7. Februar 2020

Es geschah durch das Jahrhunderthochwasser 1946. Die Leine stieg über die Ufer, die Böden waren gefroren und die in Kellern eingelagerten Akten des alten Linden wurden überflutet und verschlammt. Es war kurz nach dem Krieg und es gab viele andere Sorgen. So lagerten die beschädigten Akten bis heute und konnten nicht benutzt werden.

Inzwischen müssen von den 1342 Akten noch ca. 800 aufbereitet werden. Dazu liegen Angebote vor und es wird wahrscheinlich um die 70.000 Euro kosten. Die Mittel dazu müssen noch beantragt werden. Das war auf einer Pressekonfernz im Stadtarchiv zu erfahren.

Die älteste Akte stammt von 1639 und es geht um den Bau der Ihme-Brücke vor dem Calenberger Tor. Auch Akten zur Eingemeindung Lindens nach Hannover sind vorhanden, die allerdings noch überwiegend im „Schimmelraum“ im Keller lagern, bis sie bearbeitet werden können.

Die Akten gibt es so weit wie möglich im Internet einzusehen. [1]

Im folgenden Video zeigt die Restauratorin Isabelle Hartung wie die beschädigten Akten bearbeitet werden, um sie nutzbar zu machen.

Die Aufnahmen entstanden anläßlich einer Pressekonferenz.

Stadtarchiv Hannover präsentiert erstmals unbekannte Akten der „Stadt Linden“ im Internet – Restaurierung geplant

Pressemeldung

Das Stadtarchiv Hannover besitzt einen Bestand von mehr als 1.300 Akten der früheren Lindener Stadtverwaltung, der wegen Hochwasserschäden von 1946 bis heute kaum nutzbar ist. Er wird nun erstmals im Internet präsentiert und in den kommenden Jahren restauriert.

Frau Dr. Cornelia Regin vom Stadtarchiv zeigt eine aufgearbeitete Akte zu Linden

Der Archivbestand „2 SK 3.04 Stadt Linden“ enthält 1.342 Archivalien (23 laufende Regalmeter). Es sind jene Lindener Akten, die nach der Eingemeindung nicht mehr benötigt und daher 1920 eingelagert wurden. 1951 wurden sie dem Archiv übergeben (Aktenzeichen 4/1951).
Die genaue Geschichte des Bestands ist noch unerforscht. Sicher ist nur: Bei Kriegsende lagerten die Akten im Keller des Neuen Rathauses, wo sie im Februar 1946 vom Leinehochwasser in Mitleidenschaft gezogen wurden. Zwei Drittel der Akten sind daher bis heute von Schimmelpilzen befallen oder anderweitig beschädigt. Sie lagern heute in einem gesonderten „Schimmelraum“ des Stadtarchivs. Nur 513 Archivalien, das
entspricht 38 Prozent des Bestands, sind regulär benutzbar und wurden bereits für die Lindener Stadtgeschichtsforschung genutzt.

Diese Akten waren dreckig, veschimmelt und können heute wieder eingesehen werden.

Inhaltlich decken die Akten einen Zeitraum von 1639 bis 1932 ab und verteilen sich auf die Bereiche Stadtverwaltung (ein Drittel) und Angelegenheiten der Polizei- und Landesverwaltung (zwei Drittel). Vereinzelt sind auch Akten der 1909 mit Linden vereinten Gemeinden Badenstedt, Bornum, Davenstedt und Limmer enthalten. Zum Bestand gehören ferner mehrere Hundert Pläne, die aus den Akten entnommen und restauriert wurden. Sie lagern im Kartenmagazin.

Mitarbeiter Dr. Christian Heppner demonstriert das Auffinden der Dokumente im Internet für Jedermann. [1]

Die Recherche erfolgte bislang in einem Aktenverzeichnis. Zur Erleichterung der Benutzung wird dieses Verzeichnis nun erstmals im Niedersächsischen Archivportal >> www.arcinsys.niedersachsen.de zur online-Recherche freigegeben.

Die beschädigten Akten müssen vor einer Benutzung in der Werkstatt geprüft und aufwändig behandelt werden. Zum Teil findet auch die Benutzung in der Werkstatt statt.

Das Archiv plant, die Restaurierung der mehr als 800 betroffenen Akten durch ein Fachunternehmen durchführen zu lassen. Hierfür sollen Fördermittel eingeworben werden, etwa bei der Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien,die den Erhalt überregional bedeutsamen schriftlichen Kulturgutes mit einem Sonderprogramm fördert.

Ein Bespiel für noch nutzbare Akten sind:

Nr. 6 und 8: Hier geht es um den Anschluss des Dorfes Linden an die Königliche Residenzstadt Hannover (1881 bis 1889 und 1865 bis 1908).

Beispiele für beschädigte Akten sind:
Nr. 571: Probleme und deren Regulierung im Zuge der Erbauung und Unterhaltung der Brücke über die Ihme vor dem Calenberger Tor (1639 bis 1900).
Nr. 300: Rechnungsablage für den Wasserstraßengarantiefonds (1915 bis 1919).
Nr. 298: Sammlung der Protokolle über Bewilligungen aus den Kriegsentschädigungserhöhungsfonds (1914 bis 1918).

Eine bereits restaurierte Akte ist:
Nr. 535: Errichtung einer Privatschule seitens der hannoverschen Baumwollspinnerei und –Weberei in Linden (1858 bis 1888).

Das Stadtarchiv besitzt noch zahlreiche weitere Archivalien zu Linden, die zum Teil ebenfalls schon im Archivportal recherchierbar sind. Viele der 1920 von der Verwaltung noch benötigten und in die laufende Registratur übernommenen Lindener Altakten gelangten mit späteren Registraturabgaben ins Archiv, insbesondere mit der sogenannten Hauptregistratur, aber auch mit den Bürgerrechtsakten, Personalakten,
Friedhofsbüchern und Meldeunterlagen. Andere, jüngere Archi-valien betreffen unter anderem die Sanierung der Lindener Altbaubezirke seit den 1970er Jahren, die ehemalige Hautklinik, das Ihmezentrum oder Bezirksratssachen.

Stadtarchiv Hannover

Pressekonferenz: Zahlreich waren Medienvertreter erschienen. Das Thema stieß auf großes Interesse.

Quellen:
[1] Internetarchiv >> arcinsys.niedersachsen.de

Siehe auch eine weitere Quelle zu Lindener Dokumenten:
>> Geschafft: Digitales Stadtteilarchiv Linden-Limmer – 100 Jahre Vereinigung Linden/Hannover

öl/07.02.2020


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