7. Februar 2021

Verkehrskonzept: Kreuzungsbereich Küchengarten

Expertenanhörung des Stadtbezirksrats am 08. Februar 2021

Der Küchengartenplatz ist einer der zentralsten Orte in Linden. Neben dem Lindener Marktplatz, dem Schmuckplatz, dem Pfarrlandplatz und dem Schwarzen Bären. Der Küchengartenplatz übt seinen Charme auf Jung und Alt aus, durch großzügige Aufenthaltsflächen mit Sitzmöglichkeiten und weiten Sichtlinien gewinnt er die Herzen der Lindener. Zahlreiche Kleinkünstler tummeln sich dort im Sommer. Das jährlich dort stattfindende Schützenfest ist eines der Lindener Highlights in jedem Jahr, auch ein Weihnachtsmarkt fand dort in den letzten Jahren regelmäßig statt und erfreute die Herzen der Lindener. Und nicht zuletzt ist der Küchengarten für die Skateboardjungs bekannt, die dort an lauen Sommerabenden ihre Kunststückchen üben und die von Lindener Musikern besungen werden. 

Doch anders als die anderen Plätze, die das Stadtbild in Linden prägen, ist der Küchengarten auch eine der größten Lindener Verkehrskreuzungen. An der Kreuzung zwischen Limmerstraße, Fössestraße, Spinnereistraße, Blumenauer Straße und Elisenstraße teilen sich alle Verkehrsarten auf einer Ebene den knappen Verkehrsraum. Bis zum Abriss der Fußgängerbrücke zum Ihmezentrum konnten zumindest Fußgänger und Radfahrer die Kreuzungsbereiche zügig überqueren, ohne mit den Stadtbahnen und dem motorisierten Verkehr in Konflikt zu geraten. Auch durch die Vorrangschaltungen für Busse und Bahnen scheint die dortige Ampelanlage dem dortigen Verkehrsaufkommen oft nicht gewachsen, obwohl das Fahrzeugaufkommen gar nicht sonderlich massiv ist. 

Eine ganzheitliche Planung des Verkehrsraums in Hannover wurde zuletzt vor über 50 Jahren vorgenommen. Seitdem ist seitens der Stadtspitze kein Bemühen erkennbar, ein umfassendes Verkehrskonzept für den Stadtbereich zu entwickeln, das neben dem Fahrradverkehr auch die ÖPNV-Planung und den motorisierten Individualverkehr umfasst. Bürgerinitiativen und einzelne Bizirksratspolitiker fordern seit Jahren immer wieder ein aktuelles Verkehrskonzept für Bereiche in Hannovers Westen. 2016 forderte der Stadtbezirksrat Linden-Limmer in einem Beschluss von der Verwaltung der Landeshauptstadt, ein integriertes Verkehrs- und Städtebaukonzept zu erstellen. Die Stadt lehnte die Erstellung des Konzepts ab.

Aus dem Verein „Zukunftswerkstatt Ihmezentrum“ kommt ein eigener Vorschlag für ein Verkehrskonzept am Küchengarten, den sie bereits 2016 versucht hatte in dem vom Bezirksrat beantragten Konzept der Stadt unterzubringen. Dieses beruht auf den Planungen des Architekten Gerd Runge von 2011 und verfolgt neben der Entknotung des Verkehrs auch das Ziel, dass das Ihmezentrum durch die an eine breite Autobahn erinnernde Fahrbahn nicht wie durch einen Burggraben vom restlichen Stadtteileben abgetrennt wirkt. Nach der weiteren Ausarbeitung durch das Planungsbüro PGT lässt das Konzept nach den Zahlen früherer Verkehrszählungen erahnen, dass das vergleichsweise geringe Verkehrsaufkommen am Küchengarten durch einen Kreisverkehr und unter Verzicht auf einen Großteil der Abbiegespuren wesentlich effizienter gelöst werden könnte: Kürzere Wartezeiten, weniger Fahrspuren, mehr Aufenthaltsqualität, weniger Barrierewirkung vor dem Ihmezentrum werden erwartet. Eine Ampel wäre dann entbehrlich.

Gerd Runge erläutert die Vorteile des Verkehrskonzepts für einen Küchengartenkreisel

Dieser vielversprechende Ansatz wurde von der Stadt bislang jedoch vehement abgeblockt, die Machbarkeit wird von den Planern der Stadt in Zweifel gezogen. Eine  Unterschriftensammlung wollte bereits 2012 erreichen, dass dieser vielversprechende Ansatz auf dem damaligen Stand von der Stadt mit eigenen Berechnungen überprüft wird. Eine digitale Simulation könnte letztes Klarheit schaffen, ob das Verkehrskonzept die von der Zukunftswerkstatt benannte positive Wirkung in als realistisch zu erwartenden Verkehrsszenarien zu leisten vermag. Die Stadt lehnte es ab, die nötigen Berechnungen und Simulationen anzustellen.

Im der Novembersitzung 2020 beschloss der Stadtbezirksrat nun eine öffentliche Anhörung von Experten zu einer Kreisellösung am Küchengartenplatz durchzuführen. In der Sondersitzung des Stadtbezirksrats Linden-Limmer am 8. Februar 2021 die Anhörung nun stattfinden. Neben dem Architekten Gerd Runge soll dort auch das von der Zukunftswerkstatt beauftragte Planungsbüro und Vertreter des ADFC zu Wort kommen. Die Zukunftswerkstatt hatte zum Jahreswechsel eine eigene >> Online-Bürgerbeteiligung initiiert. Dort wurde auch die Hoffnung geäußert, dass der Stadtbezirksrat nach dieser Anhörung die Stadt beauftragt, durch unabhängige Experten eine digitale Simulation und Bewertung der Kreisellösung durchführen zu lassen. Nur so könne im Vorfeld zuverlässig beurteilt werden, ob die gewünschten Effekte eintreten. 

Die Umgestaltung des Küchengartenplatzes steht im Kontext weiterer aktueller Entwicklungen im Stadtbezirk. Da ist zum einen die Hoffnung auf die Revitalisierung des Ihme-Zentrum durch den Großeigentümer Windhorst, der demnächst mit dem Umbau der Sockelgeschosse beginnt. Nach dem Willen der Stadt soll der „Grüne Hügel“ an der Ecke Limmerstraße und Elisenstraße demnächst einer Wohnbebauung weichen, die sich in der Planung befindet. Für die Umgestaltung der Küchengartenkreuzung müssten diese Planungen berücksichtigt werden.

Auch der barrierefreie Ausbau der Stadtbahnhaltestellen auf der Limmerstraße befindet sich derzeit in der Planung.  Dies hat ebenfalls Auswirkungen auf die Gestaltung des Kreuzungsbereichs. Der Stadtbezirksrat hatte 2019 für einen U-Bahntunnel unter der Limmerstraße gestimmt, womit nicht nur der barrierefreie Zugang zum ÖPNV umgesetzt werden kann sondern auch der Charakter der Limmerstraße als Einkaufsmeile und Lebensraum gestärkt würde. Die Limmerstraße könnte damit mit eine, Flair wie die Lister Meile zum Bummeln einladen, die Stadtbahn kürzere Stadtbahnfahrtzeiten in die Stadtrandlagen Richtung Ahlem, Wasserstadt oder Velber erreichen und das oberirdische Verkehrsaufkommen am Küchengartenplatz würde weiter entknotet.

Ein Tunnel unter der Limmerstraße würde den Verkehr entknoten helfen und eine „Limmer Meile“ entstehen lassen, wird aber von der Region abgelehnt.

Eine solche „Limmer Meile“ in Linden-Nord findet in der Regionsversammlung jedoch bislang unter Verweis auf den mutmaßlich fehlenden Willen der Anwohner einerseits und die viel zu hohen Kosten andererseits eine Absage. Bereits im Verkehrskonzept der 1960er Jahre wurde eine solche Lösung befürwortet, jedoch nur der Tunnel unter der Lister Meile wurde auch realisiert. Die D-Linie auf der Limmerstraße wurde aus Kostengründen oberirdisch geführt, was einen guten Teil der heutigen Verkehrskonflikte dort verursacht.

Die EU-Behindertenrechtskonvention verpflichtet nun alle Kommunen dazu, einen barrierefreien Zugang zum ÖPNV an allen Haltestellen zu ermöglich. Dies entspricht auch dem Wunsch vieler Anwohner. Durch den Bau der wesentlich günstigeren >> Hochbahnsteige auf der Limmerstraße als einzig mögliche oberirdische Lösung möchte die Region den Wünschen der Anwohner kostengünstig nachkommen.

Eine >> Unterschriftensammlung mit über 3000 Unterzeichnern wandte sich im Sommer 2020 gegen die geplanten Hochbahnsteige auf der Limmerstraße und fordert eine bessere barrierefreie Lösung.“ Die diskutierten Standorte dieser >> Hochbahnsteige wirken sich ebenfalls auf eine Kreiselplanung am Küchengartenplatz aus.

Es bleibt abzuwarten, ob in der Anhörung des Stadtbezirksrats am 08. Februar 2021 die aussichtsreiche Idee aus der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum Unterstützer findet, oder ob die von der Zukunftswerkstatt gewünschte digitale Simulation zur Bewertung des Verkehrskonzepts genau wie die „Limmer Meile“ dem Rotstift zum Opfer fallen soll. Ohne den Willen der Stadt, diese Bewertung von unabhängigen Experten durchführen zu lassen, wäre eine Realisierung der Kreisellösung wohl nicht zu erwarten. 

Daniel von dem Knesebeck 

Weitere Quellen

>> stadtbahnfreund-h.de/hochbahnsteige.html

>> blog.gardemin.de/hochbahnsteige-auf-der-limmerstrasse-die-region-hannover-uebergeht-die-interessen-lindens-und-der-stadt-hannover/

Titelbild: Entwurf der Kreisellösung aus dem Verkehrskonzept der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

07.02.2021; 15:15

Kommentare

  1. Was, wo hat der damalige Zugang zum Ihmezentrum das überqueren der Straßen für zu Fuß gehende und Radfahrende erleichtert?
    Die Brücke war für Radfahrende nicht freigegeben!
    Und der Weg über die Brücke war auch nicht schneller, wenn man nicht in das IZ wollte!

    Verständlich dass die Stadt für den Kreisel kein Verkehrsgutachten erstellen will, denn der ist zu klein um auch nur ansatzweise den Gegebenheiten überhaupt gerecht zu werden!

    Die Umgestaltung steht in keinem Kontext denn alle anderen Projekte sind Unabhängig von der Kreuzung/Kreisel, wenn dann muss sich der Kreisel den anderen Projekten unterordnen, aber das tut es nicht!

    Ja, der Tunnel für die Stadtbahn wäre Sinnvoll gewesen, aber das wollten ja vor allen die Politiker aus Linden nicht!
    Tja, jetzt müssen sie eben mit den Hochbahnsteigen leben!

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