nicht unterschreiben, und schon gar nicht kann er sich auf die schrecklichen Anschläge und Vernichtungs- oder Verdrängungswillen beziehen. Ist mir so rausgerutscht und auch das Gegenteil meiner Anliegen.

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