21. November 2020

Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes stellte bei der Trauerandacht für verstorbene Wohnungslose vor dem Kontaktladen Mecki gemeinsam mit einem Andachtsteilnehmer eine Gedenk-Kerze auf. Foto: Sabine Dörfel

Ökumenische Trauerandacht für verstorbene Wohnungslose
Kirchen gedenken vor dem Mecki-Laden der anonym Bestatteten

Brennende Kerzen, ein Kreuz aus lila Tüchern am Boden und wärmespendende Feuerkörbe. Mit einer ökumenischen Trauerandacht haben Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes und Propst Christian Wirz vor dem Kontaktladen Mecki an die verstorbenen Wohnungslosen dieses Jahres erinnert. 73 Männer und Frauen ohne Unterkunft sind in diesem Jahr gestorben, im Jahr 2019 waren es 35. Sie erhalten eine anonyme Bestattung, die das Ordnungsamt organisiert. Dabei gibt es für Nahestehende keine Möglichkeit zum Abschiednehmen. „Es darf nicht sein, dass wir für diese Menschen keinen würdigen Abschied haben“, sagte Müller-Brandes. Wer die verstorbenen Wohnungslosen gekannt und den Alltag mit ihnen geteilt habe, trauere um sie. Er lud die rund 50 Andachtsteilnehmer ein, Kerzen für ihnen nahestehende Verstorbene aufzustellen. Auch Propst Wirz betonte die „Würde der Menschen, die auf der Straße leben“ und ermutigte die Anwesenden, ihrer zu gedenken. Während die Namen der 73 verstorbenen Wohnungslosen verlesen wurden, fügten zahlreiche Andachtsteilnehmer sichtlich bewegt eine Kerze zu den vielen Lichtern auf dem Kreuztuch hinzu. „Es ist doch klar, dass ich heute hier bin, auch wenn es sehr schwer ist“, sagte Gerd P., dessen Lebensgefährtin vor einem halben Jahr plötzlich verstorben war. „Ich finde es gut, dass es diese Veranstaltung heute hier gibt, das ist passender als in einer Kirche“, ergänzte eine andere Teilnehmerin. Neben einer Schweigeminute begleitete ein Wohnungslosenchor die Feier, die in der Passerelle hinter dem Hauptbahnhof stattfand und von dem Vater Unser und einem Segen abgeschlossen wurde. Dass sie ökumenisch ausgerichtet worden war, sei ein „wichtiges gemeinsames Zeichen“, sagte Müller-Brandes. Er berichtete auch von einer positiven Reaktion der Stadt auf eine Initiative der evangelischen Kirche, Gedenkstelen für anonym Bestattete auf städtischen Friedhöfen zu gestalten. „Wir sind da auf offene Ohren gestoßen und zuversichtlich, dass es eine Form des Gedenkens für diese Menschen geben wird“, sagte der Stadtsuperintendent.

Sabine Dörfel/Öffentlichkeitsarbeit des Stadtkirchenverbands Hannover

 

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